Um 1850: Museumsboom in Europa

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Um 1850: Museumsboom in Europa

Als 1793 die riesige Pariser Kunstsammlung Louvreder Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, löste das in den Folgejahren einen wahren Museumsboom in Europa aus. Jede Metropole wollte ihre Kunstschätze plötzlich öffentlich ausstellen je prunkvoller, desto besser. Einen ersten Höhepunkt erreichte diese Entwicklung vor 150 Jahren. Damals öffnete auch die St. Petersburger Eremitage ihre Pforten eines der bedeutendsten Kunstmuseen der Welt. Wir haben uns aus diesem Anlass einmal darüber Gedanken gemacht, warum es überhaupt Museen gibt und wie sie entstanden sind.

Museen, wie wir sie heute kennen, existieren erst seit rund 200 Jahren. Man versteht darunter Institutionen, die Sammlungen künstlerischer und wissenschaftlicher Gegenstände beherbergen.Ein Museum dient vor allem dazu, das gesammelte Material aufzubewahren, zu erforschen und beschädigte Gegenstände gegebenenfalls wieder herzustellen. Vor allem aber sollen die Ausstellungsstücke sinnvoll präsentiert und erklärt werden. Der Zweck eines Museum ist es nämlich nicht nur, die Schaulust seiner Besucher zu befriedigen, sondern auch ihre Bildung zu vergrößern.

Beutekunst im alten Rom

Natürlich waren die Menschen auch schon leidenschaftliche Sammler, als es noch keine öffentlichen Museen gab. Bereits in der Antike häuften reiche Privatleute wertvolle Kunstgegenstände an allerdings nur zu ihrem eigenen Vergnügen. Die Römer brachten kostbare und exotische Beutekunst von ihren kriegerischen Feldzügen in aller Welt mit und bewahrten sie auf. Im Altertum demonstrierte man mit Sammlungen also vor allem Reichtum, Macht und seine gesellschaftliche Stellung.

Reliquien und Raritäten

Diese Tradition wurde auch von den Fürsten des Mittelalters aufgegriffen. Da Kirche und Religion in dieser Zeit eine sehr große Rolle spielten, sammelten die Herrscher damals vor allem so genannte Reliquien. Das sind Gegenstände, denen man eine gewisse Heiligkeit und Wundertätigkeit nachsagt. Später kamen auch weltliche Sammelstücke hinzu, die wegen ihres Seltenheitscharakters Raritäten hießen. Oft kann man noch heute auf alten Schlössern oder Burgen so genannte "Raritätenkabinette" besichtigen.

Querschnitt durch die menschliche Schöpfung

Mit dem Beginn der Neuzeit etwa um 1600 entstanden neben den fürstlichen auch erste bürgerliche Sammlungen. Sie wurden meist von Ärzten und Professoren zusammen gestellt und sollten einen Querschnitt durch die menschliche Schöpfung darstellen. Der Wissenschaftler Samuel Quiccheberg formulierte als erster eine Museumstheorie, nach der alles Natur- und Menschenwerk in so genannten Kunst-, Naturalien- Wunder- oder Vernunftkammern gesammelt werden sollte. Die Sammelstücke wurde im 17. Jahrhundert vor allem als Lehrmaterial für Studenten verwendet oder kulturinteressierten Bildungsreisenden gezeigt. Diese gehörten jedoch ausschließlich höheren Schichten an.

Bildung für das Volk

Das änderte sich im 18. Jahrhundert. Immer mehr Menschen forderten, dass Museen nicht nur für Gelehrte, sondern auch für das einfache Volk geöffnet werden sollten. Als erstes staatliches Museum wurde 1753 das British Museum in London eingeweiht. 1779 folgte mit dem Fredericianum in Kassel das erste deutsche Museum. Beide allerdings nach wie vor mit Zugangsbeschränkung. Die Entstehung von Museen im heutigen Sinne erfolgte erst nach der Französischen Revolution im Jahr 1793. Damals wurde die königliche Kunstsammlung verstaatlicht und im Schloss für Besucher zugänglich gemacht.

Neue Museen von Madrid bis New York

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Museen fast nur noch von Bürgern eröffnet. Kaum mehr von Fürsten oder Königen. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden viele der wichtigsten Sammlungen der Welt, vor allem im Bereich der Kunst: der Prado in Madrid (1819), die Alte Pinakothek in München (1830) oder das Metropolitan Museum of Art in New York (1870). 1852 öffneten gleich drei bedeutende Sammlungen: die Eremitage in St. Petersburg in Russland, das Victoria and Albert Museum in London und das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg.

Jubiläumsjahr: Drei große Häuser feiern

Das Eremitage-Museum in St. Petersburg ist in fünf prunkvollen Palastgebäuden untergebracht und beherbergt 3 Millionen Kunstgegenstände von der Steinzeit bis heute. Das Germanische Nationalmuseum ist mit 1,2 Millionen Objekten das größte kulturhistorische Museum im deutschsprachigen Raum. Das Spektrum der etwa 20.000 Ausstellungsobjekte reicht von der Vor- und Frühgeschichte bis zur Kunst und Kultur der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Das "Victoria and Albert Kunstgewerbemuseum" in London zeigt neben Kunsthandwerk verschiedener Länder und Epochen einige der kostbarsten Orientteppiche der Welt.

Nic - 06.02.2002 / Foto (Eremitage St. Petersburg): Stefan Schlechtweg

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