Drei Nashorn-Babys in Krefeld und Berlin

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Drei Nashorn-Babys in Krefeld und Berlin

Nur zehn Minuten dauerte die Geburt des kleinen Spitzmaulnashorns im Krefelder Zoo. Am 6. Mai 2008 kam es um 18.53 zur Welt. Das Ganze ging so schnell von Statten, dass nicht einmal die Tierpfleger so rasch zur Stelle sein konnten. Sie beobachteten die Geburt nur auf dem Monitor. Doch alles ging gut und Mutter Nane kümmert sich seither prima um ihr Kind. Es ist bereits ihr zweiter Nachwuchs. Sohn Davu zog im April 2008 in den Zoo Dvur Kralove in der Tschechei um.

Kleiner Edelstein im Zoologischen Garten

Foto: Spitzmaulnashorn Kito.

Am 3. April 2008 brachte die 22jährige Spitzmaulnashorn-Dame Ine im Berliner Zoo ihr drittes Kind zu Welt. Der kleine Nashorn-Bulle erhielt den Kisuaheli-Namen "KITO", der "Edelstein" bedeutet. Sein Vater ist der 17jährige Jasper.

Einige Zeit hielt Ine ihren Kito vor den neugierigen Blicken der Besucher versteckt, erst seit Kurzem ist der Kleine zu sehen. Bemerkenswert ist, dass Kito bereits das 17. Spitzmaulnashorn ist, das in Berlin geboren wurde. Eine außergewöhnliche Leistung für einen Zoo.

Panzernashorngeburt im Freigehege

Foto: Da uns leider kein Foto vom Berliner Panzernashorn zur Verfügung gestellt werden konnte, zeigen wir euch hier das kleine Panzernashorn Hans, das 2004 im Tiergarten Nürnberg geboren wurde.

Am 27. April 2008 kam mittags um 12.18 Uhr ein weibliches Panzernashorn im Tierpark Friedrichsfelde zur Welt. Die Mutter Betty ist selbst eine echte Berlinerin, wurde sie doch 1995 hier im Tierpark geboren, genauso wie Vater Belur, der schon 18 Jahre alt ist. Nun hat Betty bereits ihr viertes Jungtier bekommen. Wie das Kleine heißen soll, ist allerdings noch nicht bekannt.


Etwas ganz Besonderes war die Geburt des kleinen Panzernashorns auch deshalb, weil sie im Freigehege stattfand. Mehrere Tausend Besucher konnten das seltene Ereignis miterleben. Mutter und Kind sind wohlauf, Vater Belur nimmt das Ganze gelassen.


Panzer- und Spitzmaulnashörner in freier Wildbahn


Etwa 2100 Panzernashörner gibt es noch in freier Wildbahn. Mehr als die Hälfte von ihnen leben im Kaziranga-Nationalpark in Indien. Rund 600 Tiere leben in Nepal. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich also am Südrand des Himalaja. In den Zoos existieren darüber hinaus weltweit 300 Panzernashörner, etwa 40 davon in Europa. Panzernashörner sind also Asiaten.


Spitzmaulnashörner hingegen bewohnt die afrikanischen Savannen. In der Natur bewohnen diese beiden Arten folglich zwei verschiedene Kontinente und sind tausende Kilometer voneinander entfernt.


Foto: Spitzmaulnashorn Kito mit Mama Ine.

Spitzmaulnashörner gibt es Kenia, Tansania, Simbabwe, Namibia und Kamerun. Außerdem wurden sie in Südafrika, Malawi, Swasiland und Ruanda wieder eingeführt nachdem sie in diesen Ländern bereits ausgerottet gewesen waren. Rund 3100 Spitzmaulnashörern gibt es derzeit in Afrika. Nicht viel, wenn man überlegt, dass es 1970 noch 65.000 waren.


