Matthias - ein glückloser Kaiser

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Matthias - ein glückloser Kaiser

Der jüngere Sohn Kaiser Maximilians II. konnte sich nie damit abfinden, dass sein älterer Bruder Rudolf die Kaiserwürde geerbt hatte. Trotz vieler Ränke und Intrigen folgte er Rudolf erst nach dessen Tod auf den Thron. Sechs Jahre später begann der 30jährige Krieg.

Kaiser Maximilian II. hatte mit seiner Gemahlin Maria von Spanien 15 Kinder.

Matthias war das siebte als er 1557 das Licht der Welt erblickte. Er hatte drei ältere Brüder und drei ältere Schwestern, wobei der älteste Bruder Ferdinand schon 1552 verstorben war.

Matthias ältere Brüder waren Rudolf, der spätere Kaiser und Ernst von Österreich (Statthalter in den Niederlanden). Seine jüngeren Brüder waren Maximilian (Hochmeister des Deutschen Ordens), Albrecht (Erzbischof von Toledo später Statthalter der Niederlande) und Wenzel (Großprior des Johanniterordens in Kastilien).

Ein ehrgeiziger Erzherzog

Schon als Jugendlicher interessierte sich Erzherzog Matthias für die Politik seines Vaters, obwohl er wusste, dass sein älterer Bruder Rudolf trotz seelischer Fehlentwicklungen und mit nachweislich körperlichen Schwächen dem Kaiser nachfolgen würde.

Von seinem Vater übernahm Matthias die antispanische Haltung und die Ablehnung der spanischen Politik in den Niederlanden. Nach Kaiser Maximilians Tod wurde Rudolf 1576 zum deutschen Kaiser und zum König von Böhmen gewählt.

Ohne sich mit dem Bruder abzusprechen mischte sich Matthias in die Politik ein und nahm 1576 auf dem Reichstag zu Regensburg Kontakt zu niederländischen Adeligen auf und bot sich an, um im niederländisch-spanischen Konflikt zu vermitteln.

Ein holländisches Abenteuer

In der Nacht vom 3. auf 4. Oktober 1577  trat der zwanzigjährige Matthias ohne Wissen seines Bruders die Fahrt in die Niederlande an. Die gemäßigten niederländischen Stände wählten Matthias gegen den Willen des spanischen Königs Philipp II. zum Generalstatthalter der Niederlande.

Die Niederländer sahen in Matthias mehr den Vater als den Sohn: Er hatte das gleiche leutselige Temperament und war weit davon entfernt, ein kirchlicher Fanatiker zu sein.

Allerdings gelang es Matthias nicht, auf diese Weise Macht und Einfluss zu gewinnen. Der Herzog von Aerschot, Matthias wichtigster Unterstützer war am 28. Oktober gefangen genommen worden. So blieb Matthias nichts anderes übrig, als sich unter den Schutz Wilhelms von Oranien zu begeben.

Damit war sein Unternehmen gescheitert, ehe es überhaupt begonnen hatte. 1581 gab er sein Amt wieder auf.


Auf der Suche nach der Macht


Zurück in Österreich begnügte sich Matthias zunächst mit einer kleinen Hofhaltung in Linz. Dort sinnierte er, wie er trotz der Niederlage Macht und Einfluss gewinnen könnte.

Zunächst versuchte er es mit der Kirche und kandidierte als möglicher Bischof bei Wahlen in Münster, Lüttich und Speyer.


1586 wollte er für den polnischen Thron kandidieren, später bewarb er sich für eine Regentschaft in Tirol und den Vorlanden. Erst als sein Bruder Ernst als Statthalter des spanischen Königs Philipp II. in die Niederlande ging, erhielt er die Statthalterschaft in Österreich.

Diese wurde bald auf eine harte Probe gestellt, als es zu Aufständen protestantischer Bauern kam, die es Leid waren, für die Lasten des Großen Türkenkrieges zahlen zu müssen.


Matthias verfolgte einen harten Kurs und nahm der Religion gegenüber eine entschiedene katholische Haltung ein. Von da an entwickelte er sich zum Gegenreformator.

Intrigen gegen den Kaiser

Kaiser Rudolfs geistige Auffälligkeit, die während seiner gesamten Regierungszeit für Unruhe sorgte, zeigte um das Jahr 1600 verstärkt emotionale Veränderungen, die von der Familie nicht geheim gehalten werden konnten. Bald verbreitete sich im ganzen Heiligen Römischen Reich  das Gerücht, das der Kaiser wahnsinnig sei.

Nach dem Tod von Ernst 1595 stand Matthias an der Spitze der Erzherzöge. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass der Verdacht der Geistesschwäche des Kaisers zu der Zeit verstärkt geäußert wurde, als Matthias den Kampf um die Macht im Reich begann.

Schließlich beschloß der habsburgische Familienrat im Jahr 1606, Matthias als Nachfolger des Kaisers zu benennen. Das war nur eine Willenserklärung, die keine Auswirkung auf einen möglichen Thronwechsel hatte - immerhin wurde der Kaiser immer noch von den Kurfürsten gewählt. Für Matthias war das aber ein willkommender Anlaß sich bei Hofe bekannt zu machen.

Politik im Namen des Kaisers

Nicht der Kaiser war es, sondern Matthias, der 1606 mit den Osmanen den Frieden von Zsitvatorok schloss und den Konflikt mit den aufständischen Ungarn durch Zusicherung der freien Religionsausübung beendete.

Kaiser Rudolf gelang es nicht, die Verträge seines Bruders zu hintertreiben.  Statt dessen musste er Matthias die Position eines Statthalters in Ungarn übertragen.

Im Juni 1608 kam es im Vertrag von Lieben zur Aufteilung der Macht: Rudolf behielt Böhmen, Schlesien und die Lausitz. Matthias erhielt Ungarn, Österreich und Mähren.

Die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser Rudolf und Matthias gingen als "Bruderzwist von Habsburg" in die Geschichte ein.

Der Kaiser ist tot - es lebe der Kaiser

Nachdem im Auftrag des Kaisers agierende marodierende Truppen Auseinandersetzungen in Böhmen heraufbeschworen hatten, lief der böhmische Adel zu Matthias über. Kaiser Rudolf wurde gefangen genommen und verlor seine letzten Herrschaftsgebiete.

Am 23. Mai 1611 wurde Matthias in Prag zum König von Böhmen gewählt. Unterdessen lebte der Kaiser isoliert in Prag und starb am 20. Januar 1612. Als Nachfolger wurde Matthias gewählt.

Ein schwacher Regent

Obwohl die politischen Herausforderungen dieser Zeit groß waren, blieb der neue Kaiser untätig. Die Katholiken und die Protestanten bildeten zwei Lager. Es hätte eines starken Vermittlers bedurft, um die drohenden Auseinandersetzungen zu verhindern.

Kaiser Matthias war an Gicht erkrankt und zog das süße Leben am Hof der anstrengenden Politik vor.

Weil auch Matthias keine Erben hatte, bestimmte er seinen Vetter, den streng katholischen Ferdinand II. zum König von Böhmen und Ungarn.

Diese Entscheidung provozierte den Prager Fenstersturz, der den Dreißigjährigen Krieg auslöste. Mehr über dieses Ereignis kannst du in einem anderen Artikel lesen, der unten verlinkt ist.

Matthias spielte vom Beginn des Dreißigjährigen Krieges bis zu seinem Tod am 20. März 1619 kaum noch eine Rolle. Er wurde als erster Habsburger in der Kapuzinergruft in Wien beigesetzt.

Hier findest du weitere Informationen über Kaiser Matthias.



Text: RR, Stand: 20. 5. 2011, Bilder: Lucas van Valckenborch, Hans von Aachen



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