Ein Fußballer von Gottes Gnaden!

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Ein Fußballer von Gottes Gnaden!

Wenn es einen Menschen in Deutschland gibt, dessen Name mit Erfolg gleich gesetzt wird - dann ist das Franz Beckenbauer. Nicht nur auf dem Fußballfeld war der elegante Libero wegweisend - auch als Trainer, Vereinspräsident und Sportfunktionär gab und gibt Beckenbauer vor, wo es lang geht. Am 11.09.2005 feiert "der Kaiser" seinen 60.Geburtstag und kann dabei auf eine einmalige Erfolgsgeschichte zurückblicken:

Er steht für Erfolg, nicht nur im Sport: Franz Beckenbauer mit WM-Pokal 1974 auf einem Buchcover

Fußball und sonst nix!

Der Sohn eines Postbeamten aus dem Münchner Arbeiterviertel Obergiesing entdeckte schon früh seine Leidenschaft für den Fußball. Zuhause war es beengt und so zog es die vielen Kinder der Nachbarschaft auf die Straße - zum Kicken. Und bald bewies er besondere Fähigkeiten am Ball. Sein 1. Verein war der SC 1906 München. Doch mit 13 war klar, was für ein Talent er war und so wechselte er zu einem größeren Verein, zum FC Bayern München. Er kam in der Jugendnationalmannschaft zum Einsatz und 1965, Beckenbauer war 20, spielte er zum ersten Mal in der 1. Herrenmannschaft in der Regionalliga, damals die zweithöchste Spielklasse als Linksaußen.

Der damalige Nationaltrainer Sepp Herberger nannte ihn einen Spieler von Gottes Gnaden.

Sein internationaler Durchbruch gelang ihm bei der WM 1966 in England, als Deutschland im Endspiel durch das Wimbley-Tor verlor. In diesem Finale sollte er den gefürchteten und schnellen hängenden Mittelstürmers Bobby Charlton Mann decken und ausschalten. Obwohl seine Lieblingsposition eigentlich im zentralen defensiven Mittelfeld, auf der Liberoposition war, löste er seine Aufgabe hervorragend. Die beiden Ausnahmefußballer verbindet seither eine Freundschaft, wie Franz Beckenbauer mit vielen Stars befreundet ist, so auch mit Pelé oder Platini.

Kapitän und Motor der Nationalmannschaft

Von 1965 bis 1977 absolvierte Beckenbauer 103 Länderspiele. Er war ein Spieler mit unglaublichem Überblick, der die Abwehr organisierte, antrieb und das Spiel nach vorne dirigierte. Er war elegant am Ball und brachte sich mit Schüssen aus der Distanz auch gern selbst nach vorne ins Spiel.

1972 führte er die deutsche Nationalmannschaft als Kapitän zum Europameistertitel. Insgesamt nahm er als Spieler an drei WMs teil: 1966, 1970 und schließlich 1974. Bei dieser WM in Deutschland gelang schließlich der größte Coup: Mit 2:1 wurden die Niederländer im Finale besiegt, Deutschland war zum zweiten Mal Weltmeister. Insider betonten, wie wichtig Beckenbauers Rolle damals war und dass er zum Teil den damaligen Bundestrainer Helmut Schön entthronte. Mit dem Titel und seiner herausragenden Leistung während des Turniers krönte sich Beckenbauer auf jeden Fall zum unangefochtenen Fußball-Kaiser!

Mit Bayern München erfolgreich

Parallel eilte Beckenbauer mit seinem Verein von einem Erfolg zum nächsten. Nach dem Aufstieg in die Bundesliga 1965 gewann der "Franz" zwischen 1967 und 1976 alle möglichen nationalen und internationalen Titel mit seinem Verein: In 394 Spielen für den FC Bayern schoss er 44 Tore. 1969, 1972, 1973 und 74 wurde er 5 Mal deutscher Meister und gewann vier Mal den deutschen Pokal. Drei Mal in Folge holten die Bayern mit Beckenbauer den Europapokal der Landesmeister (1974, 1975, 1976), den Pokal der Pokalsieger (1967) und 1976 auch den Weltpokal.