Ein Nashorn (fast) ohne Horn

 

Beide Nashornarten gehört innerhalb der Ordnung der Unpaarhufer (Perissodactyla) zur Familie der Nashörner (Rhinocerotoidae). Bei der Geburt hat das Panzernashorn noch kein Horn, es wächst erst nach und nach. Im Horn gibt es keinen Knochenkern, wie bei Rindern. Es besteht vollkommen aus Keratin einem harten Protein, das auch in Haaren und Nägeln vorkommt. Männchen und Weibchen tragen je ein einzelnes, bis zu 60 Zentimeter langes Horn.


Foto: Bei Kitos Mutter Ine kann man die zwei Hörner gut erkennen.

Ausgewachsene Spitzmaulnashörner hingegen tragen zwei Hörner. Neugeborene haben nur eine kleine Verdickung dort, wo das vordere, größere Horn wachsen wird. Die Ansatzstelle für das zweite Horn ist als heller, runder Fleck markiert.

 

Warum "Panzer"-Nashörner?

 

Foto: Ausgewachsenes Panzernashorn.

Die Haut des Panzernashorns hat tiefe Falten. Das gepanzerte Aussehen wird besonders an den Seiten und hinten durch Höcker, die an Nieten erinnern, unterstrichen. Die rosa Haut in den Falten ist besonders anfällig für Parasiten, die von Reihern und Madenhackern entfernt werden. Die Haut der Nashörner ist bis zu zwei Zentimeter dick.


Die Haut der Spitzmaulnashörner hingegen wirkt glatter und nicht so dick. Man kann die beiden Arten auch an diesem Merkmal auf Anhieb unterscheiden.

 

Fakten zum Panzernashorn


 

Foto: Das Nürnberger Panzernashorn Hans trinkt bei seiner Mutter (Foto von 2004).

Jeder Fuß eines Panzernashorns besitzt drei Zehen, jeweils mit einem Huf. Panzernashörner können bis zu 3,8 Meter lang werden. Männchen werden bis zu 1,85 Meter hoch, Weibchen bis 1,60 Meter. Ein Männchen wiegt bis zu 2100 Kilogramm, Weibchen bis zu 1600 Kilogramm. Spitzmaulnashörner sind ähnlich groß, jedoch wesentlich leichter. Sie erreichen nur 800 bis 1500 Kilogramm.

 

Von allen Sinnen ist der Geruchssinn bei beiden Nashornarten am besten ausgeprägt. Die beweglichen, röhrenähnlichen Ohren hören sehr gut. Dafür sehen die Nashörner schlecht.



Nashörner sind sehr gute Schwimmer und sie können - was man kaum vermutet ziemlich schnell werden. Fühlen sich die scheuen Tiere angegriffen oder bedroht, rennen sie los und erreichen dabei bis zu 45 Stundenkilometer. Trotz ihres massigen Körpers sind sie sehr wendig und ändern schnell die Richtung.

 

Die Paarung

 

Panzernashörner beginnen ihre Paarung mit Verfolgungsjagden und Hornrangeleien. Diese können sich bis zu gefährlichen Kämpfen steigern, bei denen sich die Tiere häufig auch schwer verletzen.

 

Die Geschlechtsreife setzt mit vier (Panzernashorn) bzw. fünf (Spitzmaulnashorn) bis acht Jahren ein. Die Tragzeit dauert ca. 16 Monate beim Panzernashorn und 15 Monate beim Spitzmaulnashorn. Jungtiere werden ein (Panzernashorn) bzw. zwei Jahre (Spitzmaulnashorn) gesäugt. Das Kalb bleibt bei der Mutter, bis das nächste Junge geboren wird. Das Junge kann sofort nach der Geburt laufen. Das Jungtier saugt zu Beginn seines Lebens rund 20 bis 25 Liter Milch am Tag, doch schon nach zwei Wochen interessiert es sich auch für feste Nahrung.

