Schach, ein Spiel für kluge Köpfe

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Schach, ein Spiel für kluge Köpfe

Schach ist ein sehr intellektuelles Spiel. Um ein guter Schachspieler zu sein, muss man viele Stellungen kennen und mögliche Züge des Gegners voraus ahnen. Neben Wissen und Kombinationsfähigkeit braucht man also eine gute Portion Intuition.

Schach eines der komplexesten Brettspiele. Die Zahl der möglichen Stellungen wird auf 2,28 * 1046 geschätzt. Das ist eine Zahl mit 46 Nullen! Bereits nach zwei Zügen können 72 084 verschiedene Stellungen entstehen.


Außerdem kann sich Schach auf eine unglaublich vielfältige Weise entwickeln. Wenn man ein Spiel mit nur 40 Zügen berechnet, dann kommt man auf die astronomische Zahl von 10115 bis 10120 Möglichkeiten, wie diese Züge gespielt werden können. Zum Vergleich: Im gesamten Universum gibt es dem aktuellen Wissensstand zufolge etwa 1080 Teilchen.


Schach war lange Zeit der Maßstab für die Künstliche Intelligenz-Forschung. Schach kann man Computern leicht beibringen, weil es auf einigen, wenigen Regeln beruht und das Spielfeld klar umgrenzt ist. Kompliziert wird Schach durch die vielen eigenen Zugmöglichkeiten, und die des Gegners, die man berücksichtigen muss, wenn man an der Reihe ist.


Programme wie Fritz!Schach können deshalb so gut spielen, weil der Computer in einer Sekunde mehrere Millionen Stellungen analysieren kann. Der Rechner Deep Blue (siehe Bild), der 1997 den damaligen Schachweltmeister Gary Kasparow schlug, schaffte sogar 100 Millionen Stellungen pro Sekunde. Das klingt zwar nach viel, aber ...

100 Millionen Stellungen pro Sekunde entsprechen 108 Stellungen pro Sekunde. Um alle oben genannten 2,28 * 1046 Möglichkeiten durchzurechnen, würde Deep Blue 1036 Sekunden benötigen. Das Universum ist aber nur etwa 1016 bis 1025 Sekunden alt. Deep Blue würde also mindestens 10 Milliarden mal länger brauchen als das Universum alt ist!


Bislang gab es erst wenige Siege von Computern über Profi-Schachspieler. Menschen denken anders, langsamer, aber offensichtlich nicht weniger effektiv. Und ein Beweis für Intelligenz von Computern sind die Siege auch nicht. Eher für die Intelligenz der Programmierer.


Interessanterweise schneiden Computer bei einer japanischen Schach-Form, dem Go!, schlecht ab. Bei Go! muss man eher in flächigen Mustern denken als in klaren Linien wie beim Schach. Dies in Programme umzusetzen, ist schwierig.


Ein Brett viele Spiele


Neben der klassischen Variante, bei der sich zwei Spieler gegenüber sitzen, gibt es noch andere Arten, eine Partie Schach auszutragen.


Als es noch kein Internet gab, war Fernschach eine langwierige Sache. Die Spieler sitzen irgendwo auf der Welt. Früher wurden die Züge per Post ausgetauscht. Dank Internet ist Fernschach heute auch für weniger Geduldige geeignet. Entweder spielt man direkt online gegeneinander oder tauscht die Züge per Email.


Blitzschach ist eine schnelle Angelegenheit. Jeder Spieler hat nur fünf Minuten oder weniger Zeit, um über seinen nächsten Zug nachzudenken.


Beim Blindschach spielt einer oder beide Spieler, ohne das Brett anzuschauen. Man muss also ein sehr gutes Gedächtnis haben.


Simultanschach wird von einem meist starken Spieler gegen mehrere andere Spieler mit je eigenen Brettern gespielt. Eine sehr publikumswirksame Variante, die oft im Rahmenprogramm von Turnieren zu finden ist.


Erklärungen:

Ein Remis bedeutet einfach unentschieden. Dazu kommt es, wenn man keinen Zug mehr machen kann, aber kein König im Schach steht.


Bei einer Rochade tauscht der Turm und der König einer Farbe den Platz. Das ist nur unter bestimmten Bedingungen und nur einmal pro Spieler und Partie erlaubt.


Die Elo-Zahl ist ein Maß für die Stärke von Spielern. Sie beruht auf statistisch-mathematischen Verfahren. Aus dem Punktunterschied von zwei Spielern lässt sich die Wahrscheinlichkeit ablesen, wer wie oft gewinnen wird. Benannt ist die Elo-Zahl nach ihrem Entwickler, dem Ungarn Arpad Elo.


Übrigens:


Eine alte Darstellung des Schachspiels aus Persien.

Der so genannten Weizenkornlegende zu Folge erfand Sissa ibn Dahir das Schachspiel. Der indische Herrscher Shihram wollte ihn unbedingt kennenlernen und gewährte ihm einen Wunsch. Sissa wollte nichts weiter als ein Weizenkorn auf dem ersten Brett, zwei auf dem zweiten, vier auf dem dritten und so weiter, immer doppelt so viele wie auf dem vorhergehenden Feld.


Shihram gewährte ihm den Wunsch und war erbost, als er feststellen musste, dass er mehr als die gesamte Weizenernte seines Reiches hätte weggeben müssen (mathematisch: (2 hoch 64)1 Weizenkörner). Das Schicksal Sissas ist unbekannt. Einige Quellen behaupten, der Herrscher ließ ihn hinrichten, andere sagen, dass ihm der Wunsch gewährt wurde aber er musste jedes Weizenkorn einzeln zählen.


Eine deutsche Schachseite mit vielen Infos und Live-Übertragungen.

Hier könnt ihr online Schach gegen andere spielen.


Wer sich mit dem klassischen Schach nicht anfreunden kann, für den ist vielleicht Märchenschach das Richtige.

Text: -jj- 14.10.2008 // Bilder: Schach Persien/PD; Deep Blue: James the photographer/cc-by-sa 2.0; Figuren: Alan Light/GFDL; Schachbrett: Lee Daniel Crocker/PD;

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