Der Blaue Rindenpilz

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Der Blaue Rindenpilz

Pilz des Jahres 2009 ist der Blaue Rindenpilz. Noch steht der Saprobiont auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Doch angesichts des Klimawandels wird mit einer Ausbreitung des Pilzes gerechnet. Was ein Saprobiont ist und welche Rolle Pilze im Ökosystem spielen, erfahrt ihr hier ...

Der Blaue Rindenpilz ist auch unter den Bezeichnugen Pulcherricium caeruleum (Lam.) Parmasto oder Terana caerulea (Lam.) Kuntze bekannt. Beide wissenschaftliche Bezeichnungen beziehen sich auf die blaue Färbung (caeruleum) des Pilzkörpers.


Der Blaue Rindenpilz steht in Deutschland auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Man findet den leuchtend blauen Pilz eher in feuchten Laubwaldgebieten Gebieten rund um Flüsse im süddeutschen Raum bis in Höhen von etwa 400 Meter. Durch den Klimawandel wird sich sein Verbreitungsgebiet vermutlich Richtung Norden ausdehnen.


Terana caerulea ein Faulpilz


Bevorzugt wächst er auf der Unterseite abgestorbener dicker Äste und Stämme von Esche, Ahorn, Haselnuss und Eiche. Denn der Blaue Rindenpilz ist ein Saprobiont, das heißt er zersetzt totes organisches Material wie Holz. Saprobiont ist griechisch und kann als Fäulnisfresser übersetzt werden. Der Blaue Rindenpilz gehört mit zu den ersten Besiedlern abgestorbenen Holzes.


Ein Pilz der anderen Art


Der Pilz breitet sich flächig auf dem abgestorbenen Holz aus, er bildet keinen Fruchtkörper mit Stiel und Hut. Es wurden schon Exemplare gefunden, die einen Meter lang waren. Der Pilz ist violett, ältere Exemplare werden dunkelblau. Er gehört zu den Porlingsartigen Pilzen.


Porlinge sind meistens zersetzend auf totem Holz zu finden, auch wenn einige sich an lebenden Bäumen breitmachen. Links siehst du einen Schwefelporling, der als Parasit lebende Bäume schädigt.

Schönheit liegt im Auge des Betrachters


Einen Schönheitspreis gewinnt wohl kaum ein Exemplar der Rinden- und Schichtpilze, zu denen auch der Blaue Rindenpilz zählt. Fotos verschiedener Arten findest du, wenn du dem entsprechenden Link am Ende des Artikels folgst. Dank seiner intensiven Färbung gehört er zu den eher attraktiveren Arten der Familie. Die Farbe macht ihn auch für Pilzlaien leicht erkennbar.


Auf Vorschlag von Herrn Dr. Theiß hat die Deutsche Gesellschaft für Mykologie den Blauen Rindenpilz zum "Pilz des Jahres 2009" gewählt, um auf die wenig beachtete Pilzgruppe der Corticiaceae (Rindenpilze) aufmerksam zu machen und für die mögliche Ausbreitung dieser Art durch die Klimaerwärmung zu sensibilisieren.


Das Auf und Ab des Lebens


Pilze spielen im allgemeinen eine sehr wichtige Rolle in Ökosystemen. Zum einen bauen sie totes Material ab, zum anderen helfen sie aber auch den allermeisten Pflanzen bei der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Boden. Die Pilze umschlingen die Wurzeln und helfen vielen Pflanzen bei der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Boden. Dafür werden sie ihrerseits mit Nährstoffen versorgt.


Fachbegriffe aus der Pilzkunde


Die Pilzkunde wird auch als Mykologie bezeichnet.


Die oben geschilderte Verbindung von Wurzeln und Pilz nennt man Mykorrhiza. Eine Gemeinschaft zu beiderseitigem Vorteil wie hier nennt man Symbiose.


Das, was man im allgemeinen unter Pilz versteht, also einen Stiel mit Hut, nennt man Trama. Das ist aber eigentlich nur die Frucht. Der eigentliche Pilzkörper durchzieht in Form feiner Fäden, dem so genannten Myzel, den Boden.


Die einzelnen Zellen des Myzels werden Hyphen genannt.


Übrigens ...


Pilze gibt es von mikroskopisch klein bis zu leicht mit den Augen erkennbaren Großpilzen. Dabei kann sich das Myzel solcher Pilze über riesige Flächen erstrecken.

Ein besonderes Exemplar aus dem Malheur National Forest in den USA ist fast 9 Quadratkilometer groß, wiegt vermutlich rund 600 Tonnen und wird auf ein Alter von 2400 Jahren geschätzt. Es wird als das größte bekannte Lebewesen der Erde bezeichnet. Rechts siehst du den Fruchtkörper eines älteren Hallimasch-Pilzes. Das Myzel des Hallimasch kann übrigens im Dunkeln leuchten!


Der größte Hallimasch in Europa wächst in der Nähe des schweizerischen Ofenpasses. Er ist im Durchmesser 500 bis 800 Meter groß und ist etwa 1000 Jahre alt.


Hier findest du Bilder anderer Rindenpilze. Der Blaue Rindenpilz ist unter Farbrindenpilz aufgeführt.


Wer mehr über die faszinierende Welt der Pilze und ihre Rolle im Kreislauf des Lebens erfahren will, ist auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Mykologie bestens aufgehoben. Hier eine kleine Auswahl von Links:


Hier findest du allgemein Wissenswertes rund um Pilze.

Was Pilze mit morschem Holz zu tun haben, erfahrt ihr hier.


Hier gibts die Anleitung für ein kleines Pilzbuch.


Hier findet ihr eine Anleitung, wie ihr selbst Pilze kneten könnt.


Wenn dich Pilze interessieren, dann schau doch mal in unseren WAS IST WAS-Band 33: Pilze.


Text: -jj- 29.10.2008 mit Material der Deutschen Gesellschaft für Mykologie; Bilder: Blauer Rindenpilz © Matthias Theiß, mit freundlicher Genehmigung der DGfM http://www.dgfm-ev.de; Schwefelporling PD; Hallimasch Denis Barthel/GFDL

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt