"Maori"-Ausstellung im Lindenmuseum: Entdeckt die Ureinwohner Neuseelands

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"Maori"-Ausstellung im Lindenmuseum: Entdeckt die Ureinwohner Neuseelands

Sie rollen furchteinflößend mit den Augen, stampfen mit den Füßen und strecken ihre bemalten Zungen heraus. Der traditionelle Kampftanz Haka, heute bekannt durch die neuseeländische Rugby-Nationalmannschaft, ist nur ein Aspekt der Maori-Kultur. Im Lindenmuseum Stuttgart könnt ihr die Ureinwohner Neuseelands in einer Sonderausstellung noch bis 14. Oktober kennenlernen. Es gibt spezielle Familienführungen, Kinder bis 12 Jahre zahlen keinen Eintritt.

Foto: Das Bild zeigt den Maori-Künstler George Nuku mit der traditionellen Moko-Tätowierung im Gesicht und auf dem Körper

Rund 15 Prozent der neuseeländischen Bevölkerung stammt von den Maori ab. Die noch bestehenden Maori-Stämme sind unter dem Namen "iwi" bekannt und siedeln im Norden des Landes. Die meisten Maori leben mittlerweile aber in Großstädten wie Auckland oder Wellington. Neben Musik und Tanz pflegen die Maori bis heute ihre handwerklichen Fertigkeiten. Sehr bedeutend sind die Tätowierkunst Moko, das Weben mit Flachs oder Carving, eine Schnitzkunst aus Holz, Knochen oder Jade. Im Lindenmuseum könnt ihr zahlreiche Maori-Kunstwerke bestaunen.

Mit dem Kanu nach Neuseeland

Seit wann die Maori in Neuseeland leben, kann nur vermutet werden. Schätzungen zufolge kamen ihre Vorfahren um das Jahr 800 in Reisekanus aus Polynesien und besiedelten in den folgenden Jahrhunderten einen der letzten unbewohnten Flecken Erde. Dort lebten sie - abgeschnitten vom Rest der Welt - in größeren Familienverbänden und pflegten ungestört, im Einklang mit der Natur, ihre Kultur, zu der auch blutige Stammesfehden gehörten.


Die beiden folgenden Abbildungen zeigen den traditionellen Kampftanz Haka



Konflikte mit den weißen Siedlern

Mit der Ankunft der ersten weißen Siedler im 17. Jahrhundert, brach für die Maori eine neue Zeit an. Sie lernten Waffen und Werkzeuge der Weißen kennen und wurden auch mit der christlichen Religion in Kontakt gebracht. Anders als bei den Aborigines in Australien oder den Indianern in Nordamerika, kam es aber bei den Maori nie zu einer vollständigen Unterwerfung. Grund hierfür ist, dass sich die Maori nicht kampflos ihr von den Vorfahren geerbtes Stammesland wegnehmen ließen, das sie erfurchtsvoll "Land der großen, weißen Wolke" nennen.  

Neuseeland wird britisch


Am 6. Februar 1840 wurde zwischen den Briten und den Maori der Vertrag von Waitangi geschlossen. Neuseeland wurde britische Kolonie, die Maori sollten Land und ihre Besitztümer behalten und alle Rechte und Privilegien britischer Bürger bekommen. Doch einige Stammesführer fühlten sich durch unklare Formulierungen im Vertrag betrogen und es kam 1845 zum Krieg, in dessen Folge zahlreiche Maori enteignet wurden. Bis heute werden sie dafür entschädigt und erhalten Land zurück.

Stolz auf Maori-Kultur

Nach wie vor sind die Maori in der neuseeländischen Gesellschaft leicht benachteiligt. Sie verdienen schlechter, sind häufiger krank oder arbeitslos. Trotzdem wird viel für ihre Gleichstellung getan. Seit 1960 haben die Maori mit einer eigenen Partei starken politischen Einfluss. Auch Sprache, Kultur und Mythen werden wieder gepflegt und gelehrt. Die Maori-Sprache ist neben Englisch als offizielle Landessprache seit 1987 anerkannt findet sich zahlreichen Ortsnamen wieder.

140 Objekte im Lindenmuseum

 

Abbildung: Der Stammesführer Tukukino um 1880

Im Lindenmuseum könnt ihr vollständig in die Kunst und Kultur der Maori abtauchen. Die 140 gezeigten Objekte stammen aus dem Völkerkunde-Museum Leiden sowie aus privaten Sammlungen und sind zum ersten Mal in dieser Zusammenstellung zu sehen. Prunkstück ist ein kunstvoll verziertes Versammlungshaus, das Anfang des 20. Jahrhunderts von einem Maori-Bildschnitzer gestaltet wurde.

Auf der Homepage des Lindenmuseums erfahrt ihr alles zu Öffnungszeiten und Preisen sowie speziellen Ferienangeboten für Kinder und zu Familienführungen!

Nic - 5.4.2012 / Fotos: Pd / Abbildung des Künstlers George Nuku Foto: Krijn van Noordwijk, Copyright: Museum Völkerkunde Leiden

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