4.9.1802: Die Keilschrift wird entziffert

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4.9.1802: Die Keilschrift wird entziffert

Eine der bedeutendsten Leistungen Georg Friedrich Grotefend war die Entzifferung der 37 Zeichen umfassenden Keilschrift. Sein besonderes Interesse galt den "Dunklen Stellen" in der Wissenschaft und so gelang es ihm am 4. September 1802, zehn Zeichen der altpersischen Keilschrift zu entziffern.


Durchbruch in der Keilschriftentzifferung

Die Anzahl der Tontafeln mit Keilschrifttexten in den Sammlungen und Museen der Welt wird auf über 500.000 geschätzt. Ohne den Schlüssel zu diesen ungeheuren Quellen, an dessen Anfertigung Grotefend maßgeblich als Pionier mitgearbeitet hat, wüssten wir so gut wie nichts von Sumerern und Babyloniern, von Assyrern und Hethitern, von Elamern und Persern.

Von den 37 Zeichen der altpersischen Keilschrift entzifferte Grotefend 1802 10 Zeichen. Für die übrigen 27 Zeichen benötigten 10 weitere Wissenschaftler dann noch 45 Jahre!

Eine Wette als Motivation

Zur Motivation Grotefends, sich mit der altpersischen Keilschrift zu beschäftigen, ist folgendes überliefert: Bei einem Spaziergang im Juli 1802 mit seinem Freund Rafaello Fiorillo wurde das Problem aufgeworfen, ob es möglich sei, eine Inschrift zu entziffern, von der weder Schrift noch Sprache noch Inhalt bekannt sind. Für Grotefends Behauptung, das dies möglich sei, forderte Fiorillo in einer Art Wette den Beweis. Er schlug Grotefend vor, es anhand der damals unentzifferten Keilschriften zu versuchen.

Innerhalb von sechs Wochen hatte er die Grundzüge der altpersischen Keilschrift geknackt! Die erste Zeile der Tafel lautet in heutiger Umschrift: Darayavahusch : chschayathiya ( = Darius der König )

Kurzbiografie

Georg Friedrich Grotefend wurde als Sproß eines alten Mündener Schuhmacher-Geschlechts am 9. Juni 1775 geboren. Er besuchte die dortige hohe Schule, ging anschließend auf die Universität Göttingen, wo er als Student und gleichzeitig Hilfslehrer am dortigen Gymnasium seine Entzifferung vollbrachte.

Über Frankfurt am Main kam er nach Hannover und wurde dort Schulleiter. Er starb am 15. Dezember 1853 als Ehrenbürger von Hannover, der von König Ernst-August besonders ausgezeichnet war. Das Mündener Gymnasium ist nach ihm benannt.

30.8.02 sw- Bildmaterial: Lehrstuhl für Festkörperchemie an der Uni Augsburg und Gymnasium Münden.

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