"In der Spur des Menschen"

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"In der Spur des Menschen"

Vom 22. Mai 2007 an wird im botanischen Garten Potsdams die Ausstellung "In der Spur des Menschen biologische Invasionen" zu sehen sein. Dort wird gezeigt, wie sich Pflanzen und Tiere im Gefolge des Menschen weltweit verbreiten und welche Auswirkungen das auf die angestammte Tier- und Pflanzenwelt hat.

Strecken, die man früher in mehreren Tagen, Wochen oder gar Monaten zurück gelegt hatte, kann man dank moderner Verkehrsmittel heute problemlos innerhalb weniger Stunden bewältigen. Auf diese Weise reisen Menschen und Waren kreuz und quer durch die Welt.


Wolly, die Wollhandkrabbe, ist das Maskottchen einer Ausstellung in Potsdam, die sich um tierische und pflanzliche Wanderer kümmert. 

Tiere und Pflanzen reisen ebenfalls rund um den Globus. Einige werden in der Absicht verschickt, woanders als exotische und exklusive Inneneinrichtung verkauft zu werden. Andere Tiere und Pflanzen reisen unentdeckt und manchmal auch unerwünscht als blinde Passagiere durch die Welt.

Tiere und Pflanzen werden globalisiert

Früher waren große Gewässer, Gebirge oder auch Trockengebiete wirksame Barrieren, die die zügellose Ausbreitung von Arten verhinderten. Die Globalisierung, und damit der relativ ungehinderte Verkehr von Menschen und Waren, erlaubt es Organismen, diese natürlichen Barrieren zu überwinden.


Eine chinesische Wollhandkrabbe die Modell stand für "Wolly". Seit Anfang des 20. Jahrhunderts auch bei uns zu Hause. 



So können unbeabsichtigt fremde Lebewesen in den Frischwassertanks von Schiffen transportiert werden. Oder Individualtouristen bringen als Flugpassagiere Sporen und Samen fremder Pflanzen mit in ihre Heimat. Oder seltene und exotische Tiere werden geschmuggelt.

Ungebetene Gäste

Egal, ob diese Tiere und Pflanzen als Waren absichtlich aus ihren natürlichen Verbreitungsgebieten verschickt wurden, oder ob sie zufällig auf fremde Kontinente transportiert werden: Wenn diese Organismen in der neuen Heimat der Kontrolle des Menschen entfleuchen, also den Vorgarten oder das Gehege verlassen, dann treten sie mit den angestammten Pflanzen und Tieren in Konkurrenz.

Diese Neuankömmlinge können ein über Jahrhunderte oder länger gewachsenes Ökosystem empfindlich stören. Biologen sprechen von einer "biologischen Invasion". Das klingt sehr militärisch, aber es ist tatsächlich so, als fiele eine aggressive Armee in ein unvorbereitetes Land ein.

Oft haben die eingeschleppten Arten, egal ob Pflanze oder Tier, den Vorteil, dass sie am neuen Ort keine natürlichen Feinde haben. Das begünstigt die Ausbreitung der neuen Arten natürlich enorm.


Seit 1929 in Deutschland in freier Wildbahn zu Hause: Waschbären. Sie büchsten aus einer Fellzucht aus und vermehren sich besonders rund um Kassel.

Invasionen weltweit

Biologische Invasionen finden weltweit und in alle Richtungen statt. Es ist also nicht so, dass neue Arten aus dem Ausland nur bei uns aufträten. Auch aus Europa werden Organismen in alle Welt verbreitet.

Schon zu antiker Zeit verbreiteten die Griechen, die Römer oder auch die Phönizier Pflanzen und Tiere im Mittelmeerraum. Die Wikinger brachten vor 1000 Jahren die Sandklaffmuschel aus Amerika mit nach Europa.

Aber auch in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten wurden wieder und wieder ortsfremde Organismen an verschiedenen Standorte eingeschleppt oder sogar willentlich ausgesetzt.


Ein Nandu - Dieser größte Vogel Amerikas ist mittlerweile auch rund um Lübeck heimisch.



