Die Vermessung der Welt

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Die Vermessung der Welt

Jean-Charles de Borda war ein Universalgelehrter zu Zeiten der französischen Revolution. Er berechnete Geschossbahnen, verbesserte Pumpwerke, zeichnete Karten auf seinen ausgedehnten Reisen und nicht zuletzt führte er das metrische System in Frankreich ein.

Jean-Charles de Borda wurde am 4. Mai 1733 in Dax in Frankreich geboren. Dank eines älteren, mathematikbegeisterten Cousins kam er schon früh im Elternhaus mit Mathematik und anderen Wissenschaften in Berührung. Mit sieben Jahren ging Jean-Charles zunächst auf eine Schule, in der er kaum etwas über Wissenschaft erfuhr. Mit elf wurde er auf eine Jesuitenschule geschickt. Hier erhielt er eine umfassende und fundierte Ausbildung.

Entgegen den Plänen seines Vaters, der ihn gerne in der Verwaltung gesehen hätte, begann Borda eine Karriere als Mathematiker bei der Armee. Mit 20 schickte er seine erste Arbeit über Geometrie an den berühmten Mathematiker d'Alembert. In der Armee stellte er Berechnungen über die Flugbahn von Geschossen, so genannte ballistische Berechnungen an. Ballistik ist die Lehre der geworfenen Körper und leitet sich vom altgriechischen ballein = werfen ab.

Doppelte Geschwindigkeit = Vierfacher Widerstand

Bordas Interesse wandte sich der Seefahrt zu und trat in die Marine ein. Zur gleichen Zeit zeigte er auch, dass der Luftwiderstand von der Geschwindigkeit abhängt: Verdoppelt sich die Geschwindigkeit, vervierfacht sich der Widerstand darum ist es so anstrengend, schnell Rad zu fahren. Auch beschäftigte er sich mit astronomischen Problemen und verbesserte Pumpsysteme.

Zeit ist Ort

In den 1770er Jahren reiste er mehrmals über den Atlantik. Dabei überprüfte er die Genauigkeit einiger Chronometer. Das sind spezielle Schiffsuhren, deren Ganggenauigkeit und Zuverlässigkeit von lebenswichtiger Bedeutung für Schiffsbesatzungen waren. Nur mit ihrer Hilfe ließ sich die Position auf See genau bestimmen. Sie repräsentierten die Zeit des Heimathafens.


Setzte man die Heimatzeit in Beziehung zur aktuellen Ortszeit an Bord des Schiffes auf hoher See, konnte der Längengrad bestimmt werden, also die Ost- oder Westentfernung des Schiffes von seinem Heimathafen. Die geografische Breite, also die Nord-Süd-Position, konnte relativ leicht anhand der höchsten Sonnenhöhe Mittags oder anhand von Sternen mit Hilfe eines Sextanten (siehe Bild) ermittelt werden.

Der Meter in Frankreich

Außerdem tat sich Borda auch bei der Einführung des metrischen Systems in Frankreich hervor. Er wurde zum Vorsitzenden der Kommission für Maße und Gewichte. Er wollte den Meter zunächst auf den zehnmillionsten Teil der Strecke vom Nordpol zum Äquator festlegen. Dazu solle die Strecke zwischen Dünkrichen und Barcelona vermessen werden.



Die Messungen wurden mit von Borda weiterentwickelten Instrumenten durchgeführt. Noch kurz vor der Französischen Revolution gelang es Borda gemeinsam mit Lagrange und Laplace, den von ihnen ermittelten Meter per Gesetz festzulegen. Amerikaner, Briten und Deutsche lehnten dieses Maß aus unterschiedlichen Gründen zunächst ab.



Borda und Kollegen

Darüber hinaus entwickelte Borda ein Wahlverfahren, dass bei verschiedenen Abstimmungen auch heute noch zum Einsatz kommt, etwa beim Eurovision Song Contest. Er beschäftigte sich ebenfalls mit dem Magnetfeld der Erde und entwickelte passende Instrumente. Mit diesen stattete er andere Forscher aus, etwa den Deutschen Alexander von Humboldt.


Borda setzte sich auch für eine allgemeine Anwendung des Dezimalsystems ein: Er wollte einen Kreis in 400 statt in 360 Grad unterteilen und plädierte für einen Tag mit 10 Stunden zu 100 Minunten á 100 Sekunden statt unseres gewohnten 12-Stundentags mit 60 Minuten zu 60 Sekunden. Dies fand allerdings keinen Anklang.

Jean-Charles Borda starb am 20. Februar 1799 in Paris. Sein Name gehört zu den 72 am Eiffelturm angebrachten Namen berühmter Wissenschaftler. Nach ihm ist außerdem ein Mondkrater benannt.

Hier erfahrt ihr mehr über Alexander von Humboldt und Borda.


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Text: -jj- 29.4.2008 // Bilder: Alle PD außer Sextant: Hafenbar/GFDL

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