20. Juni: mein besonderer Freund - <br>der Stickstoffcontainer

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20. Juni: mein besonderer Freund -
der Stickstoffcontainer

Damit sich die DNA-Proben - die Krallen - der Geckos nicht zersetzen, muss ich sie einfrieren. Ähnlich wie ihr ein Stück Fleisch in die Gefriertruhe legen müsst, damit es nicht verdirbt und ihr es nach ein paar Wochen noch essen könnt.

Wusstet Ihr, dass in einer normalen Gefriertruhe ungefähr 20°C herrschen. Ein Stück Fleisch könnt ihr darin wochenlang aufbewahren. DNA hingegen zersetzt sich selbst bei diesen niedrigen Temperaturen. Deshalb kann ich meine Proben nicht einfach in die Gefriertruhe legen.

Abgesehen davon, habe ich auch gar keine Gefriertruhe in meiner Hütte in Kellerberrin. Und wie sollte ich wohl die Gefriertruhe mit den Proben nach Perth an die Universität bringen. So geht das alles nicht!! Ich musste eine andere Lösung finden - den Stickstoffcontainer.

Stickstoff ist wie Sauerstoff Bestandteil der Luft. Er ist ein Gas. Mit Hilfe von technischen Prozessen kann er aber zur Kühlung verwendet werden. Warum? Der Grund ist folgender:

Sicherlich könnt ihr euch vorstellen, dass Wasser in verschiedenen Zuständen vorkommt. Zwischen 0°C und 100°C ist Wasser einfach flüssig, eben Wasser. Unter 0°C wird es zu Eis und über 100°C wird es zu Wasserdampf, also zu einem Gas. Man sagt Wasser kommt in 3 verschiedenen Zuständen (Eis, Wasser, Wasserdampf) vor.

Dies passiert abgesehen von einigen Ausnahmen mit vielen Stoffen. Allerdings bei anderen Temperaturen. Alkohol kommt ebenfalls in 3 verschiedenen Zuständen (fest, flüssig, gasförmig) vor. Alkohol verdampft bei +78°C zu Gas und gefriert bei -114°C zu einem Feststoff. Dazwischen, z.B. bei Zimmertemperatur ist er wie Wasser flüssig. Da in unserer natürlichen Umgebung selten Temperaturen über +78°C und unter 114°C herrschen, kennen wir Alkohol nur in flüssiger Form.

Das gleiche gilt für Stickstoff. Bei normalen Temperaturen, z. B. bei Zimmer-temperatur ist Stickstoff gasförmig und kommt in der Luft vor, aber bei sehr niedrigen Temperaturen, nämlich bei 196°C wird er flüssig. Unter natürlichen Umständen wird Stickstoff allerdings nie flüssig. Um Stickstoff zu verflüssigen, ist ein komplizierter technischer Prozess nötig. Der ist aber für meine Arbeit unwichtig. Ich bekomme den bereits verflüssigten Stickstoff an der Universität in Perth.

Wichtig ist nur, dass Stickstoff verflüssigt werden kann und dass flüssiger Stickstoff sehr kalt ist, eben 196°C. Ihr solltet auf keinen Fall die Hand längere Zeit in flüssigen Stickstoff tauchen! Das gibt böse Erfrierungen. Bestimmt hattet ihr schon Mal Eiswürfel längere Zeit in der Hand oder im Mund. Nach einer Weile wird es einem ein bisschen unangenehm. Nun ist flüssiger Stickstoff noch 196°C kälter. Und auch noch wesentlich kälter als Trockeneis. Also, besser nicht anfassen. Wer mit flüssigem Stickstoff arbeitet, muss unbedingt Schutzkleidung und eine Schutzbrille tragen.

Der Vorteil von flüssigem Stickstoff ist, dass ich ihn einfach - wie jede Flüssigkeit - in eine überdimensional große Thermoskanne meinen Container - füllen kann. Darin bleibt er dann für einige Wochen sehr kalt. Ähnlich wie euer Kakao oder Tee in einer Thermoskanne heiß bleibt. In der mit Stickstoff gefüllten Thermoskanne friere ich schließlich bei 196°C die DNA-Proben der Geckos ein. Dazu lege ich sie in den Metallbehälter, den ihr auf dem Bild sehen könnt und schiebe diesen in den Container. Und so habe ich eine tragbare Gefriertruhe erfunden. Alle paar Wochen fülle ich an der Universität frischen Stickstoff nach und gebe meine Proben ab.

Sollte also mein Kühlschrank jemals ausfallen, weiß ich mir zu helfen,

bis bald,

Marion

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt