Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)

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Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB)

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) wurde am 13. Oktober 1949 in München gegründet. Er versteht sich als Stimme der Gewerkschaften gegenüber den politischen Entscheidungsträgern, Parteien und Verbänden in Bund, Ländern und Gemeinden. Der Vorstand des DGB hat seinen Sitz in Berlin.

Mit dem Buchdruckerverband war 1848 die erste Gewerkschaft gegründet worden. Eine Gewerkschaft ist eine Organisation von Arbeitnehmern, die deren Interessen durchzusetzen versucht, um etwas an der Arbeitssituation zu ändern. Ein einzelner Arbeitnehmer läuft dagegen immer Gefahr gekündigt zu werden. Darum versucht die Gewerkschaft die Interessen der Arbeiter zu vertreten. Ihr Ziel ist es, Arbeitsplätze zu sichern und die Einkommen der Arbeitnehmer zu erhöhen. Um ihre Forderungen durchzusetzen, benutzt sie z.B. den organisierten Streik als Druckmittel. Die Gewerkschaftsbewegung ist international.

Eine lange Geschichte

In den mehr als 100 Jahren von der Gründung des Buchdruckerverbandes bis zur Gründung des DGB ist viel passiert. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten Bergleute zwölf Stunden täglich, oft auch länger, arbeiten. Von ihrem geringen Lohn mussten die Arbeiter sogar noch das Petroleum für ihre Lampen bezahlen, die sie untertage benutzen, um bei der Arbeit überhaupt etwas sehen zu können. Solche Missstände führten dazu, dass sich immer mehr Arbeiter organisierten und erste Gewerkschaften gründeten.

Nach dem Ersten Weltkrieg Ende 1918 wurden die Gewerkschaften und die mit ihnen ausgehandelten Tarifverträge von den Arbeitgeberverbänden anerkannt.

Tag der Arbeit in der Weimarer Republik

Im Jahr 1919, wurde in der Weimarer Republik die Arbeitszeit auf acht Stunden täglich festgelegt und der 1. Mai zum Feiertag erklärt. Ein Grund dafür war, dass die SPD in der Regierung saß, jene Partei, die sich für die Interessen der Arbeiter einsetzte. Mehr über die Geschichte des 1. Mai als Tag der Arbeit erfähst du, wenn du nach diesem Text unten auf den Link klickst. In der Weltwirtschaftskrise haben die Gewerkschaften mehr als eine Million Mitglieder verloren und waren geschwächt, als der Nationalsozialismus aufkam. Nach Hitlers Machtergreifung wurden Gewerkschaften in Deutschland verboten.

Neuer Anlauf 1949

Die Teilung Deutschlands in Besatzungszonen führte dazu, dass im Osten bereits 1945 der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund FDGB gegründet wurde. Im Westen ließ der Dachverband noch vier Jahre auf sich warten.Als der DGB 1949 endlich gegründet wurde, wählten die Gewerkschaften den SPD-Politiker Hans Böckler zum ersten Vorsitzenden der Organisation. Der DGB sollte die politische Plattform der damals 16 Einzelgewerkschaften sein. Die ersten Debatten im DGB behandelten Themen, die die junge Bundesrepublik bewegten: Wiederbewaffnung, Notstandsgesetze und Ost-West-Konflikt.

Tarifpolitik als Thema Nummer Eins

 

Wichtigstes Ziel der DGB-Gewerkschaften war die Verbesserung der sozialen Situation ihrer Mitglieder - also zum Beispiel Lohnerhöhungen und Arbeitszeitverkürzungen durchzusetzen.

Beim Gewerkschaftsthema Nummer Eins - der Tarifpolitik gab es von Beginn an heftige Auseinandersetzungen. Die radikalere Gruppe wollte den Reichtum gesellschaftlich umverteilen. Die andere Fraktion stellte die Herrschaft des Unternehmertums nicht in Frage und trat für eine so genannte sozialpartnerschaftliche Tarifpolitik ein. Sie gewann den Systemstreit, und Deutschland erlebte den Aufschwung des Wirtschaftswunders.

Schwierige Zeiten


In Zeiten der SPD-Bundesregierung in den 1970er Jahren fanden im DGB keine wirklich grundsätzlichen gesellschaftlichen Debatten mehr statt. Parallel zu den Mitgliederzahlen in den Einzelgewerkschaften wuchs der DGB bis 1981 auf 7,9 Millionen.

In den 1980er Jahren kratzten Skandale am Image des Dachverbandes: Missmanagement und persönliche Bereicherung bei der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugenossenschaft "Neue Heimat" führten zu Verlusten in Milliardenhöhe - alles Gelder, die als Mitgliedsbeiträge eingezahlt worden waren. In dieer Zeit verloren die DGB-Gewerkschaften den Anschluss an die jungen Arbeitnehmer. Sie blieben dort stark, wo sie in den 1950er Jahren stark gewesen waren: in Großbetrieben und bei männlichen Facharbeitern. Den Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft hatten die Gewerkschaften verschlafen.

Neue Mitglieder durch die Deutsche Einheit

Die Wiedervereinigung Deutschlands stoppte 1990 den Mitgliederschwund, als die ostdeutschen Gewerkschaften zum DGB stießen. Die Einheit allerdings stellte die Gewerkschaften vor neue Herausforderungen. Den raschen Zuwachs an Mitgliedern konnten die Gewerkschaftsverwaltungen in der gebotenen Schnelle nicht verarbeiten. Auf dem Gebiet der früheren DDR brachen die traditionellen Betriebe zusammen, eine Entwicklung, die sich bald im Westen fortsetzte.

Gewerkschaften in der Krise

Viele Gewerkschaftsmitglieder traten aus und brachten die Organisationen an den Rand des Konkurses. Die Einzelgewerkschaften schlossen sich zusammen. Die einschneidendste Fusion erfolgte 2001, als sich fünf Einzelgewerkschaften zur riesigen Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di zusammenschlossen.

Ein weiteres Problemfeld für die Gewerkschaften nicht nur in Deutschland ist jene Entwicklung, die unter dem Stichwort "Globalisierung der Wirtschaft" zusammengefasst wird. Die nationalen Arbeitnehmer-Vertretungen müssten nicht nur in Europa grenzüberschreitend zusammenarbeiten, doch das ist nicht so einfach wie es klingen mag.

Trotz dieser über die nationalen Grenzen hinauswachsenden Aufgaben der Gewerkschaften sinken die Mitgliederzahlen in Deutschland weiter. Das mag am Abbau von Arbeitsplätzen liegen, hängt aber auch damit zusammen, dass die Gewerkschaften dort keine Mitglieder mehr organisieren können, wo sich Mitspracheform und Beteiligungsform in den Betrieben verändert haben. Das gilt insbesondere im Bereich von jungen Menschen, von Frauen und von Hochqualifizierten.



Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist die größte Dachorganisation von Einzelgewerkschaften geblieben. Ihm gehören statt der früheren 16 nur noch acht Mitgliedsgewerkschaften in der Bundesrepublik Deutschland an. Die anderen sind aber nicht aus dem DGB ausgetreten, sondern haben sich zusammengeschlossen. Es gibt jedoch auch Gewerkschaften, die nicht zum DGB gehören. 



Text: RR 12.10.09, Fotos: DGB / außer Historisches Foto: Siemens Archiv.

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