Das japanische Puppenbegräbnis

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Das japanische Puppenbegräbnis

Japan ist uns ein fernes und fremdes Land mit für uns ungewöhnlichen Riten. So haben Japaner aus religiösen Gründen eine andere Auffassung von der Welt, die sie umgibt. Der in Japan weit verbreitete Shintoismus fasst alles Existierende als beseelt auf. Entsprechend werden auch Puppen nicht einfach weggeworfen, sondern bekommen ein richtig gehendes Begräbnis.

Puppen haben in Japan eine lange Tradition. Sie waren Spielzeug und Talisman, also Glücksbringer, und spielten auch bei verschiedenen Festen eine wichtige Rolle. Im Laufe von Jahrhunderten entwickelte sich das Puppenmachen zu einer richtigen Kunst.


Puppen - mehr als Spielzeug


Die japanische Puppenwelt ist bevölkert von einfachen Papierpuppen, die man selbst machen kann bis hin zu kostbaren Kunstwerken, die in wertvollen Kleidern aus Seide gewandet sind. Speziell für den Adel wurden in der Vergangenheit auch besonders kunstvolle Einzelstücke angefertigt.


Puppenkaiser - Kaiserpuppen


Für verschiedene Anlässe gibt es auch unterschiedliche Puppen. Beim Mädchenfest am 3. März kommen die Hina-Ningyo zum Einsatz. Das sind so genannte Palastpuppen, mit denen der ganze Hofstaat des japanischen Kaisers nachgestellt wird, so wie hier im Bild.


Beim Jungentag am 5. Mai werden die Musha-Ningyo im Haus aufgestellt. Das sind wertvolle Puppen, die als Kaiser, Samurai oder Feldherr gekleidet sind. Man hofft, dass durch die eindrucksvollen Puppen die Söhne des Hauses ebenso mutig und unerschrocken werden.


Helden als Glücksbringer


Gosho-Ningyo wurden gerne von Fürsten auf Reisen als Glücksbringer mitgenommen. Sie waren oft Geschenke, wenn die Fürsten dem Shogun, hohe Verwaltungsbeamte, oder dem Kaiser ihre Aufwartung machten. Gosho-Ningyo waren wohlgenährte Jungs in Puppengestalt. Oft stellten sie einen mythischen Helden dar.


Eine so genannte Daruma-Puppe. Sie soll Glück bringen und stellt einen legendären Mönch dar.

Beseelte Welt - beseelte Puppen


Puppen sind in Japan also etwas ganz besonderes und persönliches. Für die meisten Japaner sind ihre Puppen sogar beseelt, was nicht zuletzt insbesondere mit der in Japan weit verbreiteten Religion des Shintoismus zu tun hat. Dort fasst man nicht nur Menschen, sondern auch Gegenstände und besondere Plätze in der Natur als prinzipiell beseelt auf.


Abschied von einem Familienmitglied


Darum gibt es einmal im Jahr ein regelrechtes Puppenbegräbnis. Die Menschen strömen in die Tempel des Landes und schicken die Seelen ihrer Puppen gen Himmel. Die Menschen nehmen diese Rituale durchaus ernst. Es duftet nach Räucherstäbchen und Opfergaben werden auf den Altaren aufgebaut.


Eine "Okiagarikoboshi" genannte Puppe. Sie kann einfach von jedermann aus Pappmache gemacht werden und funktioniert wie unsere Stehaufmännchen. Sie sollen ebenfalls Glück bringen und einen dazu bringen, auch bei Fehlschlägen immer wieder aufzustehen, wie die Puppe selbst.



Die Menschen und Kinder verabschieden dabei sowohl Kuscheltiere, als auch sehr wertvolle edle Puppen, die bis zu 2000 Euro kosten können. Für Japaner ist es undenkbar, "ihre" Puppen zu verkaufen, anderweitig zu nutzen oder einfach weg zu werfen. Sie waren schließlich sehr persönliche Gegenstände und auf eine Art Teil der Familie. Entsprechend würdevoll werden sie verabschiedet.


Nach dem Ritual, bei dem sich die Seelen von den Puppen gelöst haben, wartet allerdings ein recht irdischer Müllwagen auf die Überreste.



Hier könnt ihr euch einen Bericht in der ZDF Mediathek anschauen!

Text: -jj- 12.3.2010 // Bilder: Hina-Ningyo David Wiley/cc-by-sa 2.0; Torii Itsukushima-Schrein Bernard Gagnon cc-by-sa 3.0; Okiagarikoboshi Amcaja/cc-by-sa 3.0; Daruma Farah Eliane/cc-by-sa 3.0;

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