Bedrohung von außen

Besonders großen Schaden richteten neue Arten zum Beispiel in Neuseeland und in Australien an. In Neuseeland gibt es heute knapp 1800 ursprüngliche Tier- und Pflanzenarten und fast 1600 eingeschleppte Arten. Auch gab es in Neuseeland und in Australien kaum Raubtiere. Das größte war der Beutelwolf, der um 1900 ausgerottet wurde.

Eingeschleppte Ratten, Katzen, Füchse und Hunde bedrohten die einheimischen und nur in Australien und Neuseeland vorkommenden kleinen Säugetiere. Diese waren sogar doppelt bedroht, denn sie wurden von den räuberischen Neuankömmlingen nicht nur gejagt, sondern nun hatten sie auch noch Konkurrenten bei der Nahrungssuche.

Kaninchen als Landplage

Kaninchen wurden 1859 von Thomas Austin in Australien eingeführt. Er setzte 24 davon auf seinem Gelände aus. Da die Tiere dort keine natürliche Feinde hatten, vermehrten sie sich rasend schnell. Das führte zu Schäden auf Weideflächen und anderen Nutzpflanzen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es gut 500 Millionen Kaninchen, eine richtige Plage.

Um ihrer Herr zu werden, setzte man einen für Kaninchen tödlichen Krankheitserreger aus. Aber schon nach 20 Jahren entwickelten die Kaninchen eine Immunität, so dass heute schon wieder gut 300 Millionen Kaninchen in Australien leben.

Aggressives Grünzeug

Bekanntestes Beispiel einer schädlichen neu eingeführten Pflanze in Europa ist der Riesenbärenklau. Zar Alexander I. schenkte Fürst Metternich 1815 eine Vase voller Samen. Der Fürst pflanzte diese in den Treibhäusern seiner Sommerresidenz. Von dort trat er seinen Zug zunächst als Zierpflanze durch die Gärten Europas an. Von dort schaffte er den Sprung in die freie Wildbahn und grünt und blüht nun in ganz Europa.

Eigentlich stammt er aber aus dem Kaukasus. Er ist widerstandsfähig und produziert viele Samen, die schon früh im Jahr austreiben. Sein Pflanzensaft führt in Kombination mit Licht zu starken allergischen Reaktionen mit Fieber und schmerzhaften Hautrötungen. Am besten Abstand halten, denn an heißen Tagen gasen die Inhaltsstoffe aus und können zu schwerer Bronchitis führen.

  

Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. So ist der nordamerikanische Waschbär mittlerweile in Kassel heimisch, der südamerikanische Laufvogel Nandu fühlt sich um Lübeck sehr wohl. Nicht zu vergessen die chinesische Wollhandkrabbe oder auch verschiedene Papageienarten, die sich in einigen deutschen Städten ausbreiten. Auf Pflanzenseite kann man das drüsige Springkraut ins Feld führen, oder den Essigbaum oder die Falsche Akazie. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass auch Tomate und Kartoffel eingeführte Pflanzen sind, die sich aber mittlerweile hierzulande gut eingelebt haben.

Wer mehr über Pflanzen und Tiere wissen will, die sich im Schatten des Menschen auf Wanderschaft machen, macht sich selbst am besten auf in den botanischen Garten Potsdams. Noch bis zum Jahr 2011 wird dort die Ausstellung "In der Spur des Menschen Biologische Invasionen" gezeigt. Genug Gelegenheit also auch für Südländer wie Bayern oder Württemberger, sich über mehr oder weniger willkommene tierische und pflanzliche "Zuagroaste" zu informieren.

Homepage des botanischen Gartens Potsdam


Text: -jj- 18.5.2007 // Bilder: Waschbär: Darkone/cc-by-sa; Nandu: J. Folmer, Washington DC, Juni 2003/GFDL; Wollhandkrabbe: Christian Fischer/GFDL; Riesenbärenklau: Appaloosa/GFDL; Plakat, Maskottchen "Wolly" und Vorschaubild © Botanischer Garten Potsdam

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt