Die gefährliche Wanderung des Schreiadlers

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Die gefährliche Wanderung des Schreiadlers

Der Schreiadler gehört zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten überhaupt. Weltweit gibt es nur noch zirka 100 Brutpaare dieser Adlerart. Zur Zeit befinden sie sich auf ihrem Rückflug von Afrika nach Europa und müssen dabei einige Gefahren überstehen.


Wie sieht ein Schreiadler aus?

Schreiadler (Aquila pomarina) gehören mit 55 bis 67 Zentimetern Körperlänge und einer Flügelspannweite von bis zu 1,68 Metern zu den kleineren Vertretern der Gattung der echten Adler. Sie sind etwas größer als ein Mäusebussard. Die Weibchen sind etwas größer als die Männchen. Schreiadler sind recht einheitlich braun gefärbt; die Flügelunterseite ist hellbraun bis weiß.


Foto: Der Schreiadler ist relativ klein und unscheinbar braun gefiedert.

Was frisst ein Schreiadler?

Das Nahrungsspektrum des Schreiadlers ist sehr breit gefächert. Es frisst so gut wie alle kleinen Wirbeltiere bis zur Größe eines jungen Hasen. Darunter sind zum Beispiel Mäuse und kleine Vögel, aber auch Reptilien, wie Ringelnattern oder Eidechsen. Im Winterquartier in Afrika verschmäht der Schreiadler auch Insekten, wie Heuschrecken oder Termiten nicht.



Auf der Jagd hat der Schreiadler drei Methoden zur Verfügung. Beim Suchflug überfliegt das Tier den Boden in geringer Höhe und stößt herab, wenn er ein Beutetier erblickt. Bei der Ansitzjagd setzt er sich auf einen Busch oder Baum und wartet, bis eine geeignete Mahlzeit vorbeikommt. Eine bosondere Art der Jagd ist die Jagd zu Fuß, bei der der Schreiadler über Felder wandert und nach Nahrung sucht.

Foto: Neben der Jagd aus der Luft sind Schreiadler oft zu Fuß unterwegs.





Wo leben Schreiadler?

Schreiadler bewohnen Wälder, an die offene Wiesen oder Felder angrenzen, wo sie ihre Nahrung suchen. Sie überfliegen dabei ein Revier von bis zu 50 Quadratkilometern Größe. Im Sommer bewohnen sie das Gebiet von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, bis nach Russland und in die Türkei. Im Winter ziehen sie ins südliche Afrika (Tansania, Simbabwe, Mosambik und im norden Südafrikas), um dort zu überwintern.

Abbildung: Das Verbreitungsgebiet des Schreiadlers im Sommer (orange) und im Winter (blau).



Der Schreiadler ist gefährdet

Der Schreiadler gehört zu den am stärksten gefährdeten Vogelarten der Welt. Er steht auf der Roten Liste gefährdeter Arten. In den 1990er Jahren gab es noch zirka 20.000 Brutpaare. Anfang der 2000er waren es nur noch 15.000. In Deutschland sind nun nur noch ungefähr 100 Brutpaare des seltenen Raubvogels.



Der gefährliche Flug

Jedes Jahr fliegt der Schreiadler im Herbst nach Süden in sein Überwinterungsgebiet nach Simbabwe, Tansania oder Mosambik. Im Frühjahr legt er dieselben 10.000 Kilometer wieder zurück, um rechtzeitig an den Brutstellen zu sein. Er kann jedoch nicht über das Mittelmeer fliegen, weil er über dem Wasser zu wenig Auftrieb hat. Deshalb umfliegen die Schreiadler das Mittelmeer über Osten.

Foto: Auf ihrem weiten Flug brauchen Schreiadler genug Auftrieb durch Thermik über dem Land.




Sie fliegen also über Israel, Syrien und den Libanon zu ihren angestammten Brutplätze. Doch gerade über diesen Staaten ist das Fliegen sehr gefährlich. Wilderer schießen illegal auf die seltenen Vögel, um ihr Gefieder zu verkaufen. Dadurch geht der Bestand der Tiere weiter zurück.

Genaue Beobachtung

Seit Jahren werden in Brandenburg Schreiadler mit GPS-Sendern bestückt, die die Adler wie ein Rücksack auf dem Rücken tragen. Dadurch können die Biologen den Zug der Vögel beobachten und ihre Population besser verfolgen. So erkannten sie auch, dass viele Tiere über dem Nahen Osten sterben, weil sie von Wilderern abgeschossen wurden. Geht der Bestand weiter zurück, wird es in Deutschland bald überhaupt keine Schreiadler mehr geben.



19.04.2010 // Text: Jan Wrede; Bilder: Adler auf Ast: Grägüs (pd), laufend: Aconcagua (GNU1.2, cc-by-sa 3.0), Karte: Accipiter (GNU 1.2, cc-by-sa), im Flug: Artur Mikoajewski (GNU 1.2, cc-by-sa 3.0) 

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