Götter in bunt Antike mal anders

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Götter in bunt Antike mal anders

Vom 4.4 bis zum 1.7 ist in Hamburg eine Ausstellung zu sehen, die unsere gewohnte Vorstellung von antiker Kunst auf den Kopf stellt. Sie trägt den Titel: Bunte Götter Die farbenfrohe Welt der alten Griechen.

Edle Einfalt und stille Größe, so schwärmte der Archäologe Winckelmann (1717-1768) einst über die Erhabenheit antiker Kunst. Und er steckte mit seinem Enthusiasmus so berühmte Leute wie Goethe und Schiller an. Noch heute haben die meisten Menschen, wenn sie an antike Kunst denken, ein Bild vor Augen: weiße, schneeweiße Skulpturen.

Die Ägineten in der Münchner Glyptothek - doch so weiß wie hier waren die Skulpturen vor 2500 Jahren nicht

Aber Winckelmann - wie die meisten seiner Zeitgenossen - irrte sich. Die Griechen liebten die Farbe und das Ornament. Die antiken Skulpturen waren über und über mit Mustern verziert, so farbenprächtig wie ein orientalischer Teppich.


farbiger Sarkophag des Alexander



Winckelmanns Worte

Winckelmann schrieb: Die Farbe trägt zur Schönheit bei, aber sie ist nicht die Schönheit selbst", und "so wird auch ein schöner Körper desto schöner sein, je weißer er ist". Kurzum: Winckelmann liebte alles, was weiß war. Denn - so seine Begründung - alles Weiße hat die Eigenschaft, die meisten Lichtstrahlen zurückzuwerfen.

passt gar nicht in Winckelmanns Bild: die farbige Rekonstruktion (Wiederherstellung) der Artemis, der griechischen Göttin der Jagd, des Mondes und des Waldes



Das Ideal der deutschen Klassik ein Irrtum?

Winckelmanns Auffassung der griechischen Kunst war das Ideal der so genannten Weimarer Klassik. Zu ihr zählen Wieland, Herder, Goethe und Schiller. Also ist die Frage berechtigt: Waren diese Genies der deutschen Literatur einem falschem Ideal gefolgt?

Ja und Nein Zwar beruht ihre Rezeption der antiken Kunst auf Missverständnissen. Aber das ändert nichts daran, dass ihre Werke zu Recht den Rang von Weltliteratur haben. Das Ideal der edlen Einfalt und stillen Größe war vielmehr ein deutsches als ein griechisches Ideal.

Wie hat man denn rausgekriegt, dass die Skulpturen bunt bemalt waren?

Zum einen wird das aus einigen antiken Schriften deutlich. Zum anderen hat der Archäologe Martin von Wagner den Mythos zerstört, die Kunst Griechenlands sei rein und weiß. Er fand winzige Spuren von Farbe an einigen Skulpturen.

Skulptur eines trojanischen Bogenschützen - Schaut mal, wie farbig Arme und Beine des Kriegers bemalt sind!

Das Buch, das er daraufhin im Jahre 1817 veröffentlichte, erregte Aufsehen. Seither ist zumindest den Fachleuten klar: Der Glaube an eine weiße Marmorwelt der Griechen ist ein Märchen.

Neueste Technik trifft älteste Kunst

 

Ab 1960 begann man mit der Untersuchung der antiken Skulpturen durch ultraviolettes Licht. Damit konnten die ursprünglichen Farben und Muster sichtbar gemacht werden. Daraufhin stellte man Abgüsse und Marmorkopien der originalen Kunstwerke her und bemalte sie so, wie sie vor rund 2500 Jahren ausgesehen haben.

Text: Ronny Waburek // Fotos: Ägineten: PD; Alexandersarkophag: GFDL; Artemis: GFDL; Bogenschütze: GFDL


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