Ein Denkmal für die ermordeten Juden

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Ein Denkmal für die ermordeten Juden

Am 10. Mai 2005 wird in Berlin das Holocaustmahnmal feierlich eröffnet. Es ist das Stein gewordene Eingeständnis einer Geschichte, die in Deutschland zwischen 1933 und 1945 möglich war. Ab 12. Mai 2005 ist der Zugang zum Denkmal frei.

Hintergrund

Seit mehreren Jahren wird über das Holocaust-Mahnmal -- nach offizieller Redensart "Mahnmal der Ermordung der europäischen Juden" -- leidenschaftlich debattiert. Die Fronten verlaufen quer durch alle Lager: jede Partei, jede Bevölkerungsgruppe in diesem Land, hatte sowohl Befürworter wie auch Gegner dieses Projektes vorzuweisen. Überwiegend wurde die Absicht, in der Bundeshauptstadt Berlin ein Holocaust-Mahnmal zu errichten, begrüßt. Die Gegner des Projekts fanden, dass man neben der Vernichtung von Millionen von Juden auch den anderen Opfern des Holocaust gedenken sollte, das waren Sinti und Roma, Behinderte, Homosexuelle, politisch Oppositionelle, Querdenker und viele andere den Nazis Unbequeme.

Niemand bestreitet, dass es unsere Pflicht ist, an dieses Grauen der Vergangenheit zu erinnern. Es ist ein zwingender Beitrag an die Opfer und Hinterbliebenen zum einen, aber auch eine Mahnung an zukünftige Generationen.

Der lange Weg zum Denkmal

Es begann schon im Jahr 1988. Damals schlug die Publizistin Lea Rosh den Bau des Denkmals vor. Die Idee soll der Historiker Eberhard Jäckel gehabt haben, der mit Lea Rosh zusammen die israelische Holocaustgedenkstätte Yad Vashem besucht hatte.

Nach Gründung eines Förderkreises und dem ersten Spendenaufruf wurde im Mai 1994 ein Wettbewerb ausgeschrieben. Viele Vorschläge wurden gemacht, und ebenso viele wieder verworfen. Die Erwartungen waren enorm hoch, weil ein aussagekräftiges Mahnmal entstehen sollte. Berlin, der Bund und der Förderkreis einigten sich auf den Entwurf von Christine Jackob-Marks: eine 20000 Quadratmeter große schiefe Betonebene, mit eingemeißelten Namen der Opfer. Es sah aus wie eine überdimensionierte Grabplatte. Im Juni 1995 lehnte der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl den Entwurf ab.

Zweiter Anlauf

Erst im Juli 1997 wurden erneut Entwürfe eingeholt. Angenommen wurde der Vorschlag des New Yorker Architekten Peter Eisenman. Seine Idee musste jedoch mehrfach überarbeitet werden. So wurde sie um einen unterirdischen "Ort der Information" ergänzt. Außerdem bestand Helmut Kohl auf vierzig Bäumen, die den Übergang in Richtung Tiergarten gestalten sollten.

Mit großer Mehrheit beschloss der deutsche Bundestag am 25. Juni 1999 den Bau des Denkmals. Doch erst im Jahr 2003 wurde im Zentrum Berlins auf einer etwa 19.000 m großen Fläche nahe dem Brandenburger Tor mit dem Bau begonnen. Für das Denkmal und das angegliederte Museum wurden Kosten von 27 Millionen Euro eingeplant. Allein rund 900.000 Euro wurden bis 2005 durch Spenden von Privatpersonen aufgebracht.

Am 15. Dezember 2004 wurde mit einem öffentlichen Festakt die letzte der insgesamt 2711 Betonstelen gesetzt (Foto). Gleichzeitig wurde mit dem Pflanzen der Nadelbäume begonnen.

Das Mahnmal

Auf der gewellten Grundfläche werden genau 2711 Betonquader, so genannte "Stelen" in parallelen Reihen aufgestellt (54 Nord-Süd und 86 Ost-West-Achsen). Die Steine sind bei gleichem Grundriss (2,38 m x 0,95 m) sehr unterschiedlich hoch, zwischen ebenerdig (112 Stück im Gehweg) und 4,7 m; die Bodenfläche führt unter Niveau der Straßen. Die gleichmäßig 0,95 m schmalen Gänge dazwischen werden für die Besucher voll begehbar sein. Der Komplex wird durch ein unterirdisches Museum ergänzt. Es wird unter anderem eine Liste aller Namen der bekannten jüdischen Holocaustopfer enthalten. Die israelische Gedenkstätte Yad Vashem hat dazu eine Liste aller Namen der bekannten jüdischen Holocaust-Opfer zur Verfügung gestellt.

Dieser "Ort der Information" wird voraussichtlich täglich von 9.00 Uhr bis 20.00 Uhr geöffnet sein.

Bedeutung des Mahnmals

Die Stelen symbolisieren Grabflächen; die zur Mitte hin tiefer werdenden Gänge erinnern an den Gang in den Hades, also an den Gang in die Unterwelt und das Reich der Toten. Mit den 2.700 Stelen, die an Grabsteine erinnern, bestehen Ähnlichkeiten mit Sarkophag-Gräbern jüdischer Friedhöfe, die bei Platzmangel für die ewigen jüdischen Grabstellen aufeinander geschichtet werden wie z. B. am Ölberg in Jerusalem.

Der Architekt Peter Eisenman sieht das Denkmal offensichtlich als eine Leerstelle, aus der Neues wachsen soll. Beim Setzen der letzten Stele am 15. Dezember 2004 sagte er in einem Spiegel-Interview (Heft 52/ 2004) auf die Frage, was es den Deutschen sagen soll und was seine Absicht gewesen sei: "Nichts - Es soll still sein wie die Menschen in Auschwitz. - Die Absicht war, keine Absicht zu haben". "Manche sagen, das Denkmal sehe aus wie ein Friedhof." - "Das kann ich nicht ändern". Und: "Graffiti wären gut".

... und hier erfährst du mehr über das Holocaustmahnmal in Berlin.

RR, 9. 5. 2005 Fotos: Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas

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