 

Der Speisezettel

 

Panzernashörner leben in gewässerreichen Wald- und Savannengebieten am Südrand des Himalaja. Sie ernähren sich von Gräsern, Kräutern, Ästen, Früchten und Wasserpflanzen, die auch unter Wasser abgeweidet werden. Panzernashörner lieben hohe Gräser, die während der Regenzeit bis zu acht Meter hoch werden können und den Tieren einen sehr guten Schutz bieten. Die Tiere fressen bevorzugt in der Dämmerung oder bei Dunkelheit. Sie legen die Oberlippen um die Halme und beißen die zarten Spitzen ab.


Foto: Zwei Spitzmaulnashörner in einem tschechischen Zoo.

Spitzmaulnashörner hingegen ernähren sich in erster Linie von Zweigen, holzigen Wurzeln und lässt sich nicht einmal von Dornen aufhalten. Alle Nashörner müssen täglich sehr viel fressen, um ihren massigen Körper zu versorgen.

 

Wie Nashörner leben


 

Foto: Das Krefelder Spitzmaulnashorn mit seiner Mutter.

Alle Nashornarten leben als Einzelgänger mit überlappenden Streifgebieten, die kein festes Revier haben. Ausnahmen bilden Mütter mit ihren Jungen, die zusammen leben. Die Streifgebiete stärkerer, männlicher Panzernashörner überlappen sich mit denen mehrer weiblicher Tiere und werden mit Kothaufen markiert.

Schwächere teilen sich mit stärkeren Männchen ein Revier, versuchen aber nicht sich zu paaren. Treffen sich zwei starke Männchen, dann kämpfen sie besonders wenn sie sich um eine Partnerin streiten. Viele Duelle enden mit dem Tod des Rivalen. Und so stirbt auch jedes vierte Nashorn beim Kampf mit einem anderen Nashorn.

 

Artenschutz


 

Foto: Das Spitzmaulnashorn aus Krefeld mit Mutter Nane.

Insgesamt gibt es fünf Nashornarten: neben den beiden schon beschriebenen noch Java-, Sumatra-, und Breitmaulnashorn. Alle fünf Arten sind gefährdet. Noch immer sind die Hörner begehrt und sehr teuer. Das Horn wird in Pulverform in China als Arznei gegen Fieber verwandt. Im Jemen wird das Horn für kunstvolle und kostbare Schnitzereien verwendet.

Zwar sind die Panzernashörner Teil des Washingtoner Artenschutzübereinkommens und die Zahl der Tiere, die in freier Wildbahn leben, ist wieder etwas angesteigen, doch noch immer ist das Überleben dieses außergewöhnlichen Nashorns sehr unsicher.

 

Umso besser, dass sich die Nashörner in Berlin so wohl fühlen, dass sie Nachwuchs bekommen!

Wollt ihr die drei Jungtiere besuchen, dann könnt ihr das hier tun:


Krefelder Zoo


Uerdinger Str. 277

47800 Krefeld

Tel. 02151/9552-0

www.zookrefeld.de

Tierpark Berlin-Friedrichsfelde

Am Tierpark 125

10307 Berlin

Telefon: 030 / 5 15 31-0

Mobil: 030 / 51 24 06 1

info@tierpark-berlin.de

www.tierpark-berlin.de

Zoologischer Garten Berlin

Hardenbergplatz 8

10787 Berlin

Telefon: 030 / 25 40 1-0

www.zoo-berlin.de

Hier findet ihr Fotos von der Geburt des Krefelder Nashorns.

Der Berliner Zoo hat auch eine Internetseite speziell für Kinder: Hier klicken.


Mehr über Bedrohte Tiere erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 56 Ausgestorbene und bedrohte Tiere.

Text: ab / lm 08.05.08; Fotos: ein Panzernashorn ausgewachsen: pd; zwei ausgewachsene Spitzmaulnashörner: GFDL: Mistvan; Spitzmaulnashörner Lichterfelde: Tierpark Lichterfelde; Foto von Nashorn Hans: Tiergarten Nürnberg; Hans mit Mutter: GFDL: Jo Oh.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt