1559: Verbot für Turniere in Frankreich

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1559: Verbot für Turniere in Frankreich

Ein französischer Adliger namens Geoffroy de Pruilly soll das neue Festspiel erfunden haben, in dem den Rittern gestattet wurde, sich mit ihren Gegnern kämpferisch zu messen. Aus diesem Spiel entwickelte sich gegen Ende des 11. Jahrhunderts das Turnier, in dem anfänglich wie im Krieg mit gefährlichen Waffen gekämpft werden durfte. Verbreitet hat sich dieser beliebte Kampfsport aber erst im 12. Jahrhundert.

Zu einem Turnier wurde man geladen das war eine große Ehre. Boten reisten durch das ganze Land und luden ein, wer kommen wollte.

Als Turnierkämpfer zum Star

Die Zuschauer waren begeistert und die Turniere wurden immer festlicher, größer, mit mehr Pomp und immer öfter organisiert. Für viele junge Ritter war das Turnier wie ein Beweberbungstest. Sie stellten ihre Fähigkeiten und ihren Mut zur Schau und waren sie erfolgreich wurden sie berühmt. Sie bewiesen bei diesen Kampfspielen mit ihren Knappen ihren Mut, ihre Geschicklichkeit und den gekonnten Umgang mit der Waffe und dem Pferd. Waren sie erfolgreich, wartete ein gutes Dienstverhältnis bei einem hohen Herrn und vielleicht auch eine reiche Frau auf sie. Und gleichzeitig war es auch eine große Ehre vor so viel Menschen sein Können unter Beweis zu stellen.

Welche Turniere gab es?

Im Mittelalter gab es drei beliebte Turnierformen: den Buhurt, den Tjost und die Turnei.

Der Buhurt war ein Massenkampf, wie ein echtes Schlachtgetümmel auf großräumigen Gelände. Zwei gleich große, gleich starke Heerhaufen traten gegeneinander an. Gekämpft wurde mit stumpfen Waffen. Es war mehr wie ein Schaureiten. Lag ein Ritter am Boden, wurde er vom Gegner gefangen genommen. Er musste, um frei zu kommen ein Lösegeld zahlen und sein Pferd an den Sieger abgeben.

Der Tjost war dagegen ein Zweikampf, der immer mit einem Lanzenstechen zu Pferd begann. Später konnte das Gefecht auch mit dem Schwert zu Fuß weitergeführt werden.

Zwischen diesen beiden Turnierarten gab es auch noch die Turnei. Dabei kämpften auf einem kleineren, überschaubaren Turnierplatz zwei Gruppen mit stumpfen Lanzen zu Pferd gegeneinander. Gewonnen hatte, wer mehr Gegner aus dem Sattel werfen konnte.

Wie lief ein Turnier ab?

Ein Turnier konnte einen oder mehrer Tage dauern. Zunächst kamen Herolde, die alle Teilnehmer namentlich aufriefen. Wie heute die großen Boxer, hatten auch die einzelnen Ritter ihre Anhänger und Fans. Nachdem die Regeln verlesen wurden, begannen die Kämpfe und die Zuschauer meldeten sich dabei laut zu Wort, schrieen und feuerten ihre Helden an. Der Sieger wurde am Ende geehrt und erhielt eine Prämie.

Die Verlierer

Doch es gab auch viele Verletzte und Tote bei diesen Turnieren. Auch stumpfe Waffen können schlimme Verletzungen hervorrufen. Beim Sturz vom Pferd brach sich so mancher Ritter das Genick und bei einer Massenschlacht konnten einem auch die vielen Pferde zum Verhängnis werden. Allein 1240 starben auf einem Turnier bei Köln 40 Ritter und Knappen.

Versuch die Turniere abzuschaffen

Kaum kamen die Turniere richtig in Mode, wurden sie 1130 auch schon von der Kirche verdammt. Papst Innozenz II. sah in ihnen eine gottlose Eitelkeit und Kraftmeierei. Im Turnier verstorbene Ritter sollten nicht auf dem Friedhof begraben werden. Doch auch diese Drohung änderte nichts am Erfolg der Turniere. So verschärfte die katholische Kirche ihre angekündigten Strafen. Doch das half alles nichts und im Jahr 1316 hob Papst Johannes XXII. das kirchliche Turnierverbot wieder auf.

Ein prominentes Opfer

Das letzte Turnieropfer, der französische König Heinrich II., wurde am 30.6.1559 in Paris durch den Lanzenstoß des Hauptmannes Gabriel de Lorges, des späteren Grafen Montgomercy, tödlich verletzt. Beim Zerbrechen ihrer Lanzen drang ein scharfer Holzsplitter durch den schmalen Sehschlitz des Helmes ins Auge des Königs und von dort weiter ins Gehirn. Nach zehn Tagen erlag der König seinen Verletzungen. Sein Sohn und Thronnachfolger verbot daraufhin am 10. Juli 1559 die Turniere in Frankreich. Und auch im übrigen Europa wurden diese Spektakel nach und nach eingestellt, denn auch die Zeit der klassischen Ritter war schon vorbei.

Wer mehr über die Ritter und das Mittelalter erfahren will, kann im Band 88 Ritter aus der Reihe WAS IST WAS nachlesen.

-ab-06.07.04 Text / Illustrationen WAS IST WAS Band 88 Ritter.

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