Die Frage der Woche: Stimmt es, dass die Inder sich Frühling mit bunten Farben bewerfen?

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Die Frage der Woche: Stimmt es, dass die Inder sich Frühling mit bunten Farben bewerfen?

Jede Woche beantworten wir euch Fragen zu allen möglichen Themen. Heute fragt uns Mika aus Husum: Stimmt es, dass sich die Inder im Frühling mit bunten Farben bewerfen? Hier erfahrt ihr die Antwort ...



Du meinst bestimmt das hinduistische Holi-Fest! Das auch Fest der Farben genannte, ausgelassene Spektakel, bei dem sich die Inder mit Farbpulver und Wasser überschütten, markiert das Ende des Winters und läutet den Frühling ein. Es dauert bis zu zehn Tage und beginnt am Vollmondtag des Monats Phalguna, der nach westlicher Zeitrechnung im Februar oder März liegt. 2014 beginnt es am 17. März.

Ursprung: Streit der Religionen 

Im Süden Indiens ist das Holi-Fest dem Liebesgott Kama gewidmet, in Nordindien dem blauäugigen, oft mit Flöte dargestellten Hirtengott Krishna. Der Name Holi stammt von dem weiblichen Dämonen Holika. In der ersten Nacht des Festes wird traditionell ein Feuer entzündet, in der symbolisch eine Holika-Puppe aus Stroh verbrannt wird. Dieser Ritus geht auf einen Religionsstreit zurück, bei dem sich Vishnu, eine der wichtigsten Gottheiten des Hinduismus, gegen die Dämonin durchgesetzt haben soll. Vishnu siegte, Holika ging dagegen in Flammen auf.


Zum Holi-Fest: Alle Menschen sind gleich


Ähnlichkeiten zu unserem Karneval (oder Fasching, Fasnacht) gibt es insofern, dass während des Holi-Festes sämtliche Standesgrenzen außer Kraft gesetzt werden und alle Menschen gleich sind. Im Mittelalter war der Karneval bei uns gerade deshalb für die Menschen reizvoll.  Für einige Tage stand z.B. der Bettler auf derselben Stufe wie der Bürgermeister, konnte Späße mit Adeligen und verdienten Bürgern treiben, ohne dafür bestraft zu werden. Inzwischen ist das für unsere Gesellschaft aber nicht mehr von Bedeutung.


Strenges Kastenwesen


Anders in Indien, wo religiös bedingt ein strenges Kastenwesen herrscht. Das Dharma, die heilige Weltordnung bestimmt, dass jeder Hindu in eine bestimmten Kaste (= gesellschaftliche Klasse) hineingeboren wird. Er gehört ihr sein Leben lang an und kann sie nicht verlassen. Es gibt vier Kasten, die höchste ist die der Priester (Brahmanen), dann kommen die Krieger, die Bauern und die Handwerker. Jede Kaste befolgt eigene Bräuche und Vorschriften und grenzt sich dadurch gegenüber der anderen ab. 

Wasser Marsch!


Wenn Holi gefeiert wird, spielen Alter, Geschlecht und Stand keine Rolle. Holi Hai (frohes Holi-Fest!) begrüßen sich die Menschen und reiben sich mit buntem Farbpulver ein, werfen bunt gefärbtes Wasser eimerweise von den Balkons und feiern ausgelassen mit Tanz und Musik. Der religiöse Charakter des Fests ist noch daran erkennbar, dass die verwendeten Faben meist vorher auf dem Altar geweiht werden und die Menschen Segenswünsche überbringen.

 

Farbrausch


Ursprünglich wurden die Farben aus bestimmten Blüten, Wurzeln und Heilkräutern hergestellt. Eine besondere Rolle spielte dabei der Palasabaum, der im Februar und März seine Blütezeit hat. Der Legende nach soll der junge Krishna mit den Blüten des Baumes zu Holi gespielt haben. Heute werden die Farben für Holi meistens künstlich hergestellt. Deswegen tragen viele Inder während der Farnschlacht zum Schutz eine Kappe und balsamieren die Haut mit Lotionen und Cremes ein.

Nic akt. 28. 3.2013 /Foto Männer: Public domain, andere Fotos: Creative Commons Attribution 2.0 Generic Licence. Autor: Sukanto Debnath (Kind), Eliza Raschke (Farbenverkäufer) 

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