Was bedeutet Zivildienst?

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Was bedeutet Zivildienst?

Vor 35 Jahren, am 1. Juli 1973 trat ein Gesetz in Kraft, das den Zivildienst mit dem Wehrdienst gleichstellte. Wir erklären, warum es Zivildienst gibt und in welchen Bereichen man als Zivi eingesetzt werden kann. Außerdem gibts Infos über freiwillige Dienste, die auch Frauen ableisten können.

Was bedeutet Wehrdienst?

Foto: Vereidigung bei der Bundeswehr.

Seit 1955 besitzt die Bundesrepublik Deutschland eine eigene Armee, die Bundeswehr. Seit 1956 sind junge Männer zum Wehrdienst verpflichtet. Das bedeutet, sie müssen eine Grundausbildung bei der Bundeswehr absolvieren und danach eine gewisse Zeit in der Armee arbeiten natürlich nur, sofern sie gesundheitlich dazu in der Lage sind.

Warum verweigern?

Seit 1961 besteht die Möglichkeit, den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern. Was bedeutet das? Im Ernstfall, also in einem Krieg muss ein Soldat bereit dazu sein, Menschen zu töten. Wer es zum Beispiel aus religiösen Gründen ablehnt, zu töten, kann einen Ersatzdienst antreten und muss nicht zum Militär.

Zunächst machten nur sehr wenige Männer von dieser Möglichkeit Gebrauch. Damals galt ein Wehrdienstverweigerer nämlich als Drückeberger und musste im Kreiswehrersatzamt äußerst glaubwürdig darstellen, dass sein Gewissen ihm den Dienst an der Waffe verbiete.

Andernfalls wurde seinem Antrag auf Kriegsdienstverweigerung nicht zugestimmt. Erst am 1. Juli 1973 wurde der Ersatzdienst dem Wehrdienst gleichgestellt. Er bekam auch einen neuen Namen: Zivildienst.



Was heißt eigentlich zivil?

Foto: Zivildienst oder Wehrdienst? Links: Jacke eines österreichischen Rotkreuz-Helfers, rechts: Uniformjacke des österreichischen Bundesheeres.

Das Wort zivil kommt aus dem Lateinischen und bedeutet bürgerlich. Oft wird es als Gegensatz zu militärisch gebraucht, etwa wenn man in der Kriegsberichterstattung von Zivilbevölkerung spricht. Ein Polizist in Zivil ist ohne seine Uniform im Einsatz, meist um dadurch nicht gleich als Ordnungshüter erkennbar zu sein.

Was macht man als Zivildienstleistender?

Bis 2002 dauerte der Ersatzdienst meist erheblich länger als der Wehrdienst. Statt 15 Monaten bei der Bundeswehr musste ein junger Mann im Jahr 1987 ganze 20 Monate Zivildienst leisten. Erst seit 2002 wurden die Zeiten angeglichen. Derzeit dauern beide Dienste nur neun Monate.

Als Zivildienstleistender kann man sich auf offene Stellen bewerben, man muss sich also nicht automatisch einer bestimmten Tätigkeit zuweisen lassen. Mögliche Einsatzfelder sind die Betreuung und Pflege von hilfsbedürftigen Menschen beispielsweise im Krankenhaus, Pflegeheim oder in Behinderteneinrichtungen. Hausmeisterarbeiten, landwirtschaftliche oder gärtnerische Hilfstätigkeiten aber auch Rettungsdienst oder Fahrdienste kommen in Frage.

Seit 1973 entscheiden sich immer mehr Männer für den Zivildienst. Gab es 1975 rund 130.000 Zivis in Deutschland, so waren es 1987 bereits mehr als eine halbe Million. Seit 1992 werden auch die Zivildienstleistenden in den neuen Bundesländern mitgezählt. In jenem Jahr waren es erstmals über 1 Million.

Im Jahr 2000 wurde die 2 Millionen-Marke überschritten und 2008 sind es bereit mehr als 3 Millionen. Schon seit einigen Jahren sind die Wehrdienstleistenden im Vergleich dazu deutlich in der Unterzahl.

Freiwillige Dienste

Foto: Auch das diakonische Jahr zählt zu den freiwilligen Diensten.

Anders als häufig angenommen, werden zum Zivildienst nur die jungen Männer herangezogen, die bei der Musterung (Gesundheitsprüfung) als tauglich bestanden haben.

Wer zum Beispiel aus medizinischen Gründen nicht für den Wehrdienst in Frage kommt, muss auch keinen Ersatzdienst leisten. Da für Frauen keine Wehrpflicht besteht, können sie grundsätzlich auch keinen Zivildienst leisten.

Ganz anders verhält es sich hingegen mit freiwilligen Diensten. Wer gern ein Jahr lang etwas anderes machen möchte, beispielsweise nach seiner Ausbildung oder dem Abitur, kann sich für ein Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr (FSJ oder FÖJ) bewerben. Ein FSJ kann man auch in den Bereichen Kultur oder Sport machen.

Diese Formen des freiwilligen Dienstes werden immer beliebter. Ein Freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr traten im Jahr 2007 mehr als 5700 junge deutsche Männer und Frauen zwischen 15 und 27 Jahren an. Dies sind 1100 mehr als im Vorjahr und fast 1900 mehr als im Jahr 2005.

Es ist übrigens auch möglich, statt des Zivildienstes ein FSJ abzuleisten. Abhängig ist das davon, ob die betreffende Dienststelle vom Bundesamt für Zivildienst anerkannt ist. Ob dies der Fall ist muss man abklären, bevor man sein FSJ antritt.

Links

Bundesamt für Zivildienst.

Mehr über das Freiwillige Soziale Jahr erfahrt ihr hier.

Infos über das Freiwillige soziale oder ökologische Jahr statt Zivildienst.

Was man als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr macht, erfahrt ihr im unten verlinkten Artikel 50 Jahre Wehrpflichtgesetz.

Text: Liane Manseicher, 26.06.08; Fotos: Vereidigung bei der Bundeswehr: Felix Koenig: cc-by-sa; Wehrdienst oder Zivildienst: Stefan Reitzner: cc-by-sa; Diakonisches Jahr: Presseseiten der Diakonie Neuendettelsau.

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