Mein längster Tag des Jahres: der IRONMAN in Frankfurt

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Mein längster Tag des Jahres: der IRONMAN in Frankfurt

Es ist soweit. Sonntag, 01. Juli, Frankfurt - Tag des Ironman! Aufstehen um 3.30 Uhr - so richtig gut kann man davor allerdings vor lauter Aufregung auch nicht schlafen -, ein paar Happen frühstücken. Das ist wichtig, weil der Körper Energie braucht und ein paar Stunden benötigt, um den Kreislauf hochzufahren. Um etwa 5 Uhr fahren wir zum Langenerwaldsee, der etwas außerhalb von Frankfurt liegt. Hier beginnt der Triathlon mit dem Schwimmen. Wir sind viel zu früh dran...





Eine beeindruckende Kulisse: Die Frankfurter Skyline.

Vor dem Start

Ich bin mit ein paar Freunden aus Nürnberg da. Alle sind richtig aufgeregt. Um etwa 6:30 Uhr heißt es, dass alle Athleten sich ins Wasser begeben sollen, da bald der Start erfolgt. Bereits um 6:50 Uhr sind wir fast alle im Wasser. Es ist sehr kalt und man muss auf der Stelle schwimmen, damit man nicht untergeht.


Ca 2.300 Triathleten beginnen den IRONMAN in Frankfurt...

Schwimmen

Endlich fällt dann der Startschuss. Massenstart: ca. 2.300 Triathleten beginnen auf einmal los zu schwimmen. Im Wasser herrscht zu diesem Zeitpunkt Krieg. Auch ich bekomme dieses Mal ein paar Schläge ab, da ich erst in der 4. Reihe starte. Weil ich früher viel geschwommen bin, kann ich mich aber bald mit einigen anderen von der Masse absetzten. Wenn man sich hier überschätzt und sich zu weit vorne anstellt, wird man ohne Rücksicht von den anderen einfach überschwommen. Das ist ziemlich unangenehm.


Ganz hart für die Athleten: Auf der Schwimmstrecke müssen die Triathleten dazwischen an Land und wieder ins Wasser.

Nach etwa 2,3 km kommt ein Landgang das heißt, raus aus dem Wasser und nach ca. 50 Metern laufen wieder hinein. Für den Sportler ist das sehr anstrengend, da der Körper aus dem Rhythmus kommt. Es ist äußerst unangenehm, wenn das Blut an andere Stellen des Körpers muss. Dann bin ich endlich fertig mit dem Schwimmen. Nach ein wenig mehr als 53 Minuten habe ich die 3,8 km bewältigt. Ich glaube, ich kam so als 25 30ter aus dem Wasser. Danach muss man einen Anstieg hoch laufen. Das ist auch sehr heftig. Man kommt aus dem Wasser und es geht direkt bergauf.


Nach dem Schwimmen müssen die Triathleten auf das Rad wechseln - der ganze Körper muss sich auf die neue Belastung erst einstellen.

1. Wechsel

Beim Wechseln lasse ich mir dann zu viel Zeit aber ungewollt. Ich verliere irgendwie meinen Chip für die Zeitmessung, den ich eigentlich um die Fußfesseln getragen habe. Zum Glück finde ich ihn aber gleich wieder. Dann ziehe ich schnell den Neopren (Gummianzug) aus, steige aufs Rad und los geht's.


Rad fahren

Zunächst lasse ich es auf dem Rad langsam angehen. Die Muskulatur muss sich erst an die neue Belastung gewöhnen. In aller Ruhe ziehe ich meine Schuhe richtig an und drücke mir zwei Kohlenhydrat-Gels in den Mund.



An der ganzen Strecke werden die Sportler von Tausenden von Zuschauern angefeuert.

Nach ca. 20 bis 30 km bekomme ich Gesellschaft von einer sehr guten Profitriathletin: Nicole Leder. Später erfahre ich, dass sie in einem dramatischen Laufsprint kurz vor dem Ziel das Rennen gewinnen konnte. Weiß auch nicht warum, aber irgendwie ist sie immer in meiner Nähe, entweder vorne oder hinten. Eigentlich kennt sie micht nicht, aber ich fahre mit ihr etwa 100 km. Nach ca. 30 oder 40 km treffe ich meinen Kumpel David. Er kam nach mir aus dem Wasser, hat aber inzwischen mächtig aufgeholt.


Während des ganzen Wettkampfs begleiten Kameramänner auf Motorrädern die Athleten.

