Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans Fahren am Limit

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Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans Fahren am Limit

Sowohl Schnelligkeit als auch Ausdauer werden beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans Mensch und Maschine abverlangt. Wer an einem Tag die meisten Runden zurücklegt und danach auch noch sein Auto über die Ziellinie bringt, ist der Sieger. Am 26. Mai 1923, also vor 85 Jahren, wurde das erste Rennen dieser Art ausgetragen.

Die Boxengasse des Kurses "Circuit de la Sarthe".

Was ist das 24-Stunden-Rennen von Le Mans?

Dieses Rennen wird jedes Jahr am zweiten Juniwochenende auf einer Rennstrecke in der Nähe der französischen Stadt Le Mans ausgetragen. Es findet auf der Strecke Circuit de la Sarthe statt, die 13.880 Meter lang ist und zum Teil aus öffentlichen Landstraßen besteht. Der Rest des Kurses gehört zum Circuit Bugati, einem Rundkurs, der für das 24-Stunden-Rennen auch die Boxen bereitstellt.

Da kein Mensch über die gesamte Dauer von 24 Stunden konzentriert fahren kann, wechseln sich innerhalb eines Teams drei Fahrer ab. Gewonnen hat das Team, das nach Ablauf der Zeit die meisten Runden absolviert hat, und sein Auto noch heil ins Ziel bringen kann.

Fahrzeugklassen

Das Teilnehmerfeld beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans wird in vier Fahrzeugklassen unterteilt: zwei Klassen für Sport Prototypen und zwei Klassen GT-Sportwagen, die man auch auf der Straße sehen kann. Die beiden Prototyp-Klassen (LMP1 und LMP2) unterscheiden sich in Gewicht und Hubraum für die verschiedenen Motoren (Saug-, Turbo- oder Dieselmotoren). Während in der Le Mans GT1-Klasse Serien-Sportwagen zum Einsatz kommen, die für den Renneinsatz umgebaut wurden, fahren in der Le Mans GT2-Klasse seriennahe GT-Sportwagen, ohne größere Veränderungen.

Das Plakat des ersten 24-Stunden-Rennens von Le Mans.



Die ersten Rennen

Das erste 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurde am 26. und 27. Mai 1923 auf öffentlichen Straßen von Le Mans veranstaltet. Es war als Langstreckenrennen geplant, bei dem die Autohersteller die Zuverlässigkeit und das Durchhaltevermögen ihrer Autos unter Beweis stellen konnten. Die Franzosen André Lagache und René Léonard gewannen. Anfangs sollte die Trophäe nur an den vergeben werden, der in drei Jahren hintereinander die größte Strecke zurücklegt. Diese Idee wurde jedoch bald verworfen. In den ersten Jahren dominierten die Franzosen, Briten und Italiener die Rennen, erst ab den 50ern wurde es abwechslungsreicher.

Autos, wie dieser Bentley von 1929, nahmen an den ersten Rennen teil.

Eine Besonderheit am 24-Stunden-Rennen war der sogenannte Le Mans Start. Alle Autos waren gemäß ihrer Platzierung in der Qualifikation aufgestellt. Die Fahrer mussten, sobald das Startsignal gegeben wurde, erst zu ihren Autos sprinten, diese selbst starten, um dann erst loszufahren. Diese Regelung wurde aber aus Sicherheitsgründen 1971 abgeschafft. Außerdem durften die Fahrer früher mit mitgeführtem Werkzeug Reparaturen auf der Rennstrecke selbst durchführen. Heute darf nur noch in der Box am Auto gearbeitet werden.

Die Ligne Droite des Hunaudières

Das 24-Stunden-Rennen von Le Mans ist auch wegen seiner langen Geraden, der sogenannten Ligne Droite de Hunaudières (Gerade von Hunaudières), bekannt. Sie ist fast fünf Kilometer lang. Früher konnte man hier Geschwindigkeiten von bis zu 400km/h erreichen. 1986 kam der Österreicher Jo Gartner mit seinem Porsche 962 bei Tempo 300 wegen einer gebrochenen Hinterradaufhängung von der Gerade ab und verunglückte tödlich. Seitdem hat man dort zwei Schikanen eingebaut, sodass man nur noch maximal 340 km/h schnell fahren kann.

So ereignete sich der Unfall von Pierre Levegh.



Die größte Katastrophe des Motorsports

Beim Rennen von 1955 ereignete sich der schlimmste Unfall in der Geschichte des Motorsports. Jaguar-Fahrer Mike Hawthorn überholte Austin-Henley-Pilot Lance Macklins links, bremste danach stark ab und zog nach rechts, weil er noch in die Box wollte. Macklins musste nach rechts ausweichen, um die Kollision mit Hawthorn zu vermeiden.

Dabei fuhr er direkt in die Fahrbahn von Mercedes-Fahrer Pierre Levegh, der wegen der hohen Geschwindigkeit nicht mehr reagieren konnte. Er prallte mit dem Austin-Henley zusammen und flog von der Strecke in die versammelte Zuschauermenge. 84 Menschen, darunter Levegh starben dabei. Hawthorn, der den Crash verursacht hatte, gewann später das Rennen.

Der Audi R8 gewann das Rennen bereits fünf Mal.

Innovationen im Motorsport

Da beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans höchste Anforderungen an die Autos gestellt werden, hat es wie kaum ein zweites Autorennen, die Entwicklung beeinflusst. So wurden zum Beispiel immer neue Karosserien gebaut, die mehr Aerodynamik aufwiesen und damit noch höhere Geschwindigkeiten erreichen konnten. Auch bei den Motoren und Bremsen wurden in Le Mans neue Maßstäben gesetzt. Der Geschwindigkeitsrekord in Le Mans liegt bei 404 km/h. Bei dieser Rekordfahrt wurde allerdings der Motor zerstört.

Mit dem Audi R10 gewann 2006 erstmals ein Diesel-Fahrzeug beim 24-Stunden-Rennen. Das Team bestand aus den beiden Deutschen Frank Biela und Marco Werner, sowie dem Italiener Emanuele Pirro. Sie konnten 2007 ihren Sieg wiederholen.

Auch in Deutschland gibt es ein 24-Stunden-Rennen. Es findet jährlich auf dem Nürburgring in der Eiffel statt. Während in Le Mans 2007 mit 251.000 Zuschauern eine neuer Rekord aufgestellt wurde, erfreut sich diese Rennart auch hierzulande steigender Popularität.

12.05.2008; Text: Jan Wrede, Bilder: Wikipedia, GNU

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