Auf sechs Beinen zum Welterfolg

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Auf sechs Beinen zum Welterfolg

Im Nürnberger Zoo findet unter diesem Motto eine Insektenausstellung statt. Ausgedacht hat sich die Ausstellung der Verein Eutropia e.V. Der asiatische Partner-Zoo Taipeh liefert die Schmetterlingspuppen, die hier beim Schlüpfen beobachtet werden können. Warum manche Käfer so schön bunt sind und warum in der Schweiz Maikäfer vor Gericht standen, erfahrt ihr hier ...

Was ist eigentlich ein Insekt?

Um Insekten kümmern sich Insektenforscher, auch Entomologen genannt. En tomos (griechisch) bedeutet das gleiche wie Insekt (lateinisch), nämlich Einschnitt. Auf Deutsch nennt man sie auch Kerbtiere. Insekten haben einen deutlich drei geteilten Körper, vier Flügel und sechs Beine. Auch Fliegen haben übrigens vier Flügel, das zweite Paar ist jedoch zu winzigen Schwingkölbchen zurückgebildet, ohne die sie nicht fliegen können.

Tiere mit acht Beinen gehören zu den Spinnentieren, Spinnen sind also keine Insekten im wissenschaftlichen Sinne. Zehn Beine gehören zu den Krebstieren und alles, was mehr als zehn Beine hat, wird von Wissenschaftlern als Hundert- oder Tausendfüßler bezeichnet.

Heilige Käfer

Das am meisten verehrte Insekt der Erde war der Mistkäfer. Im alten Ägypten war der Käfer heilig. Denn man glaubte, so wie der Mistkäfer auf Erden seine bis zu 10 cm großen Kugeln aus Dung rollt, Eier hineinlegt und anschließend vergräbt, so wird auch die Sonne über das Firmament gerollt und am nächsten Tag neu geboren. Man mumifizierte die Mistkäfer sogar und legte sie in kleine Sarkophage.

Kleine Tierchen - große Wirkung

Verehrt wird heute kein Insekt mehr, dabei wäre Demut und Respekt vor der Natur sehr wichtig. Täglich sterben mehrere Arten aus, darunter auch Insekten. Die unscheinbaren oder oft als eklig empfundenen Tierchen spielen eine große Rolle für das Leben auf der Erde. Sie übernehmen wichtige Aufgaben.

Sie dienen als Futterquelle und leisten große Dienste beim Zerlegen toter Organismen. Sie sind wichtig für den Stoffkreislauf auf der Erde. Würden Mistkäfer aussterben, würden innerhalb weniger Wochen ganze Landstriche in Afrika im Kot von Elefanten, Nilpferden und anderen Tieren versinken.

Im Regenwald kommen auf eine bekannte Art mindestens noch zehn unbekannte. Einige davon könnten Stoffe gegen Krankheiten produzieren. Doch durch die Abrodung und Verschmutzung zerstören wir, was wir nicht einmal genau kennen. Auch in Europa geht die Zahl der Insektenarten zurück. Denn bei Flurbereinigungen werden Äcker begradigt und Hecken und Kleinwälder entfernt, wichtige Lebensräume für Insekten und Kleintiere.

Schönheit und Funktion

Neben einem Bewusstsein für die wichtige Rolle, die Insekten spielen, möchten die Ausstellungsmacher den Besuchern zeigen, dass man sich vor Insekten eigentlich nicht ekeln muss. Denn buchstäblich bei Licht betrachtet sind sie wunderschön und haben wunderbare Fähigkeiten.

Viele Käferarten glänzen deshalb so schön in metallischen Farben, weil sie von Natur aus eine Sonderlackierung erhalten haben. Ebenso wie bei den farbig leuchtenden Schmetterlingen werden die Farbeffekte durch den Einschluss winzigster Luftbläschen und durch die besondere Anordnung von Molekülen erzeugt. Wie in einem Prisma oder einem Regenbogen wird das Licht gespalten. Weil es keine Farbstoffe im eigentlichen Sinn gibt, können solche Strukturfarben auch nicht verblassen. Es gibt sogar eine Versteinerung eines Käfers zu sehen, die immer noch in schillernden Farben leuchtet.


Ein Exemplar der größten Käfergattung, ein Riesenbockkäfer, darunter einer der kleinsten aus der Gattung der Philidae.

Weitere Ausstellungsbereiche widmen sich dem Einsatz von Insekten bei der Polizei. Findet man eine Leiche, kann anhand der darauf siedelnden Insekten der Todeszeitpunkt festgestellt werden. Man setzt Insekten auch in der Medizin ein, etwa die Goldfliege um eiternde Wunden zu reinigen.

Im Namen des Volkes

Im Mittelalter zerrte man Insekten sogar vor Gericht. Als im 15. Jahrhundert eine Maikäferplage die Schweiz heimsuchte, forderte der Erzbischof von Lausanne die Übeltäter auf, zu einem Gerichtstermin zu erscheinen. Trotzdem sie nicht erschienen, wurde ein regelrechter Prozess geführt die Käfer hatten sogar einen Verteidiger. Schließlich fiel das Urteil des weltlichen Gerichts, was den Käfern befahl, ihr schädliches Treiben zu unterlassen. Der Erzbischof hatte sogar mit dem Kirchenbann gedroht. Teils wurden sie auch zum Tode verurteilt.

Zu guter Letzt erfährt man, dass man Insekten auch essen kann. Der Verzehr von Insekten, etwa gerösteten Heuschrecken, ist aber nicht auf exotische Länder beschränkt. Noch um 1850 herum wurde in einem deutschen Kochbuch eine Maikäfersuppe als Delikatesse gelobt. Nur sollte man keine Maikäfer verwenden, die an Eichen gefressen hatten., denn die würden bitter schmecken.

Bevor euch jetzt der Ekel packt: Schokodragees sind mit Schellack überzogen, einige Kaudragees auch. Aus Schellack machte man früher auch Schallplatten. Schellack besteht aus Ausscheidungen der Lackschildlaus. In dicken Schichten wird es von Bäumen gekratzt, gereinigt und weiterverarbeitet.

Eine sehr empfehlenswerte Ausstellung für die ganze Familie, die mit viel Liebe zum Detail gestaltet wurde. Dreieinhalb Jahre arbeiteten die Macher an der Ausstellung. Neben vielen präparierten Käfern in Schaukästen gibt es zusätzlich ein Gehege für lebende Schmetterlinge. Ihr könnt zusehen, wie sich aus Puppen Schmetterlinge entwickeln. Die Puppen kommen aus dem Partner-Zoo Nürnbergs in Taipeh.

Geöffnet hat die Ausstellung täglich im Naturkundehaus des Nürnberger Tiergartens bis 15. April 2007 von 09.00-16.00 Uhr.

 

 

www.insektenausstellung.de

www.eutropia-ev.de 

Wenn Du dich für Insekten interessierst, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 19: Bienen, Wespen und Ameisen oder in unseren WAS IST WAS-Band 30: Insekten.

Text/Bilder: -jj- 15.12.2006

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