Fremdes Leben unter uns

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Fremdes Leben unter uns

Den allergrößten Teil der Erde hat noch kein Mensch gesehen, geschweige denn betreten. Die mal stürmische, mal idyllische Meeresoberfläche verbirgt viele Geheimnisse vor uns. "Wir wissen mehr über das All, als die Tiefsee", soll ein Meeresforscher einmal gesagt haben. Dabei ist die Erforschung der Tiefsee ebenso spannend und verrät uns etwas über die Entstehung des Lebens, wie der Blick ins All.

Meeresbrandung - ein vertrautes Bild. Doch schon wenige Meter tiefer beginnt eine geheimnisvolle Welt, deren ganzes Ausmaß uns für immer verschlossen bleiben wird. Foto: Digital Stock

Die Tiefsee

Man teilt den Ozean in verschiedene Bereiche ein, je nach Wassertiefe. Die Grenze zur Tiefsee liegt bei etwa 1000 Metern. Hier findet sich die so genannte Sprungschicht. In der Sprungschicht fällt die Temperatur bis auf wenige Grade über Null ab. Bis in eine Tiefe von etwa 2400 Metern spricht man vom Bathyal (gr. bathy = "Tiefe"). Daran schließt sich das Abyssal (lat./gr. abyssus = "Bodenlos2) bis in 6000 Meter an. Dann folgt schließlich die Hadal-Schicht (gr. hades = "Unterwelt"), die bis auf den Grund reicht. Ins Abyssal und Hadal dringt keinerlei Sonnenlicht mehr vor, die Temperatur liegt bei wenigen Grad über dem Gefrierpunkt.

Wie kommt man dort hin?

Die Tiefsee ist ein sehr menschenfeindlicher Ort, nur mit hohem technischem Aufwand lässt sich ein Tauchgang bewerkstelligen. Größtes Problem dabei ist der Druck, denn in einer Tiefe von 10000 Metern lastet auf jedem Quadratzentimeter das Gewicht von 1000 kg. Deswegen ist es fast schwieriger, auf den Grund des Ozeans zu gelangen, als zum Mond.

Der erste Mensch, der zum tiefsten Punkt der Erde gelangte, war Jacques Piccard. Sein Vater, der Physiker Auguste Piccard, konstruierte ein so genanntes "Bathyskaph", ein besonders stabiles U-Boot. Am 23. Januar 1960 erreichte Jacques damit den Marianengraben in der Südsee in 10.916 Metern Tiefe. Bislang tauchte kein Mensch tiefer.

Im Meer gelten andere Schönheitsideale als an Land. Weil Partner so selten sind, verwachsen bei einigen Arten Männchen mit den Weibchen und bleiben lebenslang zusammen. Foto: Corel

Lohnt der Weg?

Der Meeresgrund verbirgt auch Bodenschätze, die aber vermutlich für immer außerhalb der Reichweite des Menschen bleiben werden. Es ist zu teuer und aufwändig, sie zu fördern. Aber für die Wissenschaftler ist der Ozean eine Schatzkiste. Mit Sicherheit existieren dort Lebensformen, die noch kein Mensch zuvor gesehen hat. Bis vor 100 Jahren glaubte auch niemand den Seeleuten, die von riesigen Kalmaren (Tintenfischen) erzählten.

 

 

Heute weiß man, dass es tief im Meer Kalmare gibt, die drei Meter lang sind und zehn Meter lange Fangarme haben. Mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern sind ihre Augen die größten im Tierreich. Das deutet darauf hin, dass sie in einer Grenzregion leben, in die nur noch sehr wenig Sonnenlicht gelangt. Man nimmt an, dass sie in Tiefen um mindestens 300 Meter leben. Manchmal findet man auch Wale, die Abdrücke von tellergroßen Saugnäpfen auf ihrem Körper haben - sie haben einen Kampf mit einem Riesenkalmar überlebt.

Weil es so wenig Licht in der Tiefsee gibt, sind gute Augen ein entscheidender Überlebensvorteil

Licht im Dunkeln

Obwohl die Tiefsee Nachtschwarz ist, spielt Licht dort eine entscheidende Rolle. Viele Tiere haben sich darauf verlegt, ihr eigenes Licht zu produzieren - sie betreiben Biolumineszenz. Das funktioniert mit Chemikalien oder leuchtenden Bakterien.

Das Licht wird von Tieren verschieden eingesetzt. Manche verwenden es zur Kommunikation mit Artgenossen, andere nutzen es, um etwas zu beleuchten und wieder andere nutzen das Licht als Lockmittel. Der Anglerfisch etwa nutzt die Neugier seiner Beute aus.

Ein Teil seiner Rückenflosse hat sich zu einer Angel geformt, die vor seinem Maul hängt und an deren Spitze eine leuchtende Kugel sitzt. Interessiert sich ein Beutetier für das seltsame Leuchten, dann reißt er sein Maul auf und der entstehende Unterdruck saugt das Opfer ins Maul. Weil es schwierig ist, in den dunklen Weiten des Ozeans einen Partner zu finden, verwachsen die Männchen mit den Weibchen und bleiben zusammen, bis dass der Tod sie scheidet.

Eis und heiß

Wegen der Lichtlosigkeit, des hohen Drucks und der niedrigen Temperatur hielt man lange Zeit die Tiefsee für einen toten Lebensraum. Das ist völlig falsch. In der Tiefsee existieren neben den schon geschilderten Tieren auch so genannte extremophile (gr.="das extreme liebend") Bakterien. Man nennt sie auch Archae-Bakterien (gr.archae="alt"), weil man annimmt, dass sie zu den ältesten Lebewesen auf dem Planeten gehören. Sie mögen es sehr heiß und lieben hohen Druck.

Sie sitzen in den Ritzen von "Hot Vents". Das sind heiße Quellen am Meeresgrund. Meerwasser sinkt durch Spalten bis in die Zone flüssigen Gesteins. Dort wird es erhitzt, steigt wieder auf und nimmt dabei zahlreiche Salze und Mineralien mit. Quellen, die stark eisensulfathaltiges, schwarzes Wasser ausstoßen, nennt man auch "Black Smoker". Trotz der hohen Temperatur und Druckes, sind diese Quellen dank der Mineralien Oasen des Lebens. Um sie herum wachsen große, bleiche Röhrenwürmer, die sich von den Bakterien ernähren. Mancher Forscher ist der Ansicht, dass unter diesen unwirtlichen Bedingungen das Leben entstand.

Weit ab von den heißen Quellen existieren ausgedehnte Felder brennbaren Eises im Meer. Es ist deswegen brennbar, weil sich in die Wassermoleküle des gefrorenen Eises das Treibhausgas Methan einlagert. Methanhydrat entsteht bei hohem Druck und tiefer Temperatur von selbst. Man spekuliert darauf, das Methanhydrat eines Tages abbauen zu können, denn die geschätzten Vorkommen an Methanhydrat enthalten mehr als doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Erdöl-, Erdgas- und Kohlevorräte der Welt zusammen.

Das Methanhydrat kann aber auch eine Gefahr darstellen. Methan ist ein viel schlimmeres Klimagas als Kohlendioxid. Und es gab schon mehrere Rutschungen am Meeresboden, die große Mengen an Methan freisetzten, unter anderem die Storegga-Rutschung vor 8000 Jahren vor Norwegen. Dabei waren Massen in Bewegung, die einem Siebtel der gesamten Süßwasservorräte der Erde entsprechen, mehr als 5000 Kubikkilometer.

Links:

WIW-Artikel über die Erforschung der Tiefsee

WIW-Artikel über das Leben Jacques Piccards

Das Alfred-Wegener-Institut in Bremen, die Heimat des Forschungsschiffes Polarstern

Hier erfährst du mehr über das Leuchten von Tieren, die Biolumineszenz

Bislang unerklärliche Geräusche aus der Tiefsee

Seite mit Video über einen Riesenkalmar, der im Stralsunder Meeresmuseum ausgestellt ist

Wenn dich das Leben unter Wasser interessiert, dann schau doch mal in unseren WAS IST WAS-Band 32: Meereskunde

Text: -jj-22.6.2005 Foto Methanhydrat mit freundlicher Genehmigung des IFM Geomar; Foto Riesenkalmar Stefan Kühn/Wikipedia unter der GFDL

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt