Flocke: Jetzt geht's los

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Flocke: Jetzt geht's los

Knapp 4 Monate alt, 21,2 Kilogramm schwer, 85 Zentimeter groß und nicht so schneeweiß, wie man meinen könnte: Das ist Flocke. Die kleine Eisbärdame hatte heute ihren ersten großen Ausgang im Freigehege. Und das zog rund 400 Journalisten in den Nürnberger Tiergarten. Ab 9. April wird Flocke bei gutem Wetter täglich im Freigehege zu beobachten sein. Wir erzählen euch, wie die Pressekonferenz und ihr erster großer Auftritt verlaufen ist.

Journalisten warten im Löwensaal auf die Fachleute und die Pressekonferenz zu "Flocke"

11.30 Uhr bis 12.30 Uhr: Vorbereitungen



Rund 400 angemeldete Journalisten trudeln seit 9.00 Uhr morgens im Löwensaal gleich beim Nürnberger Tiergarten ein. Darunter Reporter von CNN, vom japanischen und russischen Fernsehen. Alle stellen ihre Kameras auf, stöpseln ihre Laptops ein, überprüfen die Leitungen oder stärken sich am leckeren Buffet - schließlich wird es für viele heute ein langer Arbeitstag.

Tierarzt Dr. B. Neurohr (Mitte) wird interviewt.

Und während die einen schon Tiergartendirektor Dr. Dag Encke interviewen, unterhalten sich die anderen mit dem stellvertretenden Tiergartendirektor Dr. Helmut Mägdefrau über das Eisbärenfräulein. Auch der Tierarzt des Tiergartens, Dr. Bernhard Neurohr, stellt sich den Fragen der Journalisten.


Die Pressekonferenz: Dr. Bernhard Neurohr (Tierarzt), der Bürgermeister von Nürnberg Horst Förther, der Pressamtsleiter Dr. Siegfried Zelnhefer, Tiergartendirektor Dr. Dag Encke, die Tierpflegerin Petra Fitz und der Tierpfleger Harald Hager.

12.30 Uhr bis 13.30 Uhr: Pressekonferenz

Neben Dag Encke, Bernhard Neurohr sind auch der 2. Bürgermeister der Stadt Horst Förther und die beiden Flocke-Tierpfleger Petra Fritz und Harald Hager auf der Bühne. Sie alle geben der Reihe nach kurze Statements zu Flocke. Dag Encke beginnt seine Ausführungen mit der Frage:

Dr. Dag Encke wird für seinen Auftritt vor der Kamera am Gehege geschminkt.

"Warum halten wir Eisbären?"

Seine Antwort: Es gibt noch 20 bis 25.000 Tiere in der freien Wildbahn. Diese sind durch die abschmelzenden Pole und den Klimawandel vom Aussterben bedroht, da das Eis ihnen sozusagen unter den Tatzen wegschmilzt. Eine Auswilderung der Zootiere würde keinen Sinn machen, denn auch sie würden keinen Lebensraum finden. Also halten Zoos eigentlich Eisbären, weil Menschen sie mögen. So zählen Eisbären zu den sogenannten Flaggschiffarten.

Flocke soll als Symbol des Klimaswandels gesehen werden.

Flocke als Flaggschiff

Das sind Tierarten, an deren Beispiel man ökologische Probleme und wichtige Themen festmachen kann. Diese Tiere sind so beliebt, dass durch ihre Bedrohung ein Umdenken erreicht werden kann. Der Eisbär oder in diesem Fall Flocke soll helfen, die Menschen zum Nachdenken und einem umweltbewussteren Handeln zu animieren. Dabei müssen sich alle bewusst sein, dass sie für diesen Bären auch eine Verantwortung haben. Und nur, wenn wir - und zwar jeder einzelne - etwas für den Klimaschutz macht, dann macht die ganze Sache auch einen Sinn.

Flocke entwickelt sich prächtig

Während Dag Encke Flocke also als Symbol für den Klimaschutz präsentierte, erläuterte Tierarzt Bernhard Neurohr, wie Flocke bisher aufgewachsen ist. Natürlich sind ihre vier Tierpfleger auch ihre Haupterzieher. Sie entwickelt sich prächtig, ist fidel und vergnügt. Vergleicht man sie mit gleichaltrigen freilebenden Eisbären in Russland, so stellt man fest, dass sie sich altersgemäß entwickelt: 21,2 Kilogramm schwer, 85 Zentimeter lang - alles optimal. Auch ihr soziales Verhalten ist ihrem Alter gemäß.

Flocke wird selbstbewusster

Die beiden Tierpfleger erzählen dann noch von ihren aufregenden Momenten mit Flocke. Als sie zum ersten Mal die Augen öffnete oder wir Petra Fritz einige Nächte mit ihr verbrachte: Beide auf dem Boden liegend, Flocke auf dem Bauch von Frau Fritz schlafend. Und auch Harald Hager ist stolz darauf, dass Flocke schon eine selbstbewusste Dame wird. Und keiner kennt wohl den Charakter der kleinen Bärin besser, als ihre Tierpfleger: Mal lustig und zutraulich, dann grimmig und bissig, etwa wenn es mit dem Futter zu lange dauert. So langsam kommt Flocke ins Flegelalter und alle Tierpfleger graust es schon ein wenig vor dem Moment, wo die Bärin selbstständig genug ist, um allein zu bleiben.

In drei Gruppen marschierten die Journalisten zum Eisbärgehege.

13.30 Uhr bis 14.00 Uhr: Die Karawane zieht los



Nach der Pressekonferenz kommen noch Fragen und dann werden drei Gruppen gebildet: Film, Text/Ton und Foto und wie eine Karawane ziehen die Journalisten hinter den jeweiligen Schildern zum Aquapark und Flockes Freigehege. Dabei werden sie von so manchen Tiergartenbewohnern, wie den Seelöwen ausgiebig beäugt.

Die Kameras der TV-Sender sind schon längst installiert.

14.00 bis 15.00 Uhr: Warten ist angesagt.

Die TV-Kameras sind schon lange positioniert, die Fotografen suchen sich den besten Blick auf das Gehege, die Radiojournalisten interviewen die Fachleute, geladene Kinder und ihre Eltern. Alles wartet gespannt auf Flocke. 5 TV-Sender werden live von dort senden. Flockes Mutter, Vera, ist im Gehege nebenan. Sie tigert immer wieder hin und her und nimmt Witterung auf. Zwischendurch bekommt sie einen gefroreren Eisblock mit Krabben, Fischen und anderen eisbärigen Köstlichkeiten. Dr. Neurohr erklärt, dass die Eisbärin die Menschen riecht. Sie wird ihr Junges später nicht mehr als ihr Kind erkennen. Aber sie nimmt den Geruch auf. Wäre es ein männliches Tier, wäre sie wahrscheinlich noch wesentlich nervöser, so der Tierarzt.

14.45 Uhr: Zoogegner nutzen ihre Chance



Plötzlich stehen oben im Gehege zwei Zoogegner, die gegen Tierquälerei protestieren. Nachdem sie ihre zu klein beschriebenen Schilder in die Höhe gehalten haben und zu den Zuschauern immer wieder "Stoppt die Tierquälerei" gerufen haben, kommen einige Sicherheitsleute auf sie zu. Ganz ruhig wird die Minidemonstration aufgelöst.

Am Anfang ein bisschen schüchtern, wird sie immer neugieriger.

15.00 Uhr: Sie kommt!

Die Tribüne fasst 500 Menschen - und sie ist gut gefüllt als Flocke mit zwei Tierpflegern und begleitet von einer Kamera ins Gehege tapst. Sie ist schon richtig groß und kugelig geworden, zeigt überhaupt keine Angst vor all den Leuten. Statt auf die Kameras konzentriert sie sich auf die Schuhspitzen ihrer Pfleger, die sie fangen will. Knapp zwei Stunden tollt sie im Gehege herum, geht baden, spielt fangen und erkundet ihr neues Zuhause. Währenddessen wird es unter all den Besuchern richtig ruhig und alle beobachten Flocke!

Vorbereitungen auf den Ansturm!

Ab morgen, dem 9. April wird Flocke täglich jeweils von 9.00 - 11.00 Uhr und 13.00 bis 16.00 Uhr in der Eisbärenanlage zu sehen sein - sofern es Flocke dabei gut geht und sie gerne im Freien herumtollt. Der Tiergarten rechnet mit einem großen Ansturm an Menschen. Für alle Besucher, die im Gebiet des Verkehrsverbundes (VGN und VAG) wohnen, gibt es extra ein Kombiticket das unter www.tiergarten.nuernberg.de bestellt werden kann. Bei diesem Kombiticket für 7,50 Euro (Erwachsener) oder 18 Euro (Familienkarte) ist die Fahrt mit den öffentlichen Verkehsmitteln enthalten. Es lohnt sich also! Damit möchte man auch von seiten des Tiergartens einen bewussten Schritt zum Thema Klimaschutz leisten!

Falls ihr mehr Fotos und mehr Infos über Flockes erste Monate lesen möchtet: Dann empfehlen wir euch "Hallo, ich bin Flocke", ein sehr schönes Tagebuch über die ersten Lebensmonate des kleinen Eisbären! Und im Juli erscheint im Tessloff Verlag noch ein Sachbuch zu Flocke und ihren Artgenossen.

-ab-08.04.2008 Text / Fotos: jj und ab

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