Affen als Haustiere

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Affen als Haustiere

Ich wollte niemals Affen haben, sie sind unruhige Tiere und sind nicht stubenrein zu bekommen und richten außerdem viel Schaden an. Eines Tages brachte Dolores mir trotzdem einen. Er war zum Skelett abgemagert, er tat mir Leid, aber ich wollte ihn nicht.

"Nur 10 Soles (3 US Dollar) Senora, bettelte sie.

"Ich will ihn nicht Dolores." Sie blieb einfach stehen. "Aber Gringa (so nennen die Peruaner Europäer oder Amerikaner), du hast doch noch keinen."

"Ich will auch keinen Affen", sagte ich ärgerlich abweisend.

"Gringa, ich darf mir für das Geld, das ich von dir kriege, Brot und zwei Bonbons kaufen", flehte sie.

So kam ich zu einem unerwünschten Affen, Dolores zu einem Sack Brot und einer Tüte mit Bonbons, einer Hand voll Reis, Zucker und Schmalz.

Also wollte ich den Affen wieder für den Urwald erziehen, aber auch Affenherden nehmen Außenseiter ungern auf. Der nächste Affe, der zu mir kam, war ein Zottelschwanzaffe, ebenso ungewollt wie der erste. Er sah aus, wie ein alter Kapuzinerpater, er hatte auch so eine Tonsur. Er schaute immer traurig und bekümmert drein. Da ich mit seiner Anatomie nicht sehr vertraut war, nannte ich ihn Papito, also Väterchen. Erst später erfuhr ich, dass es ein Weibchen war.

Papito freundete sich schnell mit Tarzan dem Tamarinäffchen an und zu zweit hüpften sie auf der Terrasse herum, sprangen auf den Pomerosabaum und besuchten Nachbarn. Das Gespann sah recht komisch aus, Papito etwa 50 cm hoch und Tarzan 12 cm. Es war, als ob ein Großvater mit seinem Enkel spazieren ginge. Doch Papito war viel ruhiger als Tarzan und blieb auch länger an einem Platz. Tarzan war quecksilbrig, wieselflink sauste er aufs Dach, um Momente später schon wieder auf dem Boden zu sein.

Die Affen ließen sich von keinem Fremden angreifen. Oft turnte Papito provokativ vor unbekannten Menschen herum, aber sobald diese die Hand ausstreckten, war er wie der Blitz weg. Beide waren liebenswürdige Geschöpfe und da sie sich viel auf den Bäumen oder sonst wo aufhielten, waren sie auch leicht zu halten. Nachts schliefen sie in einer Kiste mit einem Schlupfloch. Sie bekamen einen alten Pullover, den sie sehr liebten. Wenn er gewaschen wurde, kamen sie immer wieder heraus um nachzuschauen, wo er ist, eben wie Kinder, die ohne ihren Teddybären nicht schlafen können.

Doch dann erschlug ein Nachbarbub Tarzan, weil dieser eine Tasse runter geworfen hatte. Papito war traurig und wurde, aus Kummer über den verlorenen Freund, wirklich krank. Diese Affen sind sehr empfindlich gegen Stress und Kummer. Halbstündlich flößte ich ihm Kokosmilch ein, das unseren Spitalserum gleich kommt. Er wurde gesund, aber lustlos und traurig.

Wenig später fuhren einige Männer vom Dorf an einen Fluss, um Holz zu holen. Einer schoss nun ein Zottelschwanzweibchen, das mit ihrem Jungen unterwegs war. Wer von diesen Männern hatte auch schon von einer roten Liste gehört, auf der vom Aussterben bedrohte Arten angeführt sind? Und wenn, ein Zottelschwanzaffe hat gutes Fleisch. Er wollte gerade das Junge erschießen, als ihm jemand in den Arm fiel. Dann brachten sie das Junge mir. Das Baby klammerte sich augenblicklich an Papito fest und ließ ihn durch Wochen nicht mehr aus. Papito war im ersten Moment erschrocken über die ungewohnte Last, aber bald hüpfte er wieder vergnügt herum. Sein Kummer war vorbei.

Geschichte von Eva Zingerle

Illustration: Heiko Pulcher

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