Was machen Waschbären in Deutschland?

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Was machen Waschbären in Deutschland?

Wenn ihr in Kassel wohnt, habt ihr bestimmt schon mal einen Waschbären gesehen. Kassel ist nämlich die europäische "Waschbärenhauptstadt". Vor etwa 80 Jahren hat man angefangen, in Deutschland Waschbären auf Pelzfarmen zu züchten, weil ihr Fell so schön ist. Das ist deshalb etwas besonderes, weil die Tiere ursprünglich in Amerika beheimatet sind und der Mensch sie nach Deutschland gebracht hat.


Foto: Auf dieser Weltkarte seht ihr, wo Waschbären leben.

1929 sind einige der importierten Waschbären ausgebüchst. Als fünf Jahre später auch noch ein Waschbärpärchen in der Nähe von Kassel ausgesetzt wurde, um die Tiere auch in freier Natur zu jagen, konnten sich die Bären ungehindert ausbreiten.

Weil sie sehr anpassungsfähig sind und keine Ansprüche an ihre Umgebung stellen, fiel es ihnen leicht, sich auch in Mitteleuropa einen Lebensraum zu schaffen. Bei uns hat der Waschbär keine natürlichen Feinde. Deshalb breitet er sich immer weiter aus. Und das, obwohl Jäger jedes Jahr einen Teil der Tiere erlegen.

Wieso leben Waschbären gerne in der Stadt?

In Städten gefällt es dem Waschbären besonders gut. Hier findet der Allesfresser das ganze Jahr über ausreichend Nahrung in Mülltonnen, auf dem Kompost und an Obstbäumen, ohne lange suchen zu müssen.

Über lose Dachziegel oder den Schornstein finden die Tiere Zugang zu unseren Häusern. Aber auch Bäume und die Kanalisation sind ein beliebter Unterschlupf. Haben sie sich erst einmal eingenistet, wird man sie nicht mehr so schnell los. Wenn man die Waschbären nämlich jagt, steigern die Weibchen ihre Fruchtbarkeit und produzieren umso mehr Nachwuchs.

Für den Menschen werden die Waschbären dadurch zu einer Plage. Außerdem machen die Tiere Krach, besonders nachts. Sie stoßen Mülltonnen um und plündern diese. Oft werfen sie Blumentöpfe um, heben Dachziegel ab und vergrößern die gefundenen Eingänge. Lästig ist auch, dass sie Duftmarken hinterlassen. Daran erkennen andere Waschbären, dass hier schon einmal ein Artgenosse gewohnt hat und es folglich ein schöner Unterschlupf sein muss. So hat man immer wieder neue Waschbären im Haus.

Woher hat der Waschbär seinen Namen?

Wenn Waschbären im Wasser nach Krebsen, Schnecken, Fischen, Fröschen und anderen Säugetieren fischen, machen sie das mit ihren beweglichen kleinen Händen. Ihr Tastsinn ist so gut ausgeprägt, dass sie nicht einmal hinzusehen brauchen, nach was sie da eigentlich suchen. Seinen Namen hat der Waschbär bekommen, weil das Fischen nach Beute so aussieht, als würde er seine Nahrung waschen.

Gibt es Waschbären-Cliquen?

Waschbären sind im Gegensatz zu vielen anderen Kleinraubtieren sehr gesellig. Die Weibchen, die Fähen genannt werden, treffen sich regelmäßig an bestimmten Schlafplätzen und kümmern sich gemeinsam um ihren Nachwuchs. Manchmal schwärmen sie auch miteinander zur Nahrungssuche aus. Die Männchen, man nennt sie Rüden, halten sich aus der Aufzucht der Jungen heraus. Aber auch sie leben in einer Gemeinschaft zusammen.

 

 

Die Tiere, die sich in der Stadt eingerichtet haben, schaffen sich regelrechte Treffpunkte, an denen sie sich einfinden. In freier Wildbahn gehen Waschbären in einem Gebiet auf Wanderschaft, das bis zu zehnmal so groß ist wie das der Stadtbären. In der Stadt leben manche Waschbären sogar nur in einem einzigen Straßenzug. Die Stadt verändert also die Lebensbedingungen der Tiere.



Foto links: Waschbär in Baumhöhle.


Wenn es aber um ihre Schlafgewohnheiten geht, bleiben die Stadtbären ihrer Anlage treu und suchen sich wie die Wildtiere beinahe jede Nacht einen neuen Platz zum Schlafen. In Gegenden, in denen es sehr kalt ist, hält der Waschbär eine kurze Ruhe, die einem Tiefschlaf ähnlicher ist als dem Winterschlaf vieler anderer Tierarten.

Weil der Waschbär in den kalten Wintern bis zur Hälfte seines Gewichts verlieren kann, muss er sich vorher einen dicken Fettvorrat anfressen. In der Ruhezeit finden sich mehrere Waschbären an einem Ort zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Wenn die Temperatur dann wieder auf über 6 Grad Celsius steigt, gehen die Waschbären auf Nahrungssuche.

Woran erkenne ich einen Waschbären?

Waschbären sind grau bis schwärzlich gefärbte Tiere mit einem buschigen, braun und schwarz geringelten Schwanz. Sie werden zwischen 40 und 70 cm lang. Außerdem sehen sie aus, als trügen sie eine schwarze Maske vorm Gesicht. Sie haben flache Pfoten und kurze, kräftige Beine, wodurch sie sehr beweglich sind. Sie können laufen, geschickt greifen, klettern und sogar schwimmen.

In freier Natur werden Waschbären in der Regel sieben bis zehn Jahre alt. Die Artgenossen im Zoo leben etwa doppelt so lang. Waschbären zeichnen sich dadurch aus, dass sie nachtaktiv sind und einen sehr feinen Geruchssinn haben.

Und was ist mit der Familienplanung?

In der Paarungszeit folgt das Männchen mit seiner feinen Nase der Duftspur des Weibchens und schließt sich ihr für einige Tage oder Wochen an. Danach trennen sie sich wieder, die Weibchen bleiben unter sich und auch das Männchen hält sich wieder an die anderen Rüden. Die Tragzeit beträgt zwischen zwei und drei Monaten. Die meisten Waschbärenweibchen werfen im April zwei bis vier Junge.

Mehr über Waschbären erfahrt ihr unter folgenden Links:

Hier gibt's Infos über Waschbären in Städten und Gärten.

Allgemeine Informationen über Waschbären.



Text: Heike Hieronymus, 05.02.07, Fotos: Waschbär auf Baum und Waschbär in Baumhöhle: Tessloff Archiv, übrige Fotos: GFDL.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt