Auf den Spuren der wilden Khane

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Auf den Spuren der wilden Khane

Vor rund 800 Jahren herrschten in Asien die Khane, wie die Anführer der mongolischen Stämme genannt wurden. Einer stach besonders heraus: Dschingis Khan. Er wurde deshalb so berühmt, weil er es schaffte, die verschiedensten Völker auf einem riesigen Territorium zu vereinen und ein friedliches Zusammenleben der unterschiedlichen Kulturen und Religionen zu ermöglichen. Die Ausstellung "Dschingis Khan und seine Erben" wandelt auf den Spuren dieser "Geheimen Geschichte der Mongolen".

"Der Urahn Dschingis Khans war ein vom hohen Himmel erzeugter, schicksalserkorener grauer Wolf" beginnt die "Geheime Geschichte der Mongolen". Noch heute gilt Dschingis Khan in der Mongolei als vom Himmel eingesetzter Herrscher.

1206 gelang ihm sein Lebenswerk: Er vereinigte die Stämme der Mongolen und Turkvölker zu einer Gemeinschaft und erschuf das Mongolische Großreich. Diese Leistung brachte ihm schließlich auch seinen Namen ein, Dschingis Khan bedeutet übersetzt "ozeangleicher Herrscher". Wer jetzt glaubt, das sei verstaubte Geschichte aus einem fernen Land wird sich wundern: Der Einfluss Dschingis Khans reicht bis in die heutige Zeit und zu uns nach Europa.

Ein ganzes Weltreich zum Anschauen

Seit 1998 arbeitet ein Archäologenteam in der mongolischen Hauptstadt Ulaanbaatar und bringt durch gezielte Ausgrabungen immer größere Teile der Geschichte des mongolischen Weltreiches zu Tage. Drei Meter breit ist die Weltkarte aus dem 15. Jahrhundert, die das Mongolische Reich vom Pazifischen Ozean bis Mitteleuropa zeigt. Die "Neunfüßige Weiße Standarte" ist das Symbol für das unter Dschingis Khan geeinte mongolische Volk. Totenbahren, Särge und Textilien zeigen, wie die Menschen damals gelebt haben. Verblüffend sind Funde, die uns zeigen, wie modern Dschingis Khan schon damals seinen Staat geleitet hat.

So erließ er die Pax Mongolica, eine Ordnung, die das Zusammenleben der verschiedenen Völker regeln sollte. Diese war vor allem von Toleranz gegenüber den verschiedenen Religionen und Kulturen geprägt. Die Ausgrabungen zeigen, dass jeder Bewohner eine Art Pass besessen hat. Waren und Botschaften konnten mit einem fortschrittlichen Kurierwesen im ganzen Land verteilt werden. Aber die Ausstellung bietet nicht nur Ausgrabungsstücke und Kunstgegenstände zum Anschauen, sondern lädt auch zum Mitmachen ein.

In feinem Zwirn über die Steppe. Dieses wertvolle, goldene Cape war Symbol der Macht der Khans.

Leben wie die Nomaden

Die meisten mongolischen Stämme waren und sind bis heute Nomaden. Sie ziehen mit ihren Viehherden von einem Ort zum anderen. Diese Lebensweise unterscheidet sich vollkommen von dem, was wir kennen. Im Dachgarten der Kunsthalle könnt ihr euch anschauen, wie das Leben in einer Jurte, der Zelt-Unterkunft der Nomaden, abläuft. Mongolen demonstrieren die traditionellen Regeln der Gastfreundschaft. Bei mongolischem Milchtee und zu den Klängen der Sudarga, einem alten Saiteninstrument, lernt ihr ihre Spiele und Lebensgewohnheiten kennen.

Die Kunst des Bogenbaus

Das Rahmenprogramm der Ausstellung bietet außerdem einige Workshops an, die auch ganze Schulklassen besuchen können. Verschiedene Kurse geben die Möglichkeit sich in die Kunst des Bogenbaus einweihen zu lassen. Die Bogenwaffe war das wichtigste Element der mongolischen Reiterkrieger. Unter Anleitung von Experten werden hier aus Kiefernholz Bögen hergestellt, die dann natürlich auch ausprobiert werden dürfen.

Dazu werden in einem Seminar die sagenumwobenen "Pfeile, die wie Vögel flöten", nachgebaut. Chanyu Maodon, ein mongolischer Herrscher aus dem 2. Jahrhundert, hatte diese für seine Krieger anfertigen lassen. Die jüngsten Besucher können der "Geheimen Geschichte" des Dschingis Khan auf den Grund gehen. In einer Jurte wird gespielt, gebastelt und werden Geschichten über das mongolische Volk erzählt.

Nähere Informationen zur Ausstellung und zu den Workshops findet ihr unter http://www.bundeskunsthalle.de

Text: 22. Juni 2005 MW; Fotos mit freundlicher Genehmigung der Bundeskunsthalle

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