Wanderheuschrecken - die "Zähne des Windes"

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Wanderheuschrecken - die "Zähne des Windes"

Schon zu Zeiten der Pharaos im Alten Ägypten gab es sie, die etwa fingerlangen Wanderheuschrecken, die Schwärme von unvorstellbaren Ausmaßen bilden können. Wo sie drüber hinweg fliegen, wächst buchstäblich kein Gras mehr. Innerhalb weniger Sekunden können sie ganze Ernten vernichten und Menschen an den Rand des Hungertodes führen. Da sie mit dem Wind fliegen, nennt man sie im Orient auch "Zähne des Windes".

Was ist eine Wanderheuschrecke?

Die Bezeichnung Wanderheuschrecke ist ein Sammelbegriff, der eine Reihe verschiedener Feldheuschrecken-Arten zusammenfasst. Sie alle haben die Fähigkeit, große Schwärme zu bilden, die auf der Suche nach Fressbarem -vor allen Dingen Pflanzen- ganze Landstriche leer fressen. Insbesondere weite Gebiete Afrikas sind heute von Heuschreckenplagen betroffen. Unter anderem kommen sie aber auch in Teilen Asiens, in Australien und Amerika vor. Dort leben sie für gewöhnlich in den sehr heißen Trockengebieten.

Von der einsamen Heuschrecke zum Herdentier

Solange Dürre das tägliche Leben der Heuschrecken bestimmt, sind sie harmlose Einzelgänger, die sich nur zur Paarung und Eiablage zusammenfinden. Dies ändert sich, sobald in den Trockengebieten ungewöhnlich viel Regen fällt und neues, frisches Grün sprießt. Der Boden hat nun eine Feuchtigkeit, in der sich Heuschrecken-Eier optimal entwickeln können. Pro Quadratmeter legen an die 1000 Weibchen je 100 Eier: das macht 100 000 schlüpfende Jungtiere, auch Larven genannt.

Normalisiert sich das Klima wieder, drängen sich die zahlreichen Larven oft um die allmählich schwindenden Futterquellen. Aufgrund der Enge kommen die Tiere immer häufiger in Kontakt und geraten in Stress. Die Tiere reagieren darauf, indem sie von der so genannten Einzelphase in die Wanderphase wechseln. Die Larven, die sonst eher gebietstreu sind und ihre Artgenossen meiden, beginnen sich zu sammeln und kleine Gruppen zu bilden. Auf der Suche nach frischem Grün ziehen sie in immer größeren Trupps durch die Wüste. Neben ihrem Verhalten ändert sich auch ihr Aussehen. Die ursprünglich grünen Larven der Afrikanischen Wanderheuschrecke (Locusta migratoria) färben sich z.B. schwarzbraun.

Die Heuschrecken schwärmen aus

Nach fünf Häutungen sind die Tiere ausgewachsen und flugfähig. Sie unterscheiden sich deutlich von ihren Einzelgänger-Eltern. Im Verhältnis zur Körperlänge haben sie oft relativ lange Flügel und sind auffällig gefärbt. Für hungrige Vögel sind sie leicht erkennbar. Im Schwarm liegt aber die Sicherheit in der Menge: Das einzelne Tier ist einem geringeren Risiko ausgesetzt, und die Farben machen es ihnen leichter, zueinanderzufinden. Sobald die Heuschrecken mit Flügeln ausgestattet sind und die Wetterbedingungen stimmen, erheben sie sich wie auf Kommando in die Lüfte. Dies ist, wenn man so will, die Geburtsstunde einer Plage.

Die Schwärme erreichen oft gigantische Ausmaße von bis zu einigen hundert Quadratkilometern. Es ist schwer vorherzusagen, wo ein Schwarm einfallen wird. Er ist auf Gedeih und Verderb dem Wind ausgeliefert und folgt den Wetterfronten bis ein geeignetes Weidegebiet gefunden ist. Dabei können sie zwischen fünf und 130 - manchmal auch mehr - Kilometer pro Tag zurücklegen.

Ist Grünes in Sicht, fallen die Heuschrecken hungrig darüber her. Eine Heuschrecke vertilgt pro Tag ihr eigenes Körpergewicht, um die 2,8 Gramm, an Futter. Futter und Körpergewicht gleich aufgewogen, wäre dies 60- bis 100mal mehr, als selbst ein gefräßiger Mensch täglich bewältigen könnte.

Der Massentod

Schließlich findet der Schwarm einen geeigneten Platz, an dem sich die Tiere paaren und Eier legen können. Das kann der Beginn eines neuen Schwarms sein. Doch wenn wieder eine Dürre anbricht und der Eiablageplatz von der Sonne stark austrocknet, entwickeln sich nur einige wenige Jungtiere, die wieder zu ihrem Einzelgänger-Leben zurückkehren.

Insgesamt können die Tiere eines Schwarms drei bis fünf Monate alt werden. Spätestens wenn ihre Lebenskräfte schwinden, nimmt der Schwarm ein Ende und es kommt zum Massentod. Oft sterben sie aber früher, weil der Wind sie in trockene Gebiete oder auf das Meer hinaus getragen hat.

Bekämpfung

Bis heute bekämpft man die Schwärme hauptsächlich mit Insektiziden, das sind Giftstoffe, die auf Insekten tödlich wirken. Um die Umwelt zu schonen, sucht man aber schon seit einiger Zeit nach anderen, nicht-chemischen Möglichkeiten. Man entdeckte zum Beispiel einen Pilz, der auf die Heuschrecken tödlich wirkt. Auch wertet man Satellitenaufnahmen mit modernster Computertechnik aus, um die Zahl der Tiere insbesondere in den traditionellen Brutzonen besser beobachten zu können. Eine wirksame Kontrolle verlangt jedoch eine internationale Zusammenarbeit. Denn: Die Insekten scheren sich nicht um politische Grenzen.

25.07.2003 Marion Dimitriadou, Fotos: Institut für Biologie II, RWTH-Aachen.

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