Der australische Beutelwolf

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Der australische Beutelwolf

Der Beutelwolf, der auch Tasmanischer Tiger, Beuteltiger oder Zebrahund genannt wird, gehört zur Gruppe der Beutelsäuger bzw. Beuteltiere. Das Besondere dieser Säugetierart ist, dass sich die sehr früh geborenen Jungen erst im Beutel der Mutter weiterentwickeln. Dieser so genannte Beutel ist eine Hauttasche am Bauch, dem die Tierart auch die Namen "Beuteltier" bzw. "Beutelsäuger" verdanken.

Vor 70 Jahren, am 07. September 1936, ist das letzte bekannte Exemplar des Beutelwolfs im ehemaligen Beaumaris Zoo der tasmanischen Hauptstadt Hobart gestorben. Doch in den letzten Jahren versuchten Forscher den Beutelwolf auf spektakuläre Weise wieder nachzuzüchten.


Beutelwolf in einer Fotomontage aus WAS IST WAS 56 "Ausgestorbene und bedrohte Tiere".

Geschichte

Ursprünglich lebte der Beutelwolf, auf dem australischen Festland, in Neuguinea und Tasmanien. Diese Gebiete beherbergen eine Vielzahl von Beutelsäugern, zu denen auch Kängurus, Wombats und Koalas gehören.

Die Familie der Beutelwölfe gab es schon seit dem Oligozän, einer erdgeschichtliche Epoche vor mehr als 23,03 Millionen Jahren.

Entdeckt wurden sie erstmals 1807.

Aussehen

Er hatte kurzes, gelbgraues Fell und wog meist 15 bis 30 Kilogramm. Kennzeichnend waren die 13 bis 19 auffälligen, schwarzbraunen Querstreifen am hinteren Teil des Körpers. Diese setzten sich bis zur Schwanzwurzel fort. Daher stammen auch die Namen "Beuteltiger" und "Tasmanischer Tiger". Die Größe des Beutelwolfes ist vergleichbar mit der eines mittelgroßen Hundes.

Neben dem tarnenden Streifenmuster und den eher zu kurz geratenen Gliedmaßen, galt der Kiefer als bemerkenswert. Diesen konnte der Beutelwolf sehr weit aufsperren berichtet wird von bis zu 90 Grad.

Dieses Foto eines Beutelwolfs stammt aus dem Jahr 1910, aufgenommen in Westel. Es stammt aus "The Book of the Animal Kingdom Mammals".

Nahrung

Als Fleischfresser soll sich der Beutelwolf vorwiegend von anderen Säugetieren, wie zum Beispiel kleinen Kängurus, Wildkaninchen und Vögeln ernährt haben.

Durch seinen weit aufklappbaren Kiefer war es ihm möglich, große Tiere zu fressen. Wie er gejagt hat, ist nicht sicher. Forscher vermuten, dass er ein ausdauernder Läufer war und seine Beute gehetzt hat, bis diese ermattet war und problemlos von ihm überwältigt werden konnte. Andere Berichte sprechen davon, dass er sich erst an seine Opfer angeschlichen und sie dann überrumpelt hätte.



Fortpflanzung

Die Jungtiere des Beutelwolfes kamen meist im Sommer nach kurzer Tragzeit, bei Beutelsäugern zwischen 12 und 43 Tagen, zur Welt. Pro Wurf waren es zwei bis vier Tiere. Der Beutel am Bauch der Mutter war nach hinten geöffnet, so dass die Jungen leicht an die Zitzen zum Säugen kamen. Dort wurden sie ausgetragen. Sie verließen den Beutel zwar schon nach drei Monaten, blieben aber bis sie knapp ein Jahr alt waren weiter bei der Mutter.

Zwei Beutelwölfe im Zoo von Washington D.C., 1902.

Gewohnheiten

Beutelwölfe bevorzugten für ihre nächtlichen Raubzüge die offenen Grasländer und Waldgebiete. Meist waren sie Einzelgänger, jagten aber auch paarweise oder in kleinen Gruppen.

Tagsüber sollen sie in Felsspalten, dunklen, dem Menschen fast unzugänglichen Schluchten oder in natürlichen oder selbst gegrabenen tiefen Höhlen Zuflucht gesucht haben. Sie galten entgegen einiger Behauptungen als scheu.

Ähnlichkeiten

Beutelwolf und Wolf zeigen neben ihrem Namen weitere außergewöhnliche, sichtbare Übereinstimmungen. Zum Beispiel die Beschaffenheit des Raubtiergebisses: beide besitzen sehr kleine Schneidezähne und große, gebogene Backenzähne. Auch beim Aufbau des Schädels fällt es schwer zwischen den beiden zu unterscheiden. Und dass, obwohl sie gar nicht miteinander verwandt waren.

Aussterben

Als die Aborigines (Ureinwohner Australiens) damals den Dingo, eine Wildhundart, einführten, wurde die Nahrung für den heimischen Beutelwolf immer knapper. Nach und nach starb er auf Neuguinea und dem australischen Festland aus.

Nur auf Tasmanien gab es nie Dingos und somit auch keine Nahrungskonkurrenten für den Beutelwolf.

Durch die vermehrte Schafzucht auf Tasmanien wurden allerdings die Jagdreviere für den Beutelwolf immer kleiner. Aber auch der schlechte Ruf als Schafsräuber verschlimmerte die Situation. Nun wurde er selbst systematisch gejagt, erschossen oder vergiftet. In den 1830er Jahren setzte die Regierung sogar eine Belohnung auf den Kopf jedes Beutelwolfes aus.

Diese Kombination aus geringem Nahrungsangebot und der planmäßigen Verfolgung durch den Menschen hatte zur Folge, dass die Anzahl der in Freiheit lebenden Beutelwölfe stark zurückging.

Bereits 1910 galt die Art als selten. 1930 wurde das letzte in der Natur frei lebende Tier getötet. 1936 schließlich starb der letzte bekannte Beutelwolf im Zoo von Hobart zwei Monate nachdem man die tasmanischen Beutelwölfe unter Artenschutz gestellt hatte.


Dieses Experiment wagen Forscher in Australien: Sie wollen aus dem Erbgut (2) eines konservierten Beutelwolfjungen (1) einen lebensfähigen Beutelwolf (4) klonen. Ein Beutelteufelweibchen soll dabei möglicherweise als Leihmutter dienen.

Zukunft

Seit nunmehr 70 Jahren gibt es immer wieder Geschichten und Gerüchte über eine angebliche Wiederentdeckung des ausgestorbenen Beutelwolfes. Etliche Expeditionen in die Wildnis Tasmaniens wurden unternommen, um doch noch letzte Überlebende der Art aufzuspüren. Bisher jedoch ohne Erfolg.

 

Auch Wissenschaftler beschäftigen sich sehr intensiv mit den sichergestellten Überresten. Vielleicht, so hoffen sie, gelingt es ihnen eines Tages, diese ausgestorbene Tierart wieder züchten zu können.

Mehr über den Beutelwolf und seine Geschichte, über ausgestorbene oder gefährdete Tiere und über Artenschutz erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 56.

-Daniela  - 06.09.2006 Text / Fotos: Beutelwolf: The book of the Animal Kingdom Mammals", Fig 159, Westell 1910, 2 Beutelwölfe: fotografiert im Zoo von Washington, 1902; Fotomontage und Illustration zum Beutelwolf: WAS IST WAS Band 56,

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