Canberra wird Hauptstadt Australiens

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Canberra wird Hauptstadt Australiens

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts entbrannte zwischen Sydney und Melbourne der Streit, welche der beiden Städte Hauptstadt Australiens werden solle.

Um den Zwist zu beenden, beschlossen die Politiker, eine neue Hauptstadt zu gründen. Sie sollte zwischen Melbourne und Sydney liegen.

So entstand Canberra, eine Stadt vom Reißbrett. Sie besteht aus Kreis-Straßen mit strahlenförmigen Achsen. Durch einen Stausee wird sie in das südliche Regierungsviertel und die nördliche City unterteilt.

Ureinwohner waren lange vorher da

Archäologische Ausgrabungen haben gezeigt, dass die Gegend um Canberra seit mindestens 21.000 Jahren besiedelt ist. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ließen sich bereits vor 40.000 bis 62.000 Jahren Menschen im Südosten von New South Wales nieder. Die Australischen Ureinwohner, die so genannten Aborigines, lebten lange vor der europäischen Besiedlung hier.
1820 startete die erste von vier europäischen Forschungsexpeditionen. Sie erforschten jenen Bereich des Molonglo River, der heute den Lake Burley Griffin bildet, den zentralen See, um den sich die Stadt gruppiert.
1824 entstand das erste Gehöft. Der Besitzer nannte sein Gut Canberry, woraus sich Canberra entwickelte. Canberra ist auch ein Aborigine-Wort und bedeutet "Treffpunkt".
Im Jahr 1833 lebten in dem Gebiet rund 500 Einwohner europäischer Abstammung. Je mehr Europäer sich ansiedelten, um so schneller verringerte sich die Zahl der Aborigines, hauptsächlich verursacht durch Krankheiten wie Pocken und Masern. Die neuen Gehöfte zerstörten ihre Jagdgebiete. Bis 1880 war die Kultur der Aborigines weitgehend erloschen, bedingt durch die Assimilierung in Mischehen oder durch erzwungene Umsiedlung an entfernte Orte.

Der lange Weg zur Hauptstadt

Am 1. Januar 1901 schlossen sich sechs britische Kolonien zum Australischen Bund zusammen. Weil Melbourne die größte Stadt des Kontinents war, beanspruchte sie den Status als Hauptstadt. Drei Kolonien unterstützen diese Forderung.

Die größte Kolonie New South Wales und Queensland bevorzugten hingegen die viel ältere Großstadt Sydney. Die Rivalität zwischen den beiden Oberzentren war so groß, dass keine Stadt es akzeptiert hätte, wenn die andere zur Hauptstadt erklärt worden wäre.


Erst 1908 fiel die Entscheidung auf die Gegend von Canberra, die damals immer noch ländlich geprägt war. Bei der Volkszählung im April 1911 wurden in dem 2358 Quadratkilometer großen Gebiet 1714 Menschen, 8400 Rinder und 225.000 Schafe ermittelt. In dieser Zeit wurde ein internationaler Wettbewerb für die Planung der neuen Hauptstadt ausgeschrieben, den ein Jahr später der US-amerikanische Architekt Walter Burley Griffin gewann.


Obwohl schon am 20. Februar 1913 der erste Vermessungspfosten in den Boden gerammt wurde, sollte es noch mehr als 14 Jahre dauern, bis Canberra endlich Hauptstadt werden sollte. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges im Jahr 1914 und bürokratische Streitereien ließen die neue Stadt nur langsam Gestalt annehmen. Außerdem kam es immer wieder zu Überschwemmungen.

Die meisten Regierungsgebäude entstanden in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Das wichtigste Ereignis des Jahres 1927 war jedoch am 9. Mai die Eröffnung des provisorischen Parlamentsgebäudes (heute Old Parliament House). Von diesem Tag an war Canberra die Hauptstadt Australiens.

Der Weg ins 21. Jahrhundert



Zunächst ähnelte Canberra mehr einem Dorf als einer Stadt. Die Weltwirtschaftskrise Ende der 20er Jahre ließ den Baufortschritt stagnieren. Weil das Geld fehlte, wurde beispielsweise der Bau großer Kirchen nicht realisiert. Bis heute gibt es dort kein Gotteshaus von nationalem Rang.
Mit dem Eintritt Australiens in den Zweiten Weltkrieg wurde ein Flughafen benötigt. 1940 entstand in Canberra eine Militärbasis, aus der erst 1962 der heutige Canberra International Airport hervorging.
Als der US-amerikanische General Douglas MacArthur während des Krieges der australischen Regierung einen Besuch abstattete, stellte er erstaunt fest, dass grasende Kühe neben dem Parlament etwas Alltägliches waren.
Der von Architekt Griffin geplante See im Zentrum der Stadt wurde erst 1960 realisiert und ihm zu Ehren Lake Burley Griffin genannt.
In den 1960er und 1970er Jahren erfuhr die Stadt einen großen Aufschwung, der sie auch optisch vom Dorf zur Hauptstadt werden ließ. In dieser Zeit vervierfachte sich die Bevölkerung.

Im Jahr 2006 zählte Canberra 332.798 Einwohner, etwa die Hälfte davon sind Regierungsmitarbeiter. Das eindrucksvolle neue Parlamentsgebäude konnte erst 1988 bezogen werden. Sein Dach ist mit Gras bewachsen.

Sehenswürdigkeiten



Die Hauptsehenswürdigkeit der Stadt ist wohl ihre planmäßige Struktur: alles scheint mit Zirkel und Lineal konstruiert zu sein.

Im National Science [&] Technology Centre kann man die meisten Ausstellungsstücke selbst ausprobieren und z. B. ein Erdbeben erleben.

Wer sich für die Kunst der Aboriginies interessiert ist in der National Gallery richtig. Doch auch Werke der europäischen Malerei sind hier zu sehen.

Das Australian War Memorial ist eines der größten Kriegsmuseen der Welt.

Text: RR 7. 5. 2007, Bild: Tessloff-Verlag

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