Die Römischen Verträge und die Einigung Europas

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Die Römischen Verträge und die Einigung Europas

Vor 50 Jahren fiel eine der wichtigsten Entscheidungen Europas: Am 25. März 1957 vereinbarten die sechs Mitgliedsstaaten der Montanunion die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (Euratom). 1993 entstand daraus die Europäische Union.


Wirtschaftliche Wurzeln


Die Idee einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) hatte der französische Außenminister Robert Schuman. Am 9. Mai 1950 schlug er die Bildung einer europäischen Montanunion vor. Ziel sollte es sein, die Stahl- und Kohleproduktion der Mitgliedsländer überregional zu koordinieren und die Rüstungsindustrien der einzelnen Länder in internationale Verträge einzubinden.


Gründung der Montanunion

Ein knappes Jahr später, am 18. April 1951 wurde in Paris die Gründung dieser Union beschlossen. Mitglieder sollten zunächst Belgien, die Bundesrepublik, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlande sein.

Am 10. Januar 1952 verabschiedete der Deutsche Bundestag in Bonn den Gründungsvertrag. 232 Abgeordnete der CDU/CSU, FDP und DP stimmten dafür, dagegen waren 143 Parlamentarier der SPD und KPD.


Der SPD-Politiker Kurt Schumacher lehnte die Montanunion als zu klerikal, zu konservativ, zu kapitalistisch, zu kartellistisch ab. Er sah in ihr ein Votum für ein Klein-Europa.

Die Römischen Verträge





Die Montanunion schuf die Grundlage für einen gemeinsamen europäischen Markt für Kohle und Stahl und bereitete den Weg zu den so genannten Römischen Verträgen: Am 25. März 1957 vereinbarten die sechs Mitgliedsstaaten der Montanunion die Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM). Durch die EWG sollte eine vollständige Wirtschaftsintegration erreicht werden. 1993 entstand aus ihr die Europäische Union.


Aufgabe der EURATOM war die gemeinsame Erforschung und friedliche Nutzung der Kernenergie.

Symbol der EWG und später der EU wurden damals die zwölf gelben Sterne auf blauem Grund.

Die Berliner Erklärung

  


Weil der 50. Geburtstag Europas in die Zeit der deutschen Ratspräsidentschaft fiel, haben sich deutsche Politiker viele Gedanken um die Zukunft der Europäischen Union gemacht. Aus diesem Grund wurde am 25. März 2007 die so genannte Berliner Erklärung verabschiedet. Darin verpflichten sich die 27 Staats- und Regierungschefs, bis 2009 einen neuen Vertrag über die politischen Spielregeln in Kraft zu setzen. Dieser soll - wie die in Frankreich und den Niederlanden gescheiterte ursprüngliche Verfassung - Europa sozial, demokratisch, global schlagkräftig und für die Bürger verständlich machen. Für die EU bedeutet das die Wende in der fast zweijährigen Verfassungskrise. Das Wort "Verfassung" fehlt allerdings in der Berliner Erklärung.

Feiern überall

Der Geburtstag der EU wurde in ganz Europa gefeiert, nicht nur in Berlin, wo wegen der deutschen Ratspräsidentschaft natürlich das meiste los war. Unser Foto nebenan wurde bei einem Festakt in Nürnberg aufgenommen. Dr. Ingo Friedrich, Quästor (das ist die Bezeichnung für ein Präsidiumsmitglied) des EU-Parlaments schnitt zusammen mit dem Nürnberger Wirtschaftsreferenten Roland Fleck eine dreistöckige EU-Geburtstagstorte an. Zwischen den beiden symbolisiert ein Model die sagenhafte Europa.

Und noch ein Geburtstag

50 Jahre Europa könnten wir auch am 1. Januar 2008 feiern, denn mit Jahresbeginn 1958 sind die Römischen Verträge in Kraft getreten. Gleichzeitig nahmen die Organe der EWG ihre Arbeit auf: Die Parlamentarische Versammlung, deren Abgeordnete von den nationalen Parlamenten entsandt wurden, übte ein Beratungs- und Kontrollrecht aus. Die supranationalen Entscheidungen der EWG wurden durch den Ministerrat getroffen, der aus den jeweils zuständigen nationalen Fachministern bestand. Zur Durchführung dieser Beschlüsse und zur Fortentwicklung der EWG wurde die Kommission eingerichtet, für die jedes EWG-Land ein Mitglied benennen durfte. Der erste Kommissionspräsident war der Deutsche Walter Hallstein.

Nach diesem Muster ist auch die heutige Europäische Union aufgebaut.


Noch mehr Infos über Europa und die Erweiterung der EU sowie die Beitrittsländer findet im: WAS IST WAS Band 113 "Europa".

Auf der Seite des Deutschen Historischen Museums findest du eine Darstellung der Entstehung der Montanunion infolge des Schuman-Plans und den Text der Römischen Verträge.

Auf der Seite des Auswärtigen Amtes kannst du dir Verträge und Dokumente auf dem Weg zur Europäischen Einigung ansehen.


Text und Fotos: RR, 19./25. 3. 2007 Logo: Bundespresseamt

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