E.T.A. Hoffmann: Ein Wanderer zwischen den Welten

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E.T.A. Hoffmann: Ein Wanderer zwischen den Welten

E.T.A. Hoffmann geboren am 24. Januar 1776 - gilt als großer Fantast der deutschen Literatur. Mit seinen Märchen und Spukgeschichten, in denen es von sprechenden Tieren, Fabelwesen, Dämonen und Automaten nur so wimmelt, war er ein wichtiger Wegbereiter von Fantasy und Science-Fiction-Literatur. Sein großes Talent wurde erst im 20. Jahrhundert erkannt.

Dabei war E.T.A. Hoffmann nicht nur Dichter. Als Komponist, Maler, Karikaturist, Musikkritiker und Zeichner wirkte er auf verschiedenen künstlerischen Gebieten. Die Zuwendung zur Kunst stellte dabei immer auch eine Flucht aus der wirklichen Welt dar. Mit der Juristerei verdiente der pflichtbewusste Beamte seinen Lebensunterhalt, das Schreiben, Musizieren und Malen brauchte er, um seiner Fantasie Ausdruck zu verleihen. Zeitweise jedoch auch als finanzielles Zubrot.  

Musik als Offenbarung 


Nach der Scheidung der Eltern wuchs Ernst in der Obhut der Familie seiner Mutter auf. Die Atmosphäre war wenig herzlich und von strengen Moralvorstellungen geprägt. Nur die regelmäßig veranstalteten Hausmusikabende waren eine Offenbarung für den Jungen. Er begeisterte sich für die Welt der Musik und erhielt auf Anraten des Schuldirektors Klavier-, Orgel und Geigenstunden, Lektionen in Musiktheorie sowie Mal- und Zeichenunterricht.


Scharfer Geist

Trotz seiner vielfältigen künstlerischen Begabungen beschloss der Familienrat, dass Ernst in Königsberg Jura studieren sollte. Das Studium bewältigte er ohne Widerstände und absolvierte alle drei Staatsexamen mit  Bravour. Den schönen Künsten blieb er jedoch weiter treu. Nicht immer förderlich für seinen Beruf bei Gericht.  Denn sein scharfer Geist, seine Ironie und sein Sarkasmus, die später seine literarischen Werke prägen sollen, blieben allgegenwärtig und machten vor nichts und niemandem Halt. Wegen "staatsfeindlicher" Karikaturen eines Generals wurde Hoffmann 1800 nach Polen strafversetzt.  Erst viel später sollte er er nach Berlin zurückkehren, wo er wieder als Richter tätig war. 

1795: Hoffmann beginnt zu schreiben


In Polen lernte Hoffmann seine spätere Frau Michalina kennen. Mit ihr hatte er eine Tochter, Cäcilia. Bereits 1795 hatte Hoffmann verstärkt mit dem Schreiben begonnen. Seine heute bekannten Schriften (z.B. Die Elixiere de Teufels, Der Sandmann, Der goldene Topf, Nussknacker und Mäusekönig)  entstanden aber alle nach 1809 in einem Zeitraum von nur 13 Jahren. 1809 ist ohnehin ein Schlüsseljahr in Hoffmanns Leben. Seitdem nannte er sich aus Verehrung für den Komponisten Mozart  mit drittem Namen Amadeus statt vorher Wilhelm (daher die Initialen E.T.A.). Ein offenes Eingeständnis für sein Leben als Künstler.  



Fließende Übergänge: Zwischen Relität und Fantasie

Wie in Hoffmanns beruflichem Schaffen, so stehen sich auch in seinen Werken zwei Extreme gegenüber: Alltags- und Fantasiewelt sind vorhanden, gehen zum Teil fließend ineinander über. Die Hauptfiguren sind oft Wanderer zwischen den Welten und setzen sich durch diese Erweiterung ihres Bewusstseins auf verschiedenste Weise mit der Realität auseinander. Immer wieder begegnet man bei Hoffmann, wie auch später in der Fantasyliteratur üblich, dem Kampf Gut gegen Böse, wobei bei das Gute am Ende immer siegt.

Romantik: Gefühl und Seele wecken

E.T.A. Hoffmann ist mit seinen Werken der Hochromantik zuzordnen. Die Epoche der Romantik prägte Europa literarisch zwischen 1790 und 1830. Sie ist als Gegenbewegung zur strengen, vernuftbetonten Aufklärung zu verstehen. Die Romantiker versuchten die Kraft des Gefühls, der Fantasie und des Unterbewussten zu wecken. Kennzeichnen war das Streben danach, die irdischen Grenzen von Raum und Zeit  zu sprengen, in unbekannte Gefilde, auch in die (Un-)Tiefen der Seele, vorzudringen.

Welt voller Dämonen und Schreckgespenster

In Hoffmanns Werken spielen oft Ahnungen, Träume und das Unterbewusstsein eine Rolle. Der Zauber einer anderen Welt zwischen Normalität und Wahn, Realität und Fantasie wird aber nicht immer als Erlösung empfunden, sondern oft als bedrohlich und dämonisch. Das brachte dem Dichter auch den Beinamen Gespenster-Hoffmann ein.

 

Hoffmanns Werke auf der Bühne


Mit seinen fanstastischen Geschichten inspirierte Hoffmann viele andere Künstler zu ihren Werken. So sind die berühmten Ballettstücke Der Nussknacker (Uraufführung: 1892, Peter Tschaikowskij) und Coppelia oder: Das Mädchen mit den Glasaugen (1870, Léo Delibes) beide nach Motiven von E.T.A. Hoffmann entstanden. Die Oper Hoffmanns Erzählungen (Uruafführung 1881, Jacques Offenbach) verarbeitet gleich drei Erzählungen des Dichters.

Nicht massentauglich 

Erst im 20. Jahrhundert erkannten Litertaur- und Musikwissenschaftler die ganze Bandbreite von Hoffmanns Bedeutung. Zu Lebzeiten teilte er das Schicksal vieler großer Kollegen: Sein Werk taugte nicht für den Massengeschmack, wurde nur von wenigen anerkannt  Dazu kam eine schwere Erkrankung am Rückenmark, die bei Hoffmann immer mehr beeinträchtigte und letztendlich zur kompletten Lähmung des Körpers führte. 1822 starb der Dichter im Alter von nur 46 Jahren. 

Beim Projekt Gutenberg findet ihr zahlreiche Texte von E.T.A. Hoffmann online. 

 Nic 19.1.2010 / Abbildungen E.T. A. Hoffmann: public domain, CD-Cover: Nussknacker und Mausekönig, Titania Medien 


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