Der Beginn der Wikingerzeit

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Der Beginn der Wikingerzeit

Wer waren die Wikinger und woher kamen sie? Warum verbreiteten sie im frühen Mittelalter in ganz Europa Angst und Schrecken und warum waren sie bei ihren Raubzügen so erfolgreich? Hier erfahrt ihr mehr über die Zeit der Wikinger, die vor 1215 Jahren begann mit dem Überfall auf eine kleine englische Insel begann.

Wer herrschte im frühen Mittelalter in Europa?

Links: Karl der Große. Er regierte das Frankenreich ab dem Jahr 800.

Wir schreiben das Jahr 793, es ist die Zeit des frühen Mittelalters. In Europa gibt es drei große Reiche: Das Frankenreich in der Mitte unter der Herrschaft von Karl dem Großen. Es umfasst nahezu das gesamte mitteleuropäische Gebiet, das heute Frankreich, Italien und Deutschland heißt und geht im Südosten sogar noch darüber hinaus.

Über Spanien und Nordafrika dehnt sich das Reich der Araber, das sogenannte Emirat von Cordoba aus. Und dann ist da noch das Byzantinische Reich im Osten mit seiner Hauptstadt Konstantinopel (das heutige Istanbul).

Und wer wohnt in Nordeuropa?

Rechts: Dorfgemeinschaft der Wikinger in Norwegen.

In Skandinavien, also in Dänemark, Schweden, sowie Teilen Norwegens, Finnlands und Islands leben die Wikinger. Es handelt sich bei den Wikingern nicht etwa um einen Volksstamm, sondern um zahlreiche Sippen, die sich auf die unterschiedlichsten bewohnbaren Gebiete Nordeuropas ausdehnten. Sie sind untereinander durch dieselbe Sprache und Kultur verbunden.

Die Wikinger leben als Bauern und Handwerker in kleinen Dörfern oder Einzelgehöften. Im 8. Jahrhundert beginnen sich die Lebensverhälftnisse in Skandinavien zu verschlechtern. Die Bevölkerung wächst, doch immer nur der älteste Sohn erbt das Anwesen und den Besitz seiner Eltern. Seine Brüder müssen sich ihren Lebensunterhalt anderweitig verdienen.

Etliche von ihnen suchen ihr Glück in der Fremde und gehen auf Wikingfahrt werden also Seeräuber. In der Kultur der Wikinger spielt das Kämpfen nämlich eine große Rolle.



Warum sind die Wikinger so gute Seefahrer?

Links: Drachenboot der Wikinger. Mit Segeln und Rudern kamen die Krieger schnell voran.



Die Wikinger besiedeln vor allem die Küsten Skandinaviens, da das Landesinnere sehr unwegsam ist. Viel leicher kann man sich auf dem Meer fortbewegen. So sammeln sie Erfahrung in der Kunst des Schiffbaus und des Navigierens. Bis heute ist kein anderes Volk bekannt, das es sich in jener Zeit traut, fernab der Küsten übers offene Meer zu fahren, tagelang ohne Land in Sicht.



Bild: Die Wikinger landen in Lindisfarne und stürmen das Kloster.

Diese Fähigkeit setzen sie auch ein, um sich im Jahr 793 mit ihren Drachenschiffen auf den Weg nach Nordengland zu machen. Am 8. Juni 793 erreichen sie im Morgengrauen die Insel Lindisfarne, auch Holy Island (Heilige Insel) genannt wegen des christlichen Klosters, das sich hier befindet. Eigentlich gilt die Insel als uneinnehmbar, doch den Wikingern gelingt es, unbemerkt an Land zu gehen.

Sie sind schwer bewaffnet und überrumpeln die Inselbewohner und die Mönche des Klosters. Kurzerhand erschlagen sie alle, die ihnen in die Quere kommen und plündern Kirche und Kloster und hinterlassen nur Ruinen. Mit Schätzen beladen kehren sie zurück in ihre Heimat. Es ist der erste große Überfall der Wikinger, doch noch lange nicht ihr letzter.

Mit dem Drachenboot auf Wikingfahrt

Erik der Rote gehört zu den bekanntesten Wikingerkämpfern.

In den kommenden Jahren und Jahrhunderten versetzen sie ganz Europa in Angst und Schrecken. Sie erobern nicht nur England, sondern auch Nordfrankreich und Irland. Sie verfolgen fast immer die Überrumplungsstrategie. Mit ihren niedrigen Booten kann man sie vom Land aus erst sehen, wenn sie schon fast angekommen sind - dann ist es zu spät um Männer zur Verteidigung zusammenzurufen.

Von der Bevölkerung der eingenommenen Gebiete verlangen sie hohe Geldsummern, mit denen diese sich den Frieden erkaufen müssen. So werden die Wikinger immer wohlhabender. In Nordfrankreich erhalten sie sogar vom König einen Landesteil als Lehen: die Normandie. Bis heute heißt diese Region Frankreichs nach den Nordmannen, denen sie verliehen wurde.

Mit ihren langen und schmalen Kriegsschiffen müssen die Wikinger nicht an den Küsten eines Landes haltmachen sondern fahren auf den Flüssen bis ins Landesinnere und rauben so auch Städte wie Hamburg oder Paris aus. Sie kommen sogar bis ins heutige Russland und nach Konstantinopel.

Das Ende der Wikingerzeit

Nach und nach ließen sich die Wikinger in den von ihnen eroberten Gebieten nieder. Man geht davon aus, dass sich ihre Raumbzüge auch deshalb irgendwann nicht mehr lohnten, weil die Gegenwehr der anderen Völker immer stärker wurde und die Wikinger dem nicht mehr viel entgegenzusetzen hatten, da sie aus ihrer Heimat immer weniger Verstärkung bekamen.

Dort war man nämlich mittlerweile nicht mehr der Ansicht, dass Rauben, Morden und Brandschatzen Heldentaten wären. In Skandinavien hatte sich nämlich mittlerweile das Christentum verbreitet - vorher hatten sie an zum Teil kriegerische Naturgötter geglaubt, ähnlich wie die Germanen. Die Wikingerzeit endet im 11. Jahrhundert.

Mehr über die Wikinger erfahrt ihr im WAS IST WAS Band 58 Die Wikinger.

Text: Liane Manseicher, 04.06.08; Fotos: Wikingerschiffmodell: softeis:cc-by-sa; Karl der Große: Gemälde von Dürer, pd; Illustrationen: Nikolai Smirnov, WAS IST WAS Band 58 Die Wikinger.


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