Warum sich Juden und Araber bekriegen

Berühmte Personen

Warum sich Juden und Araber bekriegen

Seit fast 60 Jahren zanken sich Israelis und Araber um Palästina. Beide Völker haben das Heilige Land seit Jahrtausenden besiedelt und betrachten sich deshalb als seine rechtmäßigen Bewohner.



Die Juden hatten bereits 1028 v. Chr. ein Königreich auf dem Gebiet von Palästina errichtet und kurz darauf Jerusalem zur Hauptstadt gemacht. Nachdem sie ab 722 v. Chr. immer wieder unter Fremdherrschaft gefallen waren, wurde ihr selbständiger Staat endgültig 70 n. Chr. von den Römern zerstört.

Beginn der Diaspora

Für die Juden der Beginn einer fast 2000 Jahre andauernden Diaspora. Unter diesem Begriff versteht man, dass eine Religionsgemeinschaft gezwungen ist, unter Andersgläubigen zu leben. Im Fall der Juden bedeutete das, dass sie aus dem gelobten Land vertrieben und im gesamten römischen Reich verstreut wurden.

Juden bleiben Minderheit

Eine Minderheit jüdischer Siedler blieb dennoch in dem Gebiet, das ab 135 n. Chr. Palästina genannt wurde. Dort dominierten seitdem die Araber, die sich und ihren islamischen Glauben seit dem 13. Jahrhundert immer mehr verbreiteten. Anfang des 20. Jahrhunderts stellten sie fast die gesamte Bevölkerung.

Rückkehr ins Land der Väter

Viele Juden hingegen strebten vor allem aus religiösen Gründen danach, in ihr gelobtes Land zurückzukehren. Dieser Wunsch manifestierte sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der politischen Bewegung des Zionismus. Ziel dieser Emanzipationsbewegung war es, einen eigenen Judenstaat in Palästina zu gründen. Die Existenz der dort lebenden Araber spielte für die zionistischen Visionäre und Denker schlichtweg keine Rolle, sei es aus Naivität oder Ignoranz.

Unmut der Araber wächst

Durch die seit 1882 einsetzenden Einwanderungswellen fühlten sich die Palästinenser spätestens seit 1920 bedroht. Als in den 30er Jahren immer mehr Juden aus Deutschland und Mitteleuropa nach Palästina strömen, bekommen sie es schließlich mit der Angst zu tun. In diesen Jahren werden erstmals bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern registriert.

Teilungsplan führt zur Eskalation

Nach dem Zweiten Weltkrieg spitzt sich die Lage dann noch mehr zu. Am 29. November 1947 verabschieden die Vereinten Nationen den so genannten Teilungsplan und stimmen für die Errichtung zweier Staaten auf palästinensischem Gebiet einem jüdischen und einem arabischen. Dieses Zugeständnis an die Juden ist vor allem als moralische Wiedergutmachung für den Holocaust zu verstehen. Nach den schrecklichen Erfahrungen der Vergangenheit soll den Juden die Möglichkeit gegeben werden, im Land ihrer Väter endlich in Frieden und Freiheit zu leben.

Israel gegen die arabische Welt

Am 14. Mai 1948 rief Israel seinen Staat auf dem ihm zuerkannten Gebiet aus. Doch damit war ein Großteil der arabischen Welt ganz und gar nicht einverstanden.

Innerhalb von nur 24 Stunden erklärten der Irak, der Libanon, Syrien, Ägypten und Jordanien Israel den Krieg. Doch dabei musste Palästina herbe Verluste hinnehmen. Israel eroberte weitaus größere Gebiete als im UN-Teilungsplan von 1947 vorgesehen waren. Viele Palästinenser flohen in Lager die eigens für sie im Westjordanland und im Gazastreifen errichtet worden waren.

Hoffnungsschimmer im Friedensprozess

In den folgenden Jahrzehnten kam es immer wieder zu militärischen Auseinandersetzungen. Friedensverhandlungen rückten in greifbare Nähe, wurden aber wieder verworfen. Als letzter große Hoffungsschimmer galt das zwischen dem israelischen Premier Rabin und PLO-Chef Arafat geschlossene Friedensabkommen, das 1993 im Beisein des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton unterzeichnet wurde. Doch nach der Ermordung des israelischen Staatschefs verhärteten sich die Fronten erneut.

1. und 2. Intifada

Links die Flagge der Palästinenser, rechts die Flagge Israels.

Am 08.12.1987 kam es im palästinensischen Flüchtlingslager Jabalya im Gazastreifen zu Unruhen, im Zuge dessen eine wütende palästinensische Menschenmenge das israelische Militär mit Steinen und Brandsätzen angriff. Dies war der Beginn des palästinensischen Aufstandes in den besetzten Gebieten, die Intifada. Intifada ist der arabische Begriff für sich erheben und bezeichnet gewaltsame Aktionen der Palästinenser, die sich gegen die Israeli richten. Immer radikalere Gruppen, wie die Hamas und die Hisbollah, bekamen seither immer stärkeren Zulauf.

Ende 2000 nahmen die Palästinenser den Besuch des damaligen israelischen Oppositionsführers Ariel Scharon auf dem für Moslems heiligen Tempelberg zum Anlass, die zweite Intifada auszurufen. Von da an wuchs die Spirale von Gewalt und Gegengewalt. Während die Palästinenser mit Selbstmordattentaten an öffentlichen Plätzen, in Bussen, Cafés oder bei Veranstaltungen in israelischen Städten Terror ausübten, regierte die israelische Regierung mit einem Aufmarsch von Soldaten und Panzern, mit Bomben und der Zerstörung palästinensischer Siedlungen und der Errichtung einer Mauer.

Machtlücke und Radikalisierung

Nach dem Tod des Palästinenserführers Jassir Arafat am 11. November 2004 war der Palästinenserstaat destabilisiert. Bei den Präsidentschaftswahlen am 9. Januar 2005 wurde Mahmud Abbas zu Arafats Nachfolger, bestimmt.

Die mit ihrer Lebenssituation unzufriedenen Palästinenser wählten am 25. Januar 2006 aus Protest die Hamas an die Macht, ohne wirklich zu begreifen, was sie damit getan hatten.

Am Abend des 21. Februar 2006 wurde Hamas-Führer Ismail Haniyeh von Präsident Abbas zum neuen Ministerpräsidenten der Palästinensergebiete ernannt. Als Anfang Juni 2006 die Hamas die Waffenruhe aufkündigte und Raketen auf israelischem Territorium einschlugen, wurde von den Israelis seine Eliminierung erwogen.

Krieg gegen die Hisbollah

Doch nicht nur die Hamas, auch die radikale Hisbollah setzte Israel zu. Vom Staatsgebiet des Libanon aus beschoss die Organisation israelische Orte mit Raketen und nahm am 12. Juli 2006 zwei israelische Soldaten gefangen. Dies verleitete Israel zu einem Militärschlag gegen den Libanon und die Zerstörung bedeutender Infrastruktur.

Bei diesem völkerrechtlich bedenklichen Angriff wurden der Internationale Flughafen von Beirut, wichtige Fernsehstationen, Brücken und Straßen, das schiitische Wohnviertel im südlichen Beirut, in dem sich auch das Hauptquartier der Hisbollah befindet, sowie zahlreiche Dörfer als Stützpunkte und Raketenabschussbasen der Hisbollah im südlichen Libanon aus der Luft angegriffen. Mit einer See- und Luft-Blockade hat Israel den Libanon und deren Bürger von der Außenwelt abgeschnitten.

Der Libanon hat knapp vier Millionen Einwohner, davon sind 42 Prozent Christen und rund 53 Prozent Musline. Im Süden des Landes leben 360.000 geflüchtete Palästinenser. Die Regierung des Libanon hat eingeräumt, dass sie diese Gruppe nicht kontrollieren kann, was Israel half, den Angriff mit seinem Selbstverteidigungsrecht zu begründen. Die libanesische Armee verhält sich bislang passiv und leistet nur sporadische Luftabwehr, hat aber gegen die israelischen Angriffe auf das Land protestiert und verlangt eine internationale Friedenstruppe, um den Konflikt zu beenden.

Neue Friedensverhandlungen 2007



Im November 2007 wurde beschlossen, dass es neue Friedensverhandlungen zwischen Palästinensern und Israelis geben soll. Diesmal schaltet sich der US-amerikanische Präsident G.W. Bush ein. Mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und dem israelischen Premierminister Ehud Olmert will er eine Lösung des Konfliktes erarbeiten, dessen Ziel es ist, zwei seperate Staaten für die verfeindeten Völker zu schaffen.

Nic 05.06.2002/aktualisiert rr 24. 7. 2006 / aktualisiert lm 29.11.2007.

Bilder: Karten: Wikipedia GNU, Flaggen: RR

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt