Die Schwarz-Erle - Baum des Jahres 2003

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Die Schwarz-Erle - Baum des Jahres 2003

Im Jahr 2003 steht eine Baumart im Mittelpunkt, die mit Hochwasser am besten fertig wird, die aber derzeit durch einen pilzähnlichen Organismus sehr bedroht ist. Ihre Bruchwälder stehen in den Roten Listen gefährdeter Biotope. Sie düngt den Boden und halb Venedig steht auf ihrem Holz.

Die Schwarz-Erle ist der Baum des Jahres 2003. Obwohl sie ein Laubbaum ist, könnte man sie von weitem glatt mit einer Fichte verwechseln - keine andere einheimische Laubbaumart hat einen so auffallend bis in die Kronenspitze gerade durchlaufenden Stamm wie die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa). In manchen Regionen wird sie deshalb auch als ´Fichte der Täler´ bezeichnet.

Das Kuratorium Baum des Jahres begründete seine Wahl auch mit der Bedrohung der Schwarz-Erle durch einen winzig kleinen pilzähnlichen Organismus mit dem Namen Phytophthora, dessen Sporen sich mit Hilfe von Geißelhaaren aktiv im Wasser ausbreiten können und in die Erle eindringen. Eine große Verantwortung kommt deshalb all jenen zu, die für die Ausbreitung dieser Baumart sorgen wie z.B. Baumschulen, Forstbetrieben, Grünflächenämtern usw. Sie müssen aufpassen, dass nicht mit dem Erreger infizierte Pflanzen verbreitet werden.

Vorkommen

Die Schwarz-Erle besitzt wie keine andere heimische Baumart die Fähigkeit, nasse Standorte zu besiedeln.Sie erträgt aber nicht nur Dauernässe, sondern gilt als die Baumart mit der höchsten Verdunstung, noch mehr als Birke oder Weide. Die Erle ist eine Baumart der tiefen Lagen, steigt aber auch bis in mittlere Gebirgslagen auf.

Die Baumart ist in fast ganz Europa heimisch. In Deutschland finden sich größere zusammenhängende Bestände nur noch in der nordostdeutschen Tiefebene, wie zum Beispiel im Spreewald südlich von Berlin.

Wachstum

Schwarz-Erlen können bis zu 35 Meter hoch werden. Ihr Stamm hat einen Durchmesser von maximal einem Meter. Ein Nachteil ist ihr geringes Alter von höchstens 120 Jahren.

Unverwechselbar sind ihre Blätter, bei denen die Spitze fehlt. Im Herbst verfärben sich die Blätter nicht, sondern trocknen grün am Trieb etwas ein und werden dann abgeworfen. Auffällig ist der bereits im Frühsommer einsetzende grüne Blattfall, bei dem bis zur Hälfte aller Blätter vorzeitig abgeworfen werden können. Das ist keine Folge einer Krankheit, sondern des extrem hohen Lichtbedarfs dieser Baumart.

Die unscheinbaren Blüten sind windbestäubt und eingeschlechtig, es kommen aber beide Geschlechter auf einem Baum vor. Die männlichen Blüten befinden sich in ca. 5-10 cm langen hängenden Kätzchen, die weiblichen sind viel kürzer und stehen aufrecht.

Die Schwarz-Erle gehört zu den im Jahreslauf am frühesten blühenden heimischen Baumarten - die Heuschnupfen-Empfindlichen wissen das ganz genau.

Verwertung

Die Schwarz-Erle war früher der "Holzschuh-Baum", wegen der häufigen Verwendung des Holzes für diesen Zweck. Auch für Küchengeschirr und Schusterleisten sowie zur Bleistift-Herstellung wurde es genutzt. Heute werden Spanplatten daraus hergestellt.

In Wasser verbaut zeigt Erlenholz eine besonders große Dauerhaftigkeit und wird daher gerne für Wasserbauten, Mühlenbalken, Wasserleitungsröhren und Stalldielen verwendet. Halb Venedig steht auf Erlenpfählen! (Die andere Hälfte steht auf Eichenpfählen.) Der mittlere Heizwert des Holzes macht es auch zu einer brauchbaren Energiequelle, es liefert vor allem gute Holzkohle.

Schwarz-Erlen dienen mit ihrem intensiven Wurzelwerk, das auch unter die mittlere Grundwasserlinie reicht, der dauerhaften Uferbefestigung von Bächen und Flüssen. Wie wichtig das sein kann, hat das Hochwasser vom August 2002 überdeutlich gezeigt.

Mythologie

Vieles in der Mythologie um die Schwarz-Erle hat damit zu tun, dass sie vorzugsweise auf nassen, sumpfigen Standorten vorkommt. Wehe dem, der auf ihre Irrlichter hereinfiel! So fürchteten Wanderer, vom Wege abzukommen und dem boshaften Erlenweib zu begegnen, einer Hexe, die sie in den dunklen Sumpf ziehen könnte. In einer Erlenlandschaft soll es Hexen mit Haaren so blutrot wie das frisch gefällte Holz gegeben haben.

Die bekannte Ballade vom Erlkönig hat übrigens nichts mit dem Baum zu tun, da es sich um einen Übersetzungsfehler Herders von dem dänischen ´ellerkonge´ ("Elfenkönig") handelt, den Goethe übernommen hat.

Baum des Jahres

Die Auszeichnung Baum des Jahres wurde erstmals 1989 vom Umweltschutzverein Wahlstedt in Schleswig-Holstein verliehen. Um eine möglichst breite Basis zu finden, haben mehrere Organisationen 1991 in Berlin das Kuratorium Baum des Jahres gegründet. Ziel ist es, jährlich auf eine Baumart aufmerksam zu machen und zur intensiven Beschäftigung mit ihr anzuregen, etwa durch Baumpatenschaften, Pflanzaktionen oder im Schulunterricht.


Hier gibt es ein Kinderfaltblatt zur Schwarz-Erle.

Bilder: www.baum-des-jahres.de

Text: RR auf Basis eines Langtextes von Prof. Dr. Andreas Roloff, Kuratorium Baum des Jahres (der obige Link führt dich direkt zum ausführlichen Text)

25. 11. 2002

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt