Das Große Spiel Kampf um die Vorherrschaft in Asien

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Das Große Spiel Kampf um die Vorherrschaft in Asien

Seit dem Ende Napoleons stritten und taktierten sowohl Russen als auch Briten um die Vorherrschaft in Asien. Vor hundert Jahren, am 31. August 1907, wurde in Sankt Petersburg ein Vertrag zwischen Russland und dem Vereinten Königreich unterzeichnet, der die Spannungen auf dem größten Kontinent beilegen sollte. Dieser Vertrag legte den Grundstein für das Bündnis der beiden Länder im Ersten Weltkrieg.

Das Große Spiel

Beim Großen Spiel ging es von 1813 bis 1947 um die Vorherrschaft der europäischen Mächte in Asien. Das schwierige Taktieren dabei wurde von den Briten ironisch "the Great Game" (Großes Spiel) genannt. Die Russen wollten schon seit langem versuchen über Turkistan bis zum indischen Ozean vorzustoßen, um dort einen eisfreien Hafen zu bauen. Auch schon zu Zeiten Napoleons soll es ein Abkommen zwischen Russland und Frankreich gegeben haben, Indien gemeinsam anzugreifen, um die britische Kolonialherrschaft zu beenden. Dazu kam es jedoch nie. In der Folgezeit versuchten die Briten alles, um das Zarenreich daran zu hindern, bis in diesen Raum vorstoßen zu können.

Der Zweite Anglo-Afghanische Krieg

1878 kam es zum Zweiten Anglo-Afghanischen Krieg. Sowohl die Russen, als auch die Briten beanspruchten für sich das Recht, einen Repräsentanten in Kabul, der Hauptstadt Afghanistans, einzusetzen. Als die Afghanen den britischen Abgesandten zur Rückkehr zwangen, marschierte die Britisch-Indische Armee in Afghanistan ein. Die Briten konnten den größten Teil des Landes besetzen. Daraufhin räumte ihnen der Sohn des afghanische Herrschers Shir Ali das Recht auf Repräsentanten und die Kontrolle der afghanischen Außenpolitik ein.

Doch dann wurde der erste Repräsentant der Briten Louis Cavagnari mit seinem gesamten Stab ermordet, woraufhin Kabul besetzt wurde. Ein anderer Sohn Shir Alis, Ayub Khan, konnte ein Britisches Heer in einer blutigen Schlacht bezwingen, eher er in der Schlacht von Kandahar geschlagen wurde. Die neu gewählte Regierung in Großbritannien war mit dem Ergebnis des Krieges zufrieden und befahl den Rückzug aus Afghanistan.

Die jungpersische Revolution

Die jungpersische Revolution begann 1905 mit Demonstrationen gegen die Russen, wobei auch eine russischen Bank zerstört wurde. Nachdem harte Strafen nach weiteren Unruhen verhängt wurden, zogen viele Teheraner Mullahs* nach Ravy aus. Der Schah* Mozaffar al-Din Schah versprach, eine Verfassung auszuarbeiten, womit die Mullahs wieder zurückkehrten. Als der Schah jedoch zögerte, machten sich diese zum zweiten Auszug auf und forderten ein Parlament. Nach einigem hin und her und weiteren Streiks präsentierte der Schah eine Verfassung, berief ein Parlament ein und wandelte Persien zur konstitutionellen Monarchie.

Der Vertrag von Sankt Petersburg

Am 31. August 1907 unterzeichneten der russische Außenminister und der britische Botschafter in Russland den Vertrag von Sankt Petersburg. Darin wurde das zukünftige Verhalten der beiden Länder gegenüber Afghanistan, Persien und Tibet festgelegt. Persien, das von starken Unruhen ergriffen war, wurde im Norden zur russischen und in Süden zur britischen Einflusszone. Dazwischen bildete sich eine neutrale Zone. Afghanistan stand komplett unter britischem Einfluss. Tibet erklärte man zur neutralen Zone, die Ansprüche Chinas wurden jedoch berücksichtigt. Der Vertrag bildete die Grundlage für das Kriegsbündnis zwischen Russland und dem Vereinten Königreich im Ersten Weltkrieg.

Der persische Bürgerkrieg

Nach der Aufteilung Persiens brachen im ganzen Land wieder Aufstände aus. Der Schah wollte mithilfe seiner Kosakentruppen das Parlament auflösen, was allerdings misslang. 1908 ließ er alle Parlamentarier hinrichten und setzte die Verfassung außer Kraft. Nach weiteren Aufständen wurde der Schah zum Rücktritt und zur Flucht gezwungen, ein neuer Schah und die Verfassung wurden wieder in Kraft gesetzt.

Nach einem vom Militär zurückgeschlagenen Versuch des Ex-Schahs, wieder an die Macht zu kommen und mehren Aufständen, eroberten die Russen Kabul und die Briten besetzten Teile des Landes, bis das Parlament den russisch-britischen Teilungsvertrag akzeptierte.

Das Große Spiel heute

Die russischen Bemühungen in dieser Region hielten bis ins späte 20. Jahrhundert an, was der Einmarsch 1979 in Afghanistan zeigt. Im Kampf um die Vorherrschaft im Raum Iran-Afghanistan gewannen sowohl China als auch Indien mehr Einfluss. Und auch die USA, die mit dem Irakkrieg ihre Ölreserven aufstocken wollte, zeigte Ambitionen in diesem Gebiet.

Die Konflikte in Regionen wie Afghanistan oder Tibet bestehen nicht erst seit 30 Jahren, sondern haben ihren Ursprung viel früher, als die Europäer begannen, sich in deren Politik einzumischen.

*Als Mullah werden islamische Lehrer, Prediger, Geistliche oder Theologiestudenten bezeichnet.

Schah bedeutet übersetzt König. Der Schah war der Herrscher im persischen Reich.

16.08.2007; Text: Jan Wrede; Bilder: Wikipedia

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