Prügeln als Erziehungsmethode

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Prügeln als Erziehungsmethode

Lehrer, die mit dem Rohrstock oder Lineal zuschlagen, gibt es in Deutschland schon längst nicht mehr. Auch Eltern ist es bei uns per Gesetz verboten, ihre Kinder körperlich zu züchtigen. Doch werfen wir einen Blick in die Vergangenheit und über die Grenzen, z.B. nach England, wo die Prügelstrafe erst 1986 abgeschafft wurde.

In Deutschland haben Kinder seit 2000 ausdrücklich das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig. So steht es in Paragraph 1631 des BGB (Bürgerlichen Gesetzbuches). Eltern haben demnach kein so genanntes Züchtigungsrecht mehr gegenüber ihren Kinder und selbst eine Ohrfeige gilt als gesetzeswidrig.



Rute und Lederriemen

In der Vergangenheit war körperliche Bestrafung von Kindern Alltag. Seit der Antike gehörte Züchtigung in Schule und Elternhaus dazu, um dem Nachwuchs Diszplin, Ordnung und Gehorsam beizubringen. Besonders berüchtigt waren die römischen Schulen, wo Lederriemen und Rute zum Handwerkszeug jedes Pädagogen gehörten und schon bei geringsten Verstößen zum Einsatz kamen.

Schläge als Zeichen von Liebe?

Die Gewaltbereitschaft gegen ungehorsame Kinder änderte sich auch nicht, als sich das Christentum in Europa auszubreiten begann. Im Gegenteil. Sowohl das Alte wie auch das Neue Testament empfahlen liebenden Eltern ausdrücklich, ihre Kinder zu schlagen, um sie - im Falle eines Fehltritts - nicht vom rechten Weg abkommen zu lassen.


Ohrfeigen und Haare ziehen

Lehrer bestraften ihre Schüler Mädchen und Jungen gleichermaßen - bis Mitte des 20. Jahrhunderts vor den Augen der Klasse. Schläge mit dem Lineal auf die Hände oder mit dem Gürtel auf den blanken Po waren als Strafe ebenso beliebt wie Ohrfeigen, an den Haaren ziehen oder das Knienlassen auf spitzen Holzscheiten. Erst um 1960 begann man umzudenken. Dann vollzog sich der Wandel rasant. In Deutschland schafften sämtliche Bundesländer die Prügelstrafe in den 70er Jahren per Gesetz ab.

Kinderfreundliches Schweden

Vorreiter der Bewegung war Schweden. Schon vor über einem halben Jahrhundert wurde dort die Prügelstrafe aus den Schulen verbannt. Die schwedischen Eltern dürfen ihre Kinder seit mehr als 30 Jahren nicht mehr schlagen. Dennoch gibt es in Europa bis heute schwarze Schafe: Von 27 Nationen erlauben immerhin noch 11 die körperliche Züchtigung in der Familie, darunter Frankreich und England. Tschechien ist das einzige Land, wo Lehrer und Eltern ohne rechtliche Folgen zuschlagen dürfen.

Rückständiges England

In England hat das Corporal Punishment - so nennt man dort das körperliche Strafen von Kindern eine besondere Tradition. Unter Konservativen ist bis heute die Meinung verbreitet, dass Prügelstrafen dazu beitragen, Kindern ihre moralischen Grenzen aufzuzeigen. Am 22. Juli 1986 beschloss das britische Parlament mit nur einer Stimme Mehrheit, dass die Prügelstrafe abgeschafft wird. In Privatschulen, wie z.B dem feinen Eton-Internat, schwangen Lehrer offiziell bis 1999 den Rohrstock.

USA: Bestrafung mit dem Paddle

Auch in 21 Staaten der USA - vor allem in den christlich und konservativ geprägten Südstaaten gilt Schlagen bis heute als zulässige Erziehungsmaßnahme. Dazu dient das so genannte Paddle, ein Holzbrett, das üblicherweise vom Schulleiter bedient wird. Auch bei kleineren Kindern werden zum Teil drastische Methoden angewandt. So ist es verbreitet, als Bestrafung für freche Antworten oder "schlimme Wörter" den Mund mit Seife auszuspülen. Dies ist zwar keine körperliche Züchtigung, aber dennoch sehr unangenehm.

Weltweit zu viel Gewalt

Obwohl man heute weiß, dass Kinder durch körperliche Gewalt Schäden in ihrer Entwicklung nehmen können, ist Züchtigung weltweit in nur zwölf Prozent aller Länder verboten. Von 193 Staaten sind das 24. Davon befinden sich 19 in Europa. Keinerlei Verbote gibt es z.B. in Asien, Südamerika und der islamischen Welt.

Nic 20.7.2011 / Fotos: wikipedia public domain, Creative Commons Lizenz: Namensnennung: Bundesarchiv, Bild 183-R79742 / CC-BY-SA , GNU-Lizenz für freie Dokumentation

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