Nationalpark Hainich: Wandeln in den Baumwipfeln

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Nationalpark Hainich: Wandeln in den Baumwipfeln

Ein Urwald mitten in Deutschland? Den gibt es im Bundesland Thüringen. Der Nationalpark Hainich, der mit seinen uralten Buchenwäldern seit Juni 2011 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, lässt sich auf besondere Art durchstreifen. In bis zu 44 Metern Höhe führt ein Baumkronenpfad über einen halben Kilometer direkt durch die Baumwipfel.

Die Urwaldbaumkronen sind ein Ökosystem, das dem menschlichen Auge normalerweise verborgen bleibt, nicht nur in den Tropen. Hier wandeln Insekten von Blatt zu Blatt, hier tummeln sich Käfer und Wanzen, hier weben Spinnen ihre kunstvollen Netze. Je älter ein Wald, desto artenreicher und vielfältig ist auch der Kronenraum.

Ranger geben Auskunft



Kinder dürfen den Pfad ohne Altersbegrenzung begehen. Seitlich sind die breiten Holzplankenwege mit Gittern abgegrenzt. So lässt es sich sicher von einer Plattform zur nächsten laufen, wo Schautafeln reich bebilderte Infos über die Natur des Hainichs bereithalten. Wer mehr wissen möchte: Die Ranger des Nationalparks stehen jederzeit Rede und Antwort. 

 

Kletterparcours für Mutige



Noch mehr Abenteuer gefällig? Parallel zu den Hauptwegen können sich die Sportlichen und Mutigen auf Taus, beweglichen Holzblöcken oder durch gesicherte Hängenetze fortbewegen. Nichts für schwache Nerven der Kletterparcours ist zwar gesichert, aber frei schwebend im Wald. 

Mit Insektenforschern auf "Lichtfang"

Eine besondere Attraktion ist ab Juni geboten. An den Lichtfangabenden locken Entomologen so nennt man Insektenforscher nachtaktive Krabbeltierchen mit einer Speziallampe auf ein weißes Tuch. Die Vielfalt der zu bestaunenden Insekten ist riesig: 560 Großschmetterlingsarten und 500 Käferarten sind nach Sonnenuntergang im Hainich unterwegs. 

 

Ungestörter Lebensraum



Wer in Thüringen Urlaub macht, sollte sich den Baumkronenweg nicht entgehen lassen: Der Nationalpark Hainich nimmt als größte unberührte Laubwaldfläche eine Sonderstellung in Deutschland ein. 90 Prozent des Areals sind wirtschaftlich ungenutzt. Hier konnten sich auch deshalb so viele Arten ungestört entwickeln, weil durch das Gebiet  die ehemalige deutsch-deutsche Grenze verlief. Verschiedene Fledermaus- und Spechtarten, Graukraniche, Dachse und sogar Waschbären leben hier nahezu ungestört. 

Heimlicher Star: Die Wildkatze

Der heimliche Star des Hainich ist die scheue, vom Aussterben bedrohte Wildkatze. Wildkatzen sind in freier Natur kaum zu beobachten. Wer den Samtpfoten trotzdem auf dem Pelz schauen möchte, kann das in der erst im April 2012 eröffneten Schauanlage im Wildkatzendorf Hütscheroda tun.

Die Samtpfoten hautnah

Dort heißt es Augen und Ohren auf: Um einen Blick auf die vier männlichen Exemplare im Gehege zu erhaschen, müssen sich die Besucher zwischen Holzstapeln verstecken oder einen Beobachtungsturm erklimmen. Günstig ist es zur Fütterungszeit am Vormittag oder späten Nachmittag zu kommen, dann zeigen sich die flinken Jäger auf jeden Fall.

Die Anlage liegt direkt am Hainich, etwa 15 Kilometer vom Baumkronenpfad entfernt. Ein kleines Museum und  ausgeschilderte Wanderpfade entlang des natürlichen Lebensraums der Wildkatzen gehören ebenfalls zum Angebot. 

Noch mehr Infos gibt es auf der Homepage des Nationalparks Hainich und des Wildkatzendorfs

Und im WAS IST WAS Band 31 erfährst Du alles zum Thema "Bäume"

Fotos: Creative Commons Lizenz, Autoren: Rainer Lippert, Michael Fiegle, Alena Houková, Nationalpark Hainich, Wildkatzendorf Hütscheroda

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt