Wie bei James Bond: Die "Agentenbrücke" in Berlin

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Wie bei James Bond: Die "Agentenbrücke" in Berlin

Am 11. Februar 1986 spielte sich im Südwesten Berlins eine Szene ab, die man sonst nur aus James-Bond-Filmen kennt. Auf der Glienicker Brücke kam es zum spektakulären Austausch von Agenten zwischen Ost und West. Was genau passiert ist? Wir haben die Hintergründe für euch!

In den mehr als 300 Jahren ihrer Geschichte schaffte es die Glienicker Brücke drei Mal die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zu lenken. Russen und Amerikaner nutzten den Übergang von West-Berlin nach Potsdam, um ihre Agenten, die vom jeweils anderen Land festgenommen worden waren, durch gegenseitigen Austausch, wieder frei zu bekommen. Das historische Gebäude weit abgelegen am Mauerstreifen - war der perfekte  Schauplatz für das filmreife Vorhaben. Im Volksmund wird sie deshalb noch heute Agentenbrücke genannt.

Was war der Kalte Krieg?

Zum Hintergrund: Bis vor dem Mauerfall waren die Beziehungen zwischen den USA und der Sowjetunion sehr frostig. Diese Zeitspanne von 1945 bis in die 1980er Jahre wird in der Geschichtsschreibung deshalb auch Kalter Krieg genannt. Damit bezeichnet man den Konflikt zwischen den  Westmächten (unter der Führung der USA) und den Ostmächten (unter der Führung der Sowjetunion), die mehr als 40 Jahre alles Menschen mögliche unternahmen, um den Einfluss der jeweils anderen Supermacht zurückzudrängen und zu schädigen.

Spione auf beiden Seiten

Auf beiden Seiten wurde emsig spioniert. Das heißt, mit Hilfe von Agenten wollten Geheimdienste wie das FBI (USA) und das KGB (Sowjetunion)  herausfinden, was die Gegenseite vor hat. Neben der militärpolitischen Lage waren dabei vor allem die Geheimnisse um den Bau von Atomwaffen interessant. Dabei gerieten immer wieder Agenten in Gefangenschaft, die meist nur im Austausch gegen andere wichtiger Agenten der Gegenseite freigelassen wurden.


Die Agentenbrücke

Den Auftakt auf der Glienicker Brücke machte 1962 der Austausch der beiden Spione Francis Gary Powers und Rudolf Iwanowitsch Abel. Im Morgengrauen des 10. Februar überquerte zunächst Powers die Brücke über die Havel nach Berlin, sechs Minuten später passierte Abel die Grenze in umgekehrter Richtung. Es dauerte bis zur Arä des letzten sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow, bis sich dieses Schauspiel wiederholte: Am 12. Juni 1985 um 12 Uhr mittags überquerten 23 Agenten der amerikanischen Geheimdienste sowie vier Mitarbeiter östlicher Geheimdienste die Brücke.

Die Welt schaut nach Berlin

Die aufsehenerregendste Austausch-Aktion ging am 11. Februar 1986  über die Bühne. Diesmal nahm die ganze Weltöffentlichkeit an dem Spektakel teil. Hunderte von Journalisten waren vor Ort um für Zeitungen, Magazine, Fernseh- und Radiostationen zu berichten. Sogar Touristenströme machten sich an dem verschneiten, sonnigen Wintertag auf den Weg, um aus der Ferne ein bisschen James-Bond-Luft zu schnuppern.

Ein Menschenrechtler und 8 Spione

Zuerst wurde der sowjetische Systemkritiker Anatoli (Nathan) Scharanski, heute Minister für Jerusalem in Israel, am 11. Februar 1986 über die Glienicker Brücke in den Westen entlassen. Kurz darauf begleitet Rechtsanwalt Wolfgang Vogel, der den Austausch organisiert hat, auch die drei West-Agenten zur Grenze. Nach und nach nimmt er später die fünf Spione aus dem Osten in Empfang.

Vermittler zwischen Ost und West

Wolfgang Vogel kam bei den Verhandlungen zwischen Ost und West eine zentrale Rolle zu. Er fungierte als nicht nur als Vermittler, wenn es um den Austausch von Spionen ging, er hat auch das Schicksal tausender ausreisewilliger DDR-Bürger bestimmt. Wolfgang Vogel organisierte  Häftlingsfreikäufe und  führte durch die Mauer deutsch-deutsche Grenze gespaltene Familien wieder zusammen geführt.

James Bond lässt grüßen

Auch wenn bisher der Eindruck vermittelt wird, Agenten gab es nur zur Zeit des Kalten Krieges, ist das nicht richtig. Noch heute sind internationale Spione im Einsatz und erst letztes Jahr fand ein Agentenaustausch zwischen Ost und West statt. Übrigens der erste offizielle seit 1986. Am 10. Juli 2010 wurden zehn russische Spione, darunter eine Frau, von den USA nach Moskau ausgeflogen. Im Gegenzug kam der in Russland  einsitzende Top-Spion Igor Sutjagin frei.

Nic 9.2.2011 / Fotos: public domain bzw. GNU-Lizenz für freie Dokumentation, Urheber: Lienhard Schulz

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