1811 - Geburtsstunde des Turnens

Der 1778 geborene Friedrich Ludwig Jahn war seit 1809 Hilfslehrer in Berlin. Mit seinen Schülern machte er regelmäßige Wanderungen und brachte sie schließlich an den damaligen Stadtrand, an der Hasenheide auf einen Platz um dort mit ihnen Turnübungen im Freien zu machen.

Ganzheitlicher Sport einseitiges Ziel

Foto links: Jahn-Denkmal an der Berliner Hasenheide.

So entstand der erste deutsche Turnplatz, der am 18. Juni 1811 eröffnet wurde. Er war mit Geräten wie Turnpferd, Schwebebaum oder Barren ausgestattet. Ergänzend fanden andere Körperübungen wie Laufen, Springen, Schwimmen, Fechten und Wandern statt.

Foto rechts: Bis vor wenigen Jahren waren an der Hasenheide nachgebaute historische Turngeräte zu sehen (und zu benutzen). Das Bild stammt von 2001.



Während uns das Turnen heute als Selbstzweck oder allenfalls zur Gesunderhaltung des Körpers dienende Maßnahme vorkommt, hatte es in Jahns Augen einen ganz anderen Sinn. Das Turnen sollte eine Vorstufe für die militärische Ausbildung der Männer sein.

Turner kämpfen bei Völkerschlacht

Damals war Preußen von den Franzosen besetzt, was Jahn ein Dorn im Auge war. Sein 1810 erschienenes Buch Deutsches Volkstum macht seine nationalistischen Ziele deutlich: Die vielen Kleinstaaten zu einem großen Deutschland vereinen, das unter der Herrschaft Preußens und nicht Napoleons seine Größe in der Welt deutlich macht.


Bild: Friedrich Ludwig Jahn.

Diese militärischen Gedanken setzte Jahn auch durch und kämpfte mit seinen Turnern bei der Völkerschlacht von Leipzig 1813 im Lützowschen Freikorps gegen die Franzosen.

Die Völkerschlacht war vor dem Ersten Weltkrieg die größte Kampfhandlung in der Weltgeschichte. Frankreich wurde damals von den Verbündeten (Preußen, Russland, Österreich und Schweden) geschlagen.

Die Turnbewegung hatte ursprünglich also in erster Linie politische Ziele. Mehr dazu lest ihr im Artikel über den Turnvater an Ende dieser Seite.

Jahn - Museum

Wer mehr über den Turnvater, sein wechselvolles Leben und seine sportlichen Erfindungen erfahren möchte, kann dies im Jahn-Museum in Freyburg an der Unstrut, dem letzten Wohnort des Turnvaters tun, in dem auch das Grab zu besichtigen ist.

Im Garten des Museums könnt ihr historische Turngeräte wie Zweibaum, Barren, Schwebebaum oder Turnpferd selbst ausprobieren (siehe Foto).

Adresse:

Schlossstraße 11

06632 Freyburg /Unstrut

Öffnungszeiten:

April-Oktober: Di-So: 10-17 Uhr

November-März: Di-So: 10-16 Uhr

Mehr Infos zum Museum hier.

Text: LM 12.06.06, Bilder: Portrait Jahns: public domain (Wikipedia), Fotos Hasenheide: G. Kanter 2001: http://www.rollberg.de/hasenheide/index.html, Museum: www.jahn-museum.de

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