So bei km 140 sind auf einmal viele Motorräder und Autos. Auch das Fernsehen ist dabei. Kameramänner auf Motorrädern. Irgendwann realisiere ich dann, dass ich die Führende der Frauen eingeholt habe. Es ist Andrea Brede mit ein paar anderen Damen im Schlepptau. Die bekriegen sich ordentlich. 20 km vor dem Wechsel fahre ich voraus, da ich nicht mit den ganzen Kameramännern und Damen zusammen im Wechselzelt landen will. Das wäre mir zu voll.




Die Zeit bleibt bei etwa 4:57 Stunden stehen. Das entspricht einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 36 Stundenkilometern. Schon hier bin ich sehr stolz auf mich, denn ich bin bereits hier, im Vergleich zum letzten Jahr, über eine halbe Stunde besser!


2. Wechsel

Ich wechsle dieses Mal relativ zügig und ziehe mir die Laufschuhe an. Der Wechsel ist aber bei mir immer schwer. Die Oberschenkel neigen zum Verkrampfen und tun wirklich sehr weh.




Einer der Favoriten: Weltmeister Faris Al-Sultan aus München beim Laufen. Am Ende belegte er den 6. Platz.

Laufen


Viele sagen, dass der Triathlon erst mit dem Marathon so richtig beginnt. Die Oberschenkel sind vom Radeln sehr, sehr müde. Da ich mich aber noch nicht zu 100 Prozent ausgelastet habe, ist noch genügend Kraft für die 42,2 km da. Und außerdem: Es ist egal, ich muss da eh durch. Schließlich stehen meine Freundin und meine Eltern an der Strecke. Es ist wirklich immer eine Riesenfreude an ihnen vorbei zu laufen. Da man den Marathon in einen Rundkurs von 4 mal 10,5 Kilometern läuft, kommt man immer wieder an ihnen vorbei. Es gibt mir jedes Mal wieder einen enormen Energieschub, wenn ich sie sehe.




Richard beim Laufen...Die Beine werden immer schwerer...

Ach, die Führungsgruppe der Damen rennt in einem irren Tempo an mir vorbei. Nachdem ich ja kein so toller Läufer bin, habe ich keine Chance. Das ist mir aber sowieso egal, ich bin nur froh, dass ich noch am Leben bin. Zu diesem Zeitpunkt können mich Freunde daheim sogar im Fernsehen sehen, da die Führenden immer mit Kameras begleitet werden. Tja, so laufe ich dann die 42,2 km in einem für mich guten Tempo. Ich trinke dabei Unmengen von Cola, Redbull und Wasser und halte meinen Körper so in Schwung.

Ungefähr bei km 32 sagt mir meine Freundin, dass ich noch eine Zeit von 9:45 schaffen kann, wenn ich das Tempo durchhalte. Das habe ich mir bereits auch schon ausgerechnet. Mit dieser Zeit im Kopf überwinde ich noch mal die Schmerzen und kämpfe gegen den Wunsch stehen zu bleiben und mich hinzulegen an. Ab km 38 wird es dann so langsam unerträglich und die Kilometer vergehen nur noch in Zeitlupe. Vielleicht habt ihr das auch schon mal festgestellt, wenn man leidet, kommt es einem so vor, als ob es ewig dauert. Alles ist nur noch ganz schwer zu ertragen und man muss sich schon schwer zusammenreißen.


Glücklich: Richard mit seiner Urkunde und der Medaille. Seine Zeit: Hervorragende 9:48 Stunden. Ein unglaublicher - langer - Wettkampf ist zu Ende.

Zieleinlauf

Dann: Die Zuschauermengen werden dichter und dichter. Ich biege in die Zielgerade ein. Tausende von Menschen jubeln mir zu. Wahnsinn! Ich muss mit den Tränen kämpfen. Es ist überwältigend. Viele Menschen strecken mir die Hände zum Abklatschen entgegen. Mein Blick überfliegt die Menschenmassen. Ich suche meine Freundin und meine Eltern. Ich weiß, sie müssen hier irgendwo stehen. Dann sehe ich sie! 50 Meter vor dem Ziel.  Es ist nur ein Augenblick, der aber sehr wichtig ist. Denn sie sind da! Dann das Finish. Die Uhr bleibt bei für mich fantastischen 9:48 Stunden stehen. Ich bin völlig überwältigt. Meine alte Bestzeit von 11:04 ist pulverisiert. 

Danach werde ich an "die Hand" genommen. Ein Betreuer kümmert sich um mich und wartet so lang bis er sicher ist, dass ich nicht zusammenbreche. Im "Athlets Garden" (Aufenthaltsbereich für die Athleten nach dem Ironman) sehe ich in viele gezeichnete Gesichter. Es sind aber glückliche Gesichter. Es sind Gesichter von Menschen, die es geschafft haben sich selbst zu besiegen.

Echte Eisenmänner und -frauen!!!

-Richard / ab - 04.07.2007 Text / Fotos: Bettina Viering.

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