Vier Mal wurde er zum deutschen Fußballer des Jahres gewählt, 1972 und 1976 auch zu Europas Fußballer des Jahres.

Erfolg im "Ausland":

1977 wechselte Beckenbauer in die USA - sozusagen gutbezahlter Fußballbotschafter in ein Fußballentwicklungsland und sorgte dafür, dass "Soccer" dort beliebt wurde. Drei Mal gewann er mit Cosmos New York US-Meistertitel. Und als kaum jemand mehr mit einer Rückkehr des "Franz" in die Bundesliga rechnete, wechselte er von Bayern in den Hohen Norden, zum HSV und holte mit den Hamburgern 1982 nochmals die Meisterschale.

Ein Bildband der zum 60. Geburtstag erscheint

Auch als Trainer und Teamchef erfolgreich!

Als einziger deutscher Fußballer gelang es ihm sowohl als Spieler, als auch als Trainer den Weltmeistertitel zu holen: 1974 als Kapitän der deutschen Nationalmannschaft und 1990 als Teamchef. Ohne Trainerlizenz führte die "Lichtgestalt" von 1984 bis 1990 die deutsche Mannschaft und erreichte mit ihr den Finalsieg gegen Argentinien bei der WM in Italien - der 3. WM-Titel war geholt!

Danach widmete er sich zunächst als Präsident dem FC Bayern. Doch als ein entsprechender Trainer fehlte, übernahm Beckenbauer auch diese Verantwortung - und natürlich wieder mit Erfolg! So gewann er als eingesprungener Vereinstrainer die deutsche Meisterschaft (1994) und den UEFA-Pokal (1996).

Auch als Funktionär klappt alles:

Nach seiner aktiven Fußballerlaufbahn gründete er 1982 die Franz-Beckenbauer-Stiftung, mit der er Menschen unterstützt, die in Not geraten sind. Als Präsident des FC Bayern trug und trägt er maßgeblich dazu bei, dass der Verein wirtschaftlich und organisatorisch gewappnet ist, um auch im 21. Jahrhundert zu den ganz großen Vereinen im internationalen Fußballgeschäft zu zählen.

Die Homepage von Franz Beckenbauer

In den letzten Jahren hatte Beckenbauer seine Energie einem weiteren ehrgeizigen Ziel gewidmet: die Fußball-WM sollte 2006 in Deutschland stattfinden. Auch das ist dem Sportfunktionär Beckenbauer gelungen. Seit dies geschafft ist, kümmert er sich als Chef des Organisationskomitees darum, dass die WM ebenfalls ein voller sportlicher und wirtschaftlicher Erfolg wird.

Mensch mit Ecken und Kanten

Seit einigen Jahren zahlen große Unternehmen auch eine Menge Geld um mit Beckenbauer Werbespots zu drehen. Zum einen, weil er überall sofort erkannt wird. Zum anderen, weil seine Leistungen von allen anerkannt werden. Und zum Dritten, weil viele ihn für sehr sympathisch und vor allem menschlich halten. Das liegt daran, dass Franz Beckenbauer nie einen Hehl aus seinen Fehlern gemacht hat. Wenn andere über Scheidungen, verlassene Ehefrauen, Wohnsitze im Ausland oder Steuerschulden ihre Popularität verlieren - Franz Beckenbauer haben solche Dinge nichts an, denn seinen Erfolg macht er immer auch zum Erfolg der anderen und mit seinen Niederlagen geht er offen um.

-ab-09.09.2005 Text / Fotos: Cover WAS IST WAS Fußball; Cover Bild/ Weltbildverlag; Homepage: www.franz-beckenbauer.de.

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