Die Würfelnatter ist die seltenste Schlange Deutschlands

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Die Würfelnatter ist die seltenste Schlange Deutschlands

Die Würfelnatter (Natrix tesselata) ist eine für Menschen ungefährliche Wasserschlange, die in Deutschland vom Aussterben bedroht ist. Deshalb wurde sie von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie (= Lehre von den Amphibien und Reptilien) und Terrarienkunde zum Reptil des Jahres 2009 ernannt. Sie ist damit die erste Schlange, der die Ehre widerfährt, Reptil des Jahres zu werden. Erst seit 2006 werden entweder eine Reptilien oder ein Lurch des Jahres gekürt. Nach Waldeidechse, Knoblauchkröte und Laubfrosch wird es 2009 die Würfelnatter.

Würfelnatter - Wohlfühlzonen

Foto: Würfelnatter sonnt sich auf einem Stein.

Würfelnattern leben in naturbelassenen Flussläufen und Seen mit vielen Fischen und flachen Ufern zum Sonnenbaden. Genau diese Bedürfnisse werden ihr immer mehr zum Problem. Denn in Europa sind in den letzten Jahrzehnten ein Großteil der Flüsse begradigt oder für den Schiffsverkehr erschlossen worden. Ob durch nahe Straßen, Fahrradwege oder Wassersportler und Angler es ist zu viel los an deutschen Gewässern.

Der Fischbestand hat sich fast überall drastisch reduziert. Besonders die Wasserverschmutzung und der Mangel an Eiablageplätzen und Winterquartieren macht dem Reptil des Jahres 2009 zu schaffen.

Nur noch 1000 Würfelnattern in Deutschland

Foto: Würfelnatter hat einen Fisch erbeutet.

Deshalb kommt die bis zu einem Meter lange Schlange nur noch in drei Nebenflüssen des Rheins vor, nämlich in Lahn, Mosel und Nahe. Alle befinden sich im Bundesland Rheinland-Pfalz. An der Elbe zwischen Meißen und Sachsen wurde sie erfolgreich wieder angesiedelt, nachdem sie dort bereits ausgestorben war.

Am Rhein gibt es sie, anders als noch vor einigen Jahren, heute nicht mehr. Man geht davon aus, dass nicht mehr als 1000 Exemplare dieser Art in Deutschland erhalten sind. Deshalb gilt sie bei uns als vom Aussterben bedroht.

In Österreich gibt es sie im Osten und Südosten, in der Schweiz nur im Tessin und in einigen Seen in der Nordschweiz, wo sie vom Menschen ausgesetzt wurde. In beiden Ländern gilt sie als stark gefährdet.

Ein mächtiger Maul-Aufreißer

Foto: Eine Schlange (keine Würfelnatter!) frisst ein Kaninchen.

Die Würfelnatter ernährt sich in erster Linie von Fischen. Sie ist dabei nicht allzu wählerisch und lauert den Arten auf, die in ihrer Region anzutreffen sind. Wie alle Schlangen ist sie in der Lage, Beutetiere zu verschlingen, die deutlich größer sind als ihr eigener Kopf. Ihre Schädelknochen sind an elastischen Bändern aufgehängt, wodurch sie ihren Kiefer sehr weit aufreißen kann. Nur zum Fressen solch großer Tiere oder aber zum Sonnen, zur Fortpflanzung und zum Überwintern kommt sie aus dem Wasser.

Das Schlangen-Jahr

Von September bis April verkriecht sich das Reptil in Hohlräumen oder Spalten, wo es vor Frost geschützt ist. Im Frühjahr zeigen sich die Weibchen als erste wieder. Nach zwei bis vier Wochen ist Paarungszeit, in der man Gruppen von Schlangen verknäult sehen kann.

An einem Julimorgen legt das Weibchen fünf bis 25 Eier in Sand, Humus oder auch mal in einem Misthaufen ab. Je wärmer es ist, umso rascher kommen die rund 20 Zentimeter langen Baby-Schlangen zum Vorschein. Spätestens jedoch nach 50 Tagen. Schnell müssen sie sich zum ersten Mal häuten, dann möglichst viel fressen und schon steht die Zeit ihrer ersten Winterstarre an.

Ihren Namen hat die Würfelnatter übrigens dank der karierten Struktur und Färbung ihrer Haut erhalten. Diese kann olivgrün, grau oder auch braun aussehen, wobei Jungtiere heller sind als ältere. Die Basisfarbe ist mit kontrastierenden Quadraten durchsetzt.

Schützt die Würfelnatter!

Natürlich ist es streng verboten, Tiere, die unter Naturschutz stehen zu fangen oder gar zu töten. Leider haben wir Menschen gegen bestimmte, vermeintlich böse, hässliche oder ekelige Tiere zu denen für viele auch die Schlangen zählen derartige Vorbehalte, dass wir diese Gesetze missachten.

Für bedrohte Arten wie die Würfelnatter kann ein solches Verhalten dazu führen, dass sie eines Tages aussterben. Deshalb: Auch Lebewesen wie die Würfelnatter, die nicht niedlich aussehen sind wertvolle Geschöpfe und haben unseren Schutz verdient.

Wollt ihr mehr wissen über Schlangen, Frösche, Echsen, Schildkröten und Krokodile, dann schaut doch mal in den WAS IST WAS Band 20 Reptilien und Amphibien.

Text: Liane Manseicher, 24.11.08; Fotos: Würfelnatter auf Stein: Orchi: GFDL; Würfelnatter mit Fisch im Maul: Andrei Daniel Mihalca: GFDL; Illustration: Schlange reißt Maul auf: Manfred Kostka in WAS IST WAS Band 20.

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