Bisher unbekanntes Nagetier in Peru entdeckt

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Bisher unbekanntes Nagetier in Peru entdeckt

Bei seinen Untersuchungen von 1999 bis 2001 stieß das Team um den Zoologen Bruce Patterson vom Field Museum für Naturgeschichte in Chicago im wohl artenreichsten Schutzgebiet der Welt auf insgesamt zehn bisher nicht bekannte Säugetierarten, darunter auch eine neue Stachelrattenart, die sie nach ihrer Kollegin Barbara E. Brown Isothrix barbarabrownae nannten. Nachdem das Tier in den letzten Jahren näher untersucht wurde, sind die Ergebnisse jetzt bekannt gegeben worden.

Bild: Neu entdeckte Stachelrattenart.

Bisher konnte nur ein einziges Exemplar dieser Art im Jahr 1999 gefangen werden, ein zweites sahen die Forscher, es entkam ihnen jedoch. Trotz gewissenhafter Suche in den zwei folgenden Jahren bekamen sie kein einziges dieser Tiere mehr zu Gesicht.

Als Zoologe im Regenwald ein Abenteuer

Wie man an diesem Beispiel schon ahnen kann, ist die Suche nach neuen Tierarten im Regenwald ein sehr mühsames Unterfangen, das viel mit Glück zu tun hat. Die Untersuchungen können immer nur stichprobenartig an bestimmten Stellen gemacht werden. Verschiedene Methoden kommen dabei zum Einsatz.

Um Nagetiere ausfindig zu machen werden verschiedene Arten von Fallen gestellt. Längere Abgrenzungen mit davor befindlichen in den Boden versenkten Eimern (siehe Foto) sammeln Tiere, die sich auf dem Boden bewegen. Vögel und Fledermäuse werden mit Netzen gefangen. Natürlich orientieren sich die Biologen auch an den Tierstimmen, an Fußstapfen sowie dem Kot um den Tieren auf die Spur zu kommen.

Doch zurück zu unserer Stachelratte. Sie war eigentlich ein Zufallsfund, der Bruce Patterson eines Abends über den Weg lief.

Der Bergsteiger unter den Stachelratten

Isothrix barbarabrownae gehört zu den Stachelratten, einer Unterordnung der Stachelschweinverwandten. Trotz ihres Namens sind diese nicht mit den Ratten verwandt. Die Stachelratten leben in Mittel- und Südamerika. Die neu entdeckte Spezies wohnt in den Bergnebelwäldern des Manu-Naturschutzgebietes in einer Höhe von 1900 Metern über dem Meeresspiegel.

Das ist insofern etwas Besonderes, als alle ihre lebenden Verwandten in den niedrig gelegenen Amazonas-Regenwäldern beheimatet sind. Man ging bisher davon aus, dass es zwar früher Stachelratten in den Bergregionen gab, diese jedoch alle ausgestorben seien.

Wie sieht das Nagetier aus?

Das Tier hat dichtes, langes und weiches Fell, einen breiten Schädel und einen dicht behaarten, dreifarbigen Schwanz, der vom Körper ausgehend zunächst rotbraun und dann schwarz gefärbt ist und ein etwa 5 cm langes, weißes Ende besitzt. Schwarze Haarbüschel befinden sich auf Nacken und Scheitel. Seine Mähne unterscheidet das Tier von verwandten Arten. An den Vorderfüßen hat es vier, an den Hinterfüßen fünf Zehen, die zu kräftigen Klauen ausgebildet sind. 

Über das Verhalten und die Lebensweise von Isothrix barbarabrownae ist fast nichts bekannt schließlich wurden ja außer dem einen Exemplar keine weitere Tiere gefunden. Man geht aber davon aus, dass die Stachelratte auf Bäumen lebt, auf denen sie sich kletternd bewegt und dass sie nachtaktiv ist.

Barbarabrownae klärt Verwandtschaftsverhältnisse

Der Fund ist insofern von besonderer Bedeutung, als die Verwandtschaft von Baumnagern in den Regenwäldern mit ihren Vorläufern in den Anden damit geklärt werden könnte. Bisher war ein solcher Zusammenhang nur vermutet worden. Während heute alle nahen Verwandten dieser Nagetiere im Amazonas-Tiefland leben, legt das Erbgut der neu entdeckten Ratte nahe, dass sie die evolutionsgeschichtliche Lücke zu den Vorfahren in den Bergregionen schließen könnte.

Warum ist der Manu-Nationalpark in Peru so artenreich?

Eine Besonderheit des über 18.000 Quadratkilometer großen Manu-Schutzgebietes ist die Tatsache, dass es drei verschiedene ökologische Regionen umfasst: Regenwald, Bergnebelwald und Hochgebirge. Vom Amazonastiefland bis zu den Ausläufern der Anden erstreckt sich das Gebiet und umfasst von den Amazonas-Regenwäldern in einer Lage von etwa 100 Meter über dem Meeresspiegel bis hin zu den kargen Gebirgssteppen in 4100 Metern Höhe eine große Vielfalt an Höhenlagen.


Fotos: Im Amazonas-Regenwald findet man auch Aras.

Man muss davon ausgehen, dass viele der hier lebenden Pflanzen und Tiere uns Menschen noch unbekannt sind. Um die Vielfalt zu schützen ist der größte Teil des Nationalparks für Menschen unzugänglich. Eine Ausnahme machen einige Indianerstämme, die dort weitgehend abgeschottet von der Zivilisation leben. Seit 1987 gehört Manu zum UNESCO Weltnaturerbe.

Links:

Hier gibts Fotos von Bruce Pattersons Expeditionen in Manu.


Mehr über den Manu-Nationalpark findet ihr hier.

Mehr über die Regenwälder der Erde erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 90 Der Regenwald.



Text: lm - 02.03.07, Illustration der Stachelratte: Nancy Halliday/The Field Museum, Foto Fangzaun: www.fieldmuseum.org, Papageien-Fotos: Tessloff Archiv.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt