100 Jahre Giro d'Italia

Berühmte Personen

100 Jahre Giro d'Italia

Vor 100 Jahren, am 13. Mai 1909 startete das bis heute nach der Tour de France zweitwichtigste Etappen-Radrennen der Welt, der Giro d'Italia. Wie alles begann und wie das Rennen heute verläuft, lest ihr hier.

Nachdem die Tour de France 1903 auf Initiative eines Sportmagazins gegründet wurde, kamen auch in Italien die Macher der Sportzeitung Gazzetta dello Sport* auf die Idee, ein weiteres großes Radrennen zu veranstalten, um durch die Berichterstattung darüber mehr Leser für ihre Zeitung zu gewinnen.

Ein Rennen mit Hindernissen der erste Giro*

Logo zum 100jährigen Jubiläum des Giro d'Italia.

Am 13. Mai 1909 begann das allererste Rennen. Mitten in der Nacht um 2.53 Uhr starteten 127 Fahrer am Rande Mailands. Die Strecke führte sie über acht Etappen bis nach Neapel und zurück nach Mailand. Insgesamt mussten sie 2448 Kilometer innerhalb von acht Tagen bewältigen. Mit durchschnittlich 300 Tageskilometern hatten sie dabei deutlich längere Strecken als heutige Fahrer, die zwischen 120 und 250 Kilometern am Tag absolvieren müssen.

Betrachtet man zusätzlich noch die damalige Fahrradtechnik, so stellt man fest, welch unglaubliche Leistung hier erbracht wurde. Die 15 Kilogramm schweren Fahrräder waren noch nicht mit Gangschaltung ausgestattet und mussten auch bergab getreten werden. An den Kontrollstellen mussten die Radfahrer absteigen und dem Streckenposten eine Unterschrift abgeben. So wollte man unrechtmäßige Abkürzungen vermeiden.

Foto: Luigi Ganna, der Sieger des ersten Giro d'Italia 1909.

Die erste Tagesetappe von Mailand nach Bologna gewann 1909 der Italiener Dario Beni mit einer Fahrtzeit von 14 Stunden! Immerhin konnten sich die Sportler jeden zweiten Tag ausruhen. Im Verlauf der restlichen sieben Renntage lieferten sich Dario Beni, Luigi Ganna, Carlo Galetti und Giovanni Rossignoli immer wieder spannende Kopf-an-Kopf-Rennen. Luigi Ganna trug schließlich den Gesamtsieg davon.

Nur 49 von 127 Startern waren im Ziel eingetroffen. Kein Wunder, hatten doch auch die Champions mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Einmal wurden sie von einer Zollschranke samt Wächter aufgehalten und Rossignoli hatte großes Pech: er wurde von einem scheuenden Pferd erfasst und schied aus.

Noch mehr Rad-Geschichten

In dieser Ausgabe der Gazzetto dello Sport von 1909 wurden die besten Fahrer des Giro d'Italia vorgestellt.

Auch in den Folgejahren kam es zu Problemen, die uns heute unglaublich erscheinen: 1912 verirrte sich eine Gruppe von Radfahrern. Doch statt umzukehren, nahmen sie den Zug zum nächsten Etappenziel. Die Etappe wurde für ungültig erklärt und die Zuschauer, die auf die Ankunft der Fahrer gewartet hatten, verlangten ihr Eintrittsgeld zurück.

1912 wurde zum ersten und einzigen Mal in der Geschichte des Giro nur die Leistung der Mannschaften bewertet. Insgesamt traten damals 14 Teams an. 1914 gelang es nur acht von insgesamt 81 Startenden, das Ziel zu erreichen. Der Grund: Die Strecken waren mit über 400 Tageskilometern extrem lang.

Während der beiden Weltkriege wurde der Giro in den Jahren 1915-1918 sowie 1941-1945 ausgesetzt.

Wer, wann, wo?

Bild vom Giro d'Italia 2004

Bisher gelang es drei Fahrern, den Giro jeweils fünf Mal zu gewinnen: den Italienern Alfredo Binda (1925-1933), Fausto Coppi (1940-1953), sowie dem Belgier Eddy Merckx (1968-1974).

Auch wenn immer wieder ausländische Fahrer siegen, so wird die Geschichte des Giro doch von Italienern bestimmt sie siegten in 65 von 91 Rennen.

Bild vom Giro d'Italia 2008.

Der Giro d'Italia ist ausschließlich Männern vorbehalten, doch gibt es seit 1988 einen Wettbewerb für Frauen, den Giro Donne.

Anfangs begann und endete der Giro immer in Mailand, da dort die Gazzetta dello Sport ihren Sitz hat. Seit 1960 starten die Fahrer jedes Jahr in einem anderen Ort. Ihr Ziel ist jedoch weiterhin meist Mailand. 2009 soll die Ziellinie in Rom überquert werden. Seit einigen Jahren ist es zudem üblich, dass der Giro auch in benachbarte Länder führt.

Der Giro findet alljährlich im Mai über drei Wochen statt.

Die Trikots

Links: Das rosa Trikot, rechts die "Gazzetta dello Sport" von 1939 auf rosa Papier.

Das begehrteste Trikot ist die Maglia Rosa*, das rosa Hemd, das der Führende in der Gesamtwertung erhält. Warum ausgerechnet rosa? Die Sportzeitung Gazzetta dello Sport, die das Rennen bis heute veranstaltet, wird auf rosa Zeitungspapier gedruckt.

Der Führende in der Bergwertung trägt ein grünes Trikot, während der Beste in der Punktewertung das malvenfarbige Trikot, la Maglia ciclamino* erhält. Seit 2007 wird zusätzlich das weiße Trikot an den besten Nachwuchsfahrer unter 25 Jahren vergeben.

*Hier ein paar Aussprachehilfen zu den italienischen Begriffen:

Giro d'Italia: sprich "Dschiro ditalia"

Gazzetta dello Sport: sprich "Gatsetta dello S-port"

Maglia Rosa: sprich: "Malia rosa" 

Maglia ciclamino: sprich: "Malia tschiklamino"

Mehr über verschiedene Sportarten lest ihr im WAS IST WAS Band 49 Sport.

Text: Liane Manseicher, 11.05.09; Fotos: Maglia rossa: pd; Zeitungsseiten aus der Gazzetta: pd; Bild vom Giro 2004: France 74; Luigi Ganna: pd; Giro 2008: Mirko Macari: cc-by-sa 2.0.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt