Hagenbecks Tierpark: Ein Zoo ohne sichtbare Zäune

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Hagenbecks Tierpark: Ein Zoo ohne sichtbare Zäune

Carl Hagenbeck, der Erfinder gitterloser Freianlagen für Tiergärten, sorgte 1907 für eine Sensation. Löwen, Elefanten und viele andere wilde Tiere konnten in seinem neuen Zoo in Hamburg in einer scheinbar natürlichen Umgebung beobachtet werden. Die Freigehege waren nicht durch dicke Zäune, sondern durch weitgehend unsichtbare Wasser- und Trockengräben vom Besucher abgetrennt.

Carl Hagenbeck - Vater des modernen Zoos

Abbildungg: So sah ein typisches Raubtierhaus in einem alten Zoo aus. Alles war zwar ordentlich und sicher, aber ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Tiere angelegt.

Carl Hagenbeck wollte mit dem neuen Konzept zwei Mängel herkömmlicher Zoos beheben: Zum einen fand er Tiere, die traurig in ihren engen Käfigen sitzen, nicht besonders attraktiv für die Besucher. Zum anderen war ihm klar, dass auch die Tiere unter dieser Situation leiden und leicht krank werden. Deshalb entwickelte er künstlich errichtete Anlagen unter freiem Himmel, die der natürlichen Lebensumgebung der jeweiligen Tierarten möglichst ähnlich sein sollten.

Abbildung: Das Afrika-Panorama in Hagenbecks Tierpark wirkt wie ein einziges Gehege. In Wahrheit aber trennen unsichtbare Gräben und Zäune Flamingos, Zebras, Löwen und Mähnenschafe

Die störenden Gitterstäbe ersetzte er durch Gräben und Zäune, die sowohl den Besucher vor den Tieren als auch verschiedene Tierarten voreinander schützen sollten. Schließlich sollten die Tiger sich nicht auf Zebrajagd machen.

Um den Blick auf die naturnahe Landschaft nicht zu beeinträchtigen wurden Gräben und Zäune durch Bepflanzungen geschickt verdeckt. Alles sollte so wirken, als befänden sich die Tiere in Freiheit.

Die ersten Besucher von Hagenbecks Zoo erschraken, als sie sich den gefährlichen Raubtieren scheinbar so ungeschützt gegenüber sahen. Aber Carl Hagenbeck hatte die Absperrgräben sorgfältig berechnet. Lange vor dem Bau des Zoos hatte er mit Hilfe von Versuchen ermittelt, wie weit Raubtiere springen können. Er hatte ihnen dazu Fleischstücke ganz oben an ihren Käfig gebunden um zu sehen, ob sie diese erreichen.

Die neue Anlage ermöglichte es dem Publikum nun auch, sich die natürliche Umwelt der Tiere,  zum Beispiel die afrikanische Savanne, genau vorstellen zu können. Hagenbecks Idee hat sich bis heute bewährt. Alle modernen Zoos gehen auf seine Idee zurück.

Und so sieht Hagenbecks Tierpark heute aus


Foto: Das Afrika-Panorama heute.

Die Panorama-Anlagen sind bis heute wichtige Teile des Tierparks. Insgesamt könnt ihr in dem 25 Hektar großen Zoo 1850 Tiere aus 210 Arten sehen. Schöne alte Bäume und Pflanzen aus allen Kontinenten säumen die Wege. Asiatische Bauwerke und Skulpturen sind eine weitere Besonderheit.

Foto: Elefanten-Gehege



Hagenbecks Tierpark ist der einzige gemeinnützige Zoo Europas, der seit sechs Generationen in Familienbesitz ist und der nicht ständig Geld vom Staat bekommt, um seine Ausgaben von täglich (!) 24.000 Euro zu bestreiten.

Erlebnis-Aquarium mit Tropenwelt

Eine der neuesten Attraktionen: Das Erlebnis-Aquarium, das sich auf 7000 Quadratmetern über drei Ebenen erstreckt. Hier könnt ihr Haie, Muränen und lebende Korallenriffe hautnah erleben. Im Urwald gibt es Nil-Krokodile, Gift- und Würgeschlangen, Flughunde und allerhand exotische Pflanzen zu sehen. Dann gehts ins kühle Höhlen-Untergeschoss. Dort ist es feucht und dunkel, denn hier sind Fledermäuse, Höhlenfische, aber auch Geißelspinnen und Skorpione beheimatet.

Foto: Tapir-Baby Parima wurde am 1. Mai 2012 geboren

Seltener Nachwuchs bei den Tapiren 


Frühjahrszeit ist Babyzeit im Zoo: Deshalb lohnt sich ein Besuch jetzt doppelt. Tierkinder gibt es zum Beispiel bei den Giraffen und Bisons zu bestaunen. Der Star im Gehege der asiatischen Elefanten ist der kleine Assam, geboren Mitte April. Sehr seltenen Nachwuchs gibt es bei den Tapiren. Am ersten Mai erblickte die kleine Parima das Licht der Welt.  

Ihr wollt Hagenbeck online besuchen? Alle zum Zoo, den Öffnungszeiten und Eintrittspreise findet ihr hier.

Mehr über die Entwicklung der Zoologischen Gärten könnt ihr im WAS IST WAS Band 110 "Tiere im Zoo" nachlesen.

  

Text: lm/nic   30.04.07, akt. 2012 Illustrationen: aus WAS IST WAS Band 110, Reiner Zieger, Fotos und Logos: Hagenbecks Tierpark; Tapir Parima: Lutz Schnier,  Panorama-Anlage: Götz Belik.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt