Neu bei Olympia: BMX

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Neu bei Olympia: BMX

Dieses Jahr ist erstmals BMX bei Olympia vertreten. Unser Leser Laurence fährt in seiner Freizeit professionell BMX und erzählt euch heute mehr über diesen rasanten Radsport.

Hallo, ich heiße Laurence Fischer, bin 10 Jahre alt und wohne in Herzogenaurach. Ich gehe in die sechste Klasse des Gymnasium Fridericianum in Erlangen. Da heißt es Latein lernen, Englisch und Altgriechisch und noch mehr Latein, Latein, Latein. Zum Ausgleich spiele ich in meiner Freizeit Geige und fahre BMX.


Der BMX-Sport gefällt mir, weil man sich da sehr gut austoben kann und gleichzeitig hochkonzentriert sein muss. Man muss nicht nur körperlich fit und enorm schnell unterwegs sein, sonder auch sein Rad sehr gut beherrschen und in jeder Situation kontrollieren können. Ich finde, BMX-Race ist ein sehr anspruchsvoller und vielseitiger Sport.


Übung macht den Meister


Als ich mit dem BMX angefangen habe, war ich sieben Jahre alt und musste als erstes das Pushen üben. Das heißt, um von den Hindernissen auf der etwa 400 Meter langen Bahn nicht ausgebremst zu werden oder gar unkontrolliert abzuheben, muss der gesamte Körper mit Armen und Beinen wie ein Stoßdämpfer arbeiten und die Hindernisse wegdrücken.


Das sieht zwar einfach aus, ist aber gar nicht so leicht. Durch gutes Pushen wird man sogar schneller und das ist gerade auf der Zielgeraden oft Platz entscheidend. Ab einer gewissen Geschwindigkeit kann man manche Hindernisse nicht mehr nur pushen, man muss sie wheelen oder springen. Beim Wheelen durchfährt oder überfährt man die Hindernisse auf dem Hinterrad und auch hierbei pushen gute Fahrer die Hindernisse zusätzlich mit den Beinen um noch schneller zu werden.


Schutzausrüstung ist Pflicht


Damit mir bei den Rennen und beim Training nichts passiert, trage ich eine gute Schutzausrüstung. Einiges davon ist auch Pflicht, zum Beispiel der Vollschalenhelm, lange Kleidung und die Handschuhe. Zusätzlich trage ich und viele meiner Mitstreiter noch einen Panzer (unten) mit Ellbogenschutz und Knieschoner (rechts). Die spezielle BMX-Hose ist aus sehr festem Material, damit sie nicht so leicht bei einem Sturz zerreißt.

Leider habe ich mich trotzdem schon hier und da mal verletzt, denn ganz ohne Sturz kommt bei dieser Sportart niemand durch. Meine schlimmste Verletzung hatte ich im letzten Herbst, als ich vom Pedal abgerutscht bin. Dabei schlug mir das andere Pedal von hinten ins Bein und riss mit einer der scharfen Zacken des Pedals ein Loch in meine Wade. Die Wunde musste mit vier Stichen genäht werden.

Wöchentliches Training


Neben dem Panzer und den Knieschonern gehört auch ein Vollschalenhelm und eine strapazierfähge Hose zur Schutzausrüstung. Jetzt kann es losgehen zum Training.

Ich fahre für den BMX-Verein Herzogenaurach. Unsere Vereinsfarbe ist Orange, deshalb sind auch meine Hose und mein Trikot in dieser Farbe. Zweimal in der Woche trainieren wir für jeweils zwei Stunden. Hier wird neben dem Üben von Gatterstarts, pushen, wheelen und springen, natürlich die Kondition trainiert.


Damit auf der Bahn nicht so ein Durcheinander herrscht, werden die Fahrer in zwei Gruppen aufgeteilt, in die Gruppe der Anfänger und die der Lizenzfahrer. Ich gehöre zu den Lizenzfahrern, weil ich bereits eine Rennlizenz habe. Dafür muss man gut genug sein und sollte auch schon ein wenig Erfahrung im Renneinsatz bei den Anfängern gesammelt haben.


Am Ende des Trainings spielen wir meistens Abdrängen. Hierbei fahren alle zusammen in einem Kreis auf sehr engem Raum und versuchen durch geschicktes Ausbremsen den anderen aus dem Gleichgewicht zu bringen. Wer mit einem Fuß den Boden berührt ist ausgeschieden, das geht so lange, bis nur noch einer übrig ist. Danach müssen wir uns noch zwei Bahnen ausfahren, also locker über die Bahn fahren, ohne zu wheelen oder zu springen.


Renntag: Jetzt gilt's!


Die Rennen selbst sind eine aufregende Sache. Hier tritt man gegen Fahrer anderer Vereine aus ganz Deutschland an. Der BMX-Race-Sport ist enorm schnell und wenn viele ähnlich gute Fahrer am Start sind, kann es auch richtig eng werden, da natürlich jeder die Ideallinie fahren will. In der Regel starten acht Fahrer einer Klasse gleichzeitig und fahren drei Vorläufe.


Gleich geht's los beim Bundesligarennen in Plessa. Um genug Schwung zu bekommen, starten BMX-Rennen von einem Hügel. Die Fahrer werden von einem so genannten Gatter zurückgehalten.

Die besten vier aus allen Vorläufen dieser Klasse werden dann wieder zusammengelegt und fahren Viertelfinale, Halbfinale, je nachdem wie viele Fahrer aus einer Klasse sich für ein Rennen eingeschrieben haben. Bis zum Schluß nur noch acht Fahrer pro Klasse übrig sind, diese fahren dann das Finale. Manchmal gibt es in einer Altersgruppe sehr wenige Starter, nämlich höchsten acht oder weniger, dann gibt es kein Finale sondern lediglich vier Vorläufe.


Ich starte, weil ich zehn Jahre alt bin, in der Klasse U11. Das heißt Unter 11 Jahren. Es starten immer zwei Jahrgänge zusammen und nächstes Jahr muss ich bereits U13 fahren, weil ich da elf werde, also nicht mehr unter elf bin.


Die Belohung für das harte Training: Sieger in Plessa



Die wichtigsten Rennen sind für mich der Bayernpokal und die Bundesligaläufe. Das sind beides Rennserien die jeweils aus zehn Einzelrennen bestehen. Die erzielten Punkte werden gesammelt und am Ende der Saison wird der Gesamtsieger ermittelt.

Bei den Bayernpokalrennen stehe ich im Augenblick auf Platz eins und in der Bundesligarangliste stehe ich auf Platz drei in Deutschland. Meine größten Erfolge waren bisher der Sieg des Bayerpokals 2007, der Bayerische Meistertitel 2007, der Fränkische Meistertitel 2007 und der Bayerische Vizemeister 2008.


Daumendrücken für Olympia


Bei der Europameisterschaft geht es sogar gegen Fahrer aus ganz Europa an den Start. Hierbei sehen die Deutschen aber meist sehr blass aus. Besonders gut sind die Franzosen und Holländer. Sie werden anders gefördert und unterstützt als unsere Sportler. Deshalb ist leider auch bei den Olympischen Spielen in diesem Jahr noch kein Deutscher dabei.

Aber BMX-Race gibt es bei diesen Spielen das erste Mal und vielleicht bekommen auch die Deutschen BMX-Sportler dadurch etwas mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung von ihrem Land. Das würde ich mir wünschen, schließlich möchte auch ich in ein paar Jahren bei Olympia dabei sein!

Bist du jetzt auch neugierig? Erkundige dich bei den Sportvereinen in deiner Gegend, ob dort auch BMX angeboten wird! Mehr über BMX erfährst du auch in unserem WAS IST WAS-Band 49: Sport

Text: Laurence Fischer 4.8.2008 // Bilder: Petra Fischer

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