Die Kuba-Krise

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Die Kuba-Krise

Im Oktober 1962 stand die Welt für kurze Zeit am Rande eines Atomkrieges. Die Auswertung geheimer Luftaufnahmen bewies, dass die Sowjetunion auf Kuba Mittelstreckenraketen mit Atomsprengköpfen stationierte. Mit einer Reichweite bis zu 1800 km hätten sie den gesamten Südosten der USA einschließlich Washington treffen können. 13 Tage lang hielt die Welt den Atem an.

Luftaufnahmen

Schon Ende August 1962 besaßen die USA erste Beweise dafür, dass die Sowjetunion auf Kuba Raketenabschussbasen errichtete. Hochfliegende U-2 Aufklärungsflugzeuge fotografierten Abschussvorrichtungen für Flugabwehr-Raketen. Politiker forderten ein Eingreifen, und das Parlament ermächtigte den Präsidenten John F. Kennedy, Truppen gegen Kuba einzusetzen.

Da mit den Raketen auf den Spionagefotos aber nur angreifende Flugzeuge abgeschossen werden konnten, maßen der Präsident und seine Berater den Aktivitäten auf der Insel keine große Bedeutung bei. Erst im Oktober änderte sich diese Einschätzung. Jetzt zeigten die Fotos Abschussbasen für nukleare Raketen, also klare Angriffswaffen, mit denen ein Großteil der USA vernichtet werden konnte. Am 15.10.1962 war dem CIA die Bedrohung klar: Die UdSSR baute Kuba zu einer Abschussbasis für Atomsprengköpfe aus - nur 150 km vor der Küste Floridas! Der Präsident wurde informiert, ein 13 Tage dauernder Nervenkrieg begann.

Diplomatie

Am 17. Oktober teilte die sowjetische Botschaft in Washington Präsident Kennedy mit, dass die UdSSR unter keinen Umständen Boden-Boden-Raketen auf Kuba errichten werde. Einen Tag später traf Kennedy den sowjetischen Außenminister Andrei Gromyko und sprach ihn auf die Waffen an. Auch dieser verneinte jegliches Vorhandensein von offensiven Waffen auf Kuba mit der Begründung, dass die Sowjetunion Raketen besäße, die vom eigenen Land aus jeden Punkt der Welt erreichen könnten und es nicht nötig habe, Plätze für Waffen außerhalb ihrer Grenzen zu suchen. Von den Fotos sagte Kennedy dem Russen nichts.

Viele Militärs versuchten den US-Präsidenten zu einem Luftangriff auf Kuba zu überreden, doch Kennedy fürchtete ein zweites Pearl Harbor mit vertauschten Seiten. Die Amerikaner wären die Angreifer gewesen und hätten vielleicht einen neuen Weltkrieg ausgelöst. Außerdem konnten die US-Militärs nicht garantieren, dass ein Luftangriff die Raketenstellungen vollständig zerstören würde.

Neben einem Militärschlag sah Kennedy noch eine zweite Möglichkeit, die ihm besser gefiel: eine Blockade Kubas, um die Errichtung der Raketenbasen zu stoppen. Erst am 22. Oktober setzte der amerikanische Präsident Kennedy in einer dramatischen Fernsehansprache die Weltöffentlichkeit von der Existenz der sowjetischen Raketen in Kenntnis.

Seeblockade

US-Präsident Kennedy stellte dem sowjetischen Staats- und Parteichef Chruschtschow ein Ultimatium: Er forderte ihn auf, die Rampen sofort abzubauen, die Raketen zurückzutransportieren und keine weiteren Offensivwaffen nach Kuba zu bringen. Außerdem befahl er Verteidigungsbereitschaft für die gesamte US-Nuklearstreitmacht. Die Sowjetunion versetzte ihrerseits den Warschauer Pakt in Alarmzustand.

Am 24. Oktober begann die US-Marine mit der Blockade des Inselstaates. Sowjetische Schiffe mit Kurs auf Kuba verlangsamten ihre Fahrt oder änderten ihren Kurs. Jedes Hineingeraten eines sowjetischen Schiffes in diesen Blockadering konnte den Krieg zwischen den beiden atomaren Weltmächten auslösen. Chruschtschow drohte in einem Gespräch mit einem US-Industriellen, den Blockadering um Kuba zu versenken. Zu diesem Zeitpunkt war ein sowjetischer Flottenverband nach Kuba unterwegs mit dem ausdrücklichen Befehl, die Blockade zu ignorieren. Die amerikanischen Kriegsschiffe hatten aber ihrerseits den Befehl, Kuba mit allen Mitteln zu isolieren und notfalls die Schiffe zu versenken.

Verhandlungen

Nur durch besonnenes Krisenmanagement beider Seiten wurde eine militärische Auseinandersetzung vermieden.

Am 25. Oktober begann John F. Kennedy einen Briefwechsel mit Chruschtschow, in dem die beiden Politiker ihre Standpunkte klärten. Chruschtschow forderte von den USA die Zusicherung, nicht in Kuba einzumarschieren. Die Amerikaner dachten ihrerseits darüber nach, den Abzug ihrer Jupiter-Raketen aus der Türkei anzubieten.

Doch ehe es dazu kam, eskalierte sie Situation nochmal: Ein in Alaska aufgestiegenes U-2- Aufklärungsflugzeug kam am 27. Oktober wegen eines Navigationsfehlers versehentlich in den sowjetischen Luftraum. Der Pilot forderte über Funk Unterstützung an, weil russische Kampfpiloten ihn abfangen wollten. Glücklicherweise kam es zu keinem Feindkontakt, denn die amerikanischen Kampfflugzeuge hatten Raketen mit nuklearen Gefechtsköpfen an Bord gehabt. Zur gleichen Zeit wurde über Kuba eine andere U-2 abgeschossen. Der Pilot war das erste Todesopfer der Krise.

Entspannung

Am 28. Oktober lenkte Nikita Chruschtschow ein, der dritte Weltkrieg war abgewendet. Die Raketen wurden abgezogen und Inspektionen der Uno gestattet. Kennedy hatte zugesichert, keinen Invasionsversuch auf Kuba zu unternehmen. Außerdem garantierte er in geheimer Absprache, die amerikanischen Jupiter-Raketen aus der Türkei abzuziehen.

Mit der Beendigung der Kuba-Krise hatte der Kalte Krieg seinen Höhepunkt überschritten. Die Konfrontation der Supermächte schärfte das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Entspannungspolitik. Als Folge wurde im Sommer 1963 der "Heiße Draht" zwischen Moskau und Washington installiert. Die USA, Großbritannien und die Sowjetunion vereinbarten ein Verbot von Kernwaffentests.

Die Ereignisse der Kuba-Krise wurden mehrmals verfilmt, zuletzt mit Kevin Kostner in "Thirteen Days".

Informationen über die Insel Kuba, Land und Leute gibt es hier.

Text: Roland Rosenbauer, Bilder: AREF, Kinowelt

Glossar

Weil aus den Meinungen zu diesem Artikel hervorgeht, dass die Zusammenhänge aus heutiger Sicht nicht leicht zu verstehen sind, hier eine kurze Erklärung der wichtigsten Begriffe. Wenn etwas fehlt, was dich interessiert, schreib es unten bei den Meinungen auf, wir werden es dann hier nachtragen:

Der kalte Krieg: Nach dem 2. Weltkrieg bildeten sich auf der Welt zwei Machtblöcke die westliche und die östliche Welt. Während der Westen demokratisch regiert wurde, war der Osten kommunistisch, wobei es zwischen Moskau und Peking zu Reibereien kam, also keine Einheit herrschte. Die Blöcke sammelten Arsenale von Atomwaffen an, mit welchen sie die Erde mehr als hundertfach hätten zerstören können. 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer war diese Epoche zu Ende.

John F. Kennedy: 35. Präsident der USA (1917 - 1963). Er wollte die Bürgerrechte der Amerikaner verbessern und den Kalten Krieg beenden. In seine Amtszeit fielen u. a. der Beginn des Vietnamkrieges und die Kuba-Krise. Außerdem setzte er den Termin für die Mondlandung fest. Kennedy wurde 1963 in Dallas ermordet.

Mittelstreckenraketen: Es gab und gibt immer noch Atomraketen mit unterschiedlicher Reichweite: Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen. Während die Kurzstreckenwaffen für das Schlachtfeld gedacht waren, konnte man mit Langstreckenraketen andere Kontinente erreichen. Die Mittelstreckenraketen hatten eine Reichweite von 1800 Kilometern.

Nikita Chruschtschow: Sowjetischer Politiker (1894-1971). In seine Amtszeit fielen u. a. der Ungarnaufstand, der Bau der Berliner Mauer und die Kuba-Krise.

UdSSR : Abkürzung für Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, das war ein kommunistischer Machtblock mit Moskau als Hauptstadt, das heutige Russland ist viel kleiner. Die UdSSR reichte von der Ostsee bis zum Pazifischen Ozean. Andere Bezeichnung: Sowjetunion

U-2 : Aufklärungsflugzeug, das aus großen Höhen Fotos schießen konnte. Heute werden solche Flugzeuge durch immer bessere Satellitenaufnahmen überflüssig.

Hinweis: Im Archiv wurden alle Bilder und Links entfernt