Achtung, Riesennager!

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Achtung, Riesennager!

Forscher haben in Südamerika den Schädel des größten, bislang unbekannten Nagetiers entdeckt. Die Steinzeitmaus wog zwischen einer halben und zwei Tonnen und war ein harmloser Pflanzenfresser. Mehr über diesen riesigen Nager erfahrt ihr hier ...

Andrés Rinderknecht vom Staatlichen Museum für Naturgeschichte und Anthropologie und Ernesto Blanco von der Universität Montevideo haben im heutigen Uruguay den Schädel eines riesigen Nagetiers entdeckt. Die beiden Forscher benannten das Tier Josephoartigasia monesi, zu Ehren des südamerikanischen Paläontologen und Nagetierspezialisten Alvaro Mores.


Das Tier lebte vor zwei bis vier Millionen Jahren. Der gefundene und erstaunlich gut erhaltene Schädel ist 53 Zentimeter lang. In ihm steckten einige, mehrere Zentimeter lange Zähne. Aber Angst musste man vor der Riesenmaus ziemlich sicher nicht haben.



Ein sanfter Riese



Denn trotz seiner eindrucksvollen Erscheinung war das Tier ein harmloser Pflanzenfresser, glauben die Forscher: Anhand der Abriebspuren auf den Backenzähnen konnten sie feststellen, dass die Kaumuskeln nur schwach ausgeprägt waren. Vermutlich ernährte es sich von weichen Früchten und Wasserpflanzen.



Aus der Form des Schädels konnten die Wissenschaftler auch berechnen, wie viele Muskelmasse das Tier hatte und wie sie verteilt waren. Sie schätzen, dass das Tier ein Gewicht zwischen 600 und 1800 Kilogramm gehabt haben muss.


Dinomyidae, eine Kleinfamilie


Die Supermaus gehört zur Familie der Dinomyidae. Davon gibt es heute nur eine einzige lebende Art, den Pakarana (Dinomys branickii). Der wurde erst 1873 in den Anden entdeckt und wiegt gut 15 Kilogramm. Über Lebensweise des Pakarana ist so gut wie nichts bekannt.


Der Lebensraum des Nagers waren vermutlich die waldreichen Küstenregionen. Die teilte er sich mit anderen Riesennagern, Säbelzahnkatzen und womöglich auch mit den bis zu drei Meter großen, flugunfähigen Terrorvögeln.


Was ist überhaupt ein Nagetier?


Nagetiere gehören zur Gruppe der Säugetiere. Aktuell gibt es rund 2300 Arten auf der Erde. Es ist somit die artenreichste Ordnung dieser Gruppe. Besonders bekannte Vertreter sind Ratten, Mäuse oder Hamster. Nagetiere wiegen im Allgemeinen nicht mehr als ein Kilogramm. Das größte heute lebende Nagetier ist das südamerikanische Wasserschwein Hydrocherus hydrochaeris, das gut 60 Kilo auf die Waage bringen kann.

Gemeinsames Merkmal aller Nagetiere sind die lebenslang nachwachsenden Zähne. Das ist sehr praktisch: Der Kern eines Nagetierzahns besteht aus hartem Material, das von einer Schicht weicheren Zahnschmelzes umgeben ist. Wenn sie nun ihrem Namen entsprechend ihrem Nagetrieb folgen, dann schärfen sich die Zähne automatisch, weil das weichere Material leicht abgearbeitet wird und der harte Kern länger bestehen bleibt. Zudem wachsen die Zähne ein Leben lang nach. Ganz schön praktisch!

Wenn dich die Tiere der Urzeit interessieren, dann wirf doch auch einen Blick in unseren WAS IST WAS-Band 56: Ausgestorbene und bedrohte Tiere


Text: -jj- 17.1.2008 // Bilder: Illustrationen © A. Rinderknecht, R.E. Blanco/Royal Society

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