Die Frage der Woche: Warum wurden und werden Wale gefangen?

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Die Frage der Woche: Warum wurden und werden Wale gefangen?

Jeden Samstag beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Kyara W. aus Spiekeroog: Warum wurden und werden Wale gefangen? Hier erfahrt ihr die Antwort...


Wegen der vielen Produkte, die man aus Walen gewinnen konnte, waren die sanften Riesen seit jeher eine reiche Beute. Schon vor Jahrtausenden strandeten Wale an den Küsten. Die Menschen, die sie fanden, verwendeten das Fleisch als Nahrung, das reichhaltige Fett, den Tran, benutzte man als Brennstoff und die Knochen als Baumaterial. Mit der Zeit fand man heraus, für welche Produkte man den Wal oder seine Bestandteile am besten brauchen konnte.



Fett, Seife, Schuhlöffel

Aus dem Bartenwal (alle großen Wale außer dem Pottwal, zum Beispiel Blauwal, Buckelwal, Orca) gewann man beispielsweise Dosennahrung, Schinken, Backfett, Maschinenfett, Margarine und Seife. Die Barten, also die Hornplatten im Oberkiefer, die der Bartenwal zum Filtern des Wassers nach Nahrung benötigt, verarbeitete man zu Dünger, Gelatine, Schuhlöffeln oder den Spitzen von Angelruten.

Ambra, Leim und Lippenstift

Zahnwale (zum Beispiel Pottwal, Delfin oder Schweinswal) konnten die Jäger ebenfalls gewinnbringend verkaufen. Aus ihnen stellte man unter anderem  Wurst, Putzmittel, Stifte, Salben, Lippenstift, Fotopapier, Leim oder Schuhcreme her. Ambra, das durch die Reste unverdauter Riesentintenfische im Darm des Pottwals entsteht, war im 19. Jahrhundert ein seltener und deshalb teurer Stoff in der Parfümindustrie.


Lohnende Beute für die Wikinger

Die ersten Walfänger waren Wikinger. Aber auch die Basken fingen ab dem 12. Jahrhundert Wale in den Gewässern der iberischen Halbinsel. Und bald dehnte sich der Walfang auch auf andere Nationen aus. Im 17. Jahrhundert kamen die Engländer und Holländer hinzu. Um 1840 waren weltweit rund 900 Fangschiffe unterwegs, die in guten Jahren bis zu 10.000 Wale erlegten.

Abbildung: Seit dem 12. jahrhundert werden Wale von uns Menschen gejagt.



Erdöl ersetzt Walfett

Der Walfang war früher ein gefährliches, aber sehr ertragreiches Geschäft. Erst als das Erdöl als Ersatz für Walfett genutzt wurde, verlor die Waljagd ihren finanziellen Reiz. Heute gibt es kein Walprodukt mehr, das nicht durch ein anderes Erzeugnis ersetzt werden könnte. So verwendet man statt Pottwalfett für Kosmetika schon lange pflanzliche Fette und Öle.



Walfangkommission schützt Meeressäuger

1931 begann man sich um den Schutz der Wale Gedanken zu machen. Einige Arten, vor allem der Buckelwal, waren fast ausgerottet. Es wurden spezielle Schutzzonen eingerichtet. Die Internationale Walfangkommission (IWC) wurde 1946 gegründet und soll seitdem die Walbestände auf der Welt sichern und kontrollieren. Eigentlich müsste heute also kein Wal mehr als Rohstofflieferant sterben. Dennoch setzen einige Nationen den Walfang fort. Dazu gehören Japan, Südkorea, Norwegen und Island.   

Abbildung: In Logbüchern dokumetierten Fischer früher den Walfang. Heute sind Meeressäuger durch spezielle Fangquoten geschützt.

Moratorium seit 1986 



Seit 1986 gilt das sogenannte Moratorium, das den kommerziellen Fang aller Walarten weltweit auf Null setzt. Das bedeutet aber kein allgemeines Walfangverbot. Staaten, die gegen das Moratorium Einspruch erhoben haben, sind nicht daran gebunden. Staaten können auch Sondergenehmigungen erlassen, wenn sie zu wissenschaftlichen Zwecken jagen möchten. Das wird von Umweltschutzverbänden scharf kritisiert, da Länder wie zum Beispiel Island und Japan diese Regelung als Schlupfloch für kommerziellen Walfang verwenden.       

Bestimmte Volksgruppen dürfen Wale jagen

Erlaubt ist der Walfang hingegen bestimmten Volksgruppen. So dürfen die Inuit in Alaska und Grönland eine genau vorgeschrieben Zahl von Walen pro Jahr erlegen, ebenso die Ureinwohner im äußersten Osten Nordsibiriens sowie im karibischen Bequia. Gejagt werden darf hier aber nur für den Eigenbedarf. Als Argument wird angeführt, dass der Walfang im traditionellen Kulturgut der Völker verankert ist und sie niemals den Bestand der Tiere in Gefahr bringen würden.  

Nic - 24.5.2012 / Abbildungen: pd

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