Schule der Toleranz

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Schule der Toleranz

Die Bevölkerung war auf den Barrikaden Zehntausende protestierten für oder gegen die Einführung der Simultanschule. Dort sollten Kinder aller Glaubensrichtungen, katholisch, oder evangelisch, jüdisch oder reformiert, gemeinsam unterrichtet werden.

Bis 1906 war es üblich, dass Kinder getrennt nach ihrem Glauben unterrichtet wurden. Evangelische Kinder gingen also auf eine evangelische Schule, katholische Kinder auf eine katholische Schule. Weil diese Schulen nach dem Glaubensbekenntnis unterschieden, nannte man diese Schulen Konfessionsschule (lat. confessio = Bekenntnis).

1906 wollte man in Preußen die Simultanschule einführen (simultan = gleichzeitig). Dort sollten Kinder, gleich welchen Glaubens, gemeinsam unterrichtet werden. Katholische Kinder und evangelische, Kinder die sich zur reformierten Kirche bekannten und jüdische Kinder sollten dort gemeinsam lernen.


Wage, zu denken! Der Philosoph Immanuel Kant legte den Grundstein für die Befreiung des Menschen von der Bevormundung durch blinde Religion.

Aufklärung und Toleranz

So sollte von früher Jugend an ein Geist der Toleranz entwickelt werden. Dieser Ansatz stammt aus der Philosophie des Liberalismus (lat. liber, liberalis = frei, die Freiheit betreffend). Im Liberalismus ist die Freiheit jedes einzelnen Menschen, die Freiheit des Individuums, mit das höchste Gut. Um diese Freiheit zu ermöglichen ist aber Bildung, Respekt und Toleranz wichtig, damit die Menschen auch über sich selbst und ihr Schicksal bestimmen können. Der Liberalismus ist ein Kind der Aufklärung (siehe Links am Ende des Artikels).

Die Reaktionen auf diese Idee einer Schule, in der Toleranz ein Unterrichtsprinzip war, waren unterschiedlich. Von evangelischer Seite wurde die Simultanschule im allgemeinen begrüßt. Sie waren der Auffassung, dass Religionsunterricht vom Staat durchgeführt werden sollte. Die katholische Kirche dagegen betrachtete den gemeinsamen Unterricht von Kindern unterschiedlichen Glaubens als eine Aufweichung des Glaubens und ihrer Macht.


Otto von Bismarck kämpfte als Reichskanzler um die Trennung von Staat und Kirche.

Trennung von Staat und Kirche

Außerdem empfanden die Katholiken die Simultanschule als weiteren Versuch, Staat und Kirche zu trennen. Damit hatte Bismarck begonnen, der insbesondere in der katholischen Kirche einen Feind des Staatswesens sah, wie er es sich vorstellte. Bismarck kämpfte für eine Trennung von Staat und Kirche. Jeder Mensch solle nach seiner Fasson, also nach seinem Wunsch, glücklich werden können.

Auf Grund der erbittert geführten Diskussion in der Bevölkerung einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss: Simultanschulen blieben zulässig. Aber jede Konfession sollte das Recht auf eine Schule ihrer Glaubensrichtung haben, selbst wenn in einer Gemeinde schon eine Simultanschule existierte.

Auch heutzutage gibt es noch Konfessionsschulen, die meisten davon katholisch. Das Gehalt der Lehrer und den Unterhalt des Gebäudes bezahlt aber nicht die katholische Kirche, sondern der Staat, also wir alle. Einige Konfessionsschulen haben sich aber auch für Schüler anderen Glaubens geöffnet. Bei einer zu großen Zahl an Neuanmeldungen haben sie jedoch das Recht, bevorzugt Schüler der eigenen Konfession aufzunehmen und andersgläubige abzulehnen.

Text: -jj- 26.5.2006 // Bilder: Kant: PD; Bismarck: PD;

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