Israel und Jordanien schließen Friedensvertrag

Berühmte Personen

Israel und Jordanien schließen Friedensvertrag

15 Jahre hatte es gedauert, bis nach dem Abkommen von Camp David zwischen Israel und Ägypten aus dem Jahr 1979 der zweite Friedensvertrag zwischen Israel und einem arabischen Staat geschlossen werden konnte. Am 26. Oktober 1994 unterzeichneten König Hussein von Jordanien und der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin das historische Dokument.

1948 - Der erste Krieg

Jordaniens Schicksal ist sehr eng mit dem Israels und der Palästinenser verbunden. Seit der Staatsgründung Israels im Jahre 1948 wurde Jordanien immer wieder in Kriege zwischen der Arabischen Welt und Israel hineingezogen.

Die spätere israelische Ministerpräsidentin Golda Meir hatte den jordanischen König Abdallah, den Großvater Husseins, damals in Amman besucht, um ihn vom bevorstehenden Krieg gegen den neuen Staat abzuhalten.

Obwohl Abdallah beteuerte, kein Interesse an einem Krieg zu haben, zwängen ihn doch gewisse Rücksichten auf die anderen arabischen Länder, sich an diesem Krieg zu beteiligen.

Bei diesem Krieg musste Palästina herbe Verluste hinnehmen. Israel eroberte weitaus größere Gebiete als im UN-Teilungsplan von 1947 vorgesehen waren. Damals kam das Westufer des Jordan - das Westjordanland - unter die Kontrolle Ammans. Erst seitdem heißt der Staat "Jordanien". Weil viele Palästinenser in Lager, die eigens für sie im Westjordanland und im Gazastreifen errichtet worden waren, flohen, wurde das Palästinenser-Problem ein direktes Problem des jungen Staates.

1967 - Der Sechs-Tage-Krieg

König Hussein von Jordanien geriet 1967 in eine ähnliche Situation wie sein Großvater fast zwanzig Jahre vorher: Weil Ägyptens Präsident Gamal Abdel Nasser fest von einem Sieg gegen Israel überzeugt war, ließ König Hussein sich zum Mitmachen überreden. Doch Israel entschied den Krieg innerhalb von nur sechs Tagen für sich, und Jordanien verlor Ostjerusalem und das Westjordanland.

Geheimkontakte mit Israel

In den Jahren nach dem Sechstagekrieg entwickelte der jordanische König sein diplomatisches Gespür, das ihm Anerkennung bei Freunden und Gegnern einbrachte. Ohne seinen arabischen Bündnispartnern untreu zu werden, nahm er im Geheimen Kontakte zu israelischen Politikern auf. Das geschah nicht nur im Ausland oder bei Veranstaltungen der UNO sondern auch in der Region selbst. Einmal hatte er in dieser Zeit sogar die israelische Hauptstadt Tel Aviv besucht. Diese Kontakte zahlten sich aus: 1971 verhinderte Israel einen Einmarsch der Syrer in Jordanien.

Israels Frieden mit Ägypten

Trotzdem war Ägypten und nicht Jordanien das erste arabische Land, das 1979 Frieden mit Israel schloss. Die Proteste in der arabischen Welt gegen diesen Friedensvertrag und die spätere Ermordung des ägyptischen Präsidenten Sadat verhinderten, dass Jordanien dem ägyptischen Beispiel in kurzer Zeit folgte.

Während des Libanon-Krieges war an einen solchen Schritt dann nicht mehr zu denken. Als 1987 die erste Intifada ausbrach entschloss sich König Hussein zu einem Schnitt: Im Juli 1988 gab er seine Verantwortung für die israelisch besetzten Gebiete zu Gunsten der PLO auf. Die Gründung eines eigenen Palästinenserstaates rückte in greifbare Nähe.

Friedensvertrag 1994

Erst nach dem Oslo-Abkommen zwischen Israel und der PLO 1993 war die Gelegenheit zum Friedensschluss gekommen: Durch die Friedensverhandlungen der PLO mit Israel ermutigt, nahm König Hussein von Jordanien die Gelegenheit wahr: Mit Hilfe der USA handelten Amman und Jerusalem einen Vertrag aus. Am 26. Oktober 1994 wurde an der israelisch-jordanischen Grenze zwischen Totem und Rotem Meer der Frieden gefeiert. In seiner Rede brachte der israelische Ministerpräsident Jitzchak Rabin die Gefühlswelten beider Staaten zum Ausdruck: "Fast zwei Generationen lang herrschte Trostlosigkeit im Herzen unserer beiden Völker", sagte er. "Die Zeit ist gekommen, nicht nur von einer besseren Zukunft zu träumen, sondern sie zu verwirklichen. Die Führer sollten den Weg freimachen und die Richtung weisen, beide Völker aber müssen den Weg ebnen."

Obwohl der Frieden in Nahen Osten derzeit brüchiger ist denn je, haben Israels Friedensverträge mit Ägypten und Jordanien gehalten.

RR 25. 10. 2